10 Jahre symposium Logistik Innovativ

Bessere Anreize für die Schiene schaffen

von Redaktion

Das 10. Logistik-Symposium in Prien beleuchtete innovative Lösungswege für den Güterverkehr der Zukunft – neben Branchenexperten aus allen EU-Alpenländern waren auch zahlreiche regionale Logistiker und Spediteure in den Expertenrunden vertreten.

Prien – Autobahnen im Infarktrisiko: Kilometerlange Lkw-Staus wegen Blockabfertigung am Grenzübergang Kufstein, mit Brummis zugeparkte Rast- und Tankstellen in der Nacht und lange Laster-Kolonnen, die den Verkehrsfluss verlangsamen. Das ist erst der Anfang: Bis 2030 soll der Güterverkehr nach Meinung von Experten nochmals um rund 40 Prozent wachsen.

Mit neuen Lösungswegen zur Verkehrsoptimierung befasste sich am Dienstag und Mittwoch das 10. Symposium Logistik Innovativ. Rund 200 hochrangige Experten aus der Logistik- und Transport-Branche, aus Industrie, Politik und Forschung tauschten sich dazu im Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ) in Prien über wegweisende Projekte wie den „Future Trailer“ und neue Verkehrstechnologien aus.

Das Symposium diente zum einen als Dialogforum zum Austausch über die wichtigsten Marktgegeben-heiten, Anliegen und innovative Ansätze der Transportakteure. Zum zweiten zog es Halbzeitbilanz für das europäische Förderprojekt Alpine Innovation for Combined Transport (AlpInnoCT). In ihm sind 15 Projektpartner aus dem ganzen Alpenraum zusammengeschlossen, um verbesserte Lösungsansätze im Kombinierten Verkehr (Straße/Bahn) voranzubringen.

Anpassungen bei Zugwaggons nötig

Die Ergebnisse der in verschiedenen Expertenrunden zusammengetragenen Wünsche und Ideen sollen in die AlpInnoCT-Pilotstrecke einfließen. Diese verläuft vom italienischen Hafen Triest über Rosenheim und München bis ins luxemburgische Bettembourg (siehe Grafik). Ein Hauptproblem ist derzeit laut Karl Fischer, LKZ-Leiter und Symposiums-Gastgeber, dass nur fünf Prozent der rund 1,8 Millionen Sattelauflieger oder Trailer überhaupt per Kran von der Straße auf die Schiene verladen werden können.

Das LKZ hat deshalb gemeinsam mit weiteren Partnern vor vier Jahren den „Future Trailer“ entwickelt, der diese Bedingungen erfüllt und mit einer Höhe von 3,85 Metern auch Eisenbahntunnels passieren kann. Ein im Test befindlicher Prototyp wurde im Rahmen des Symposiums vorgestellt.

Ein weiteres Anliegen der nach Prien gekommenen Logistiker war zudem, ergänzend zum „Future Trailer“ auch passende Zugwaggons zu entwickeln. Sie sollen durch neue Elektrifizierung und Federsysteme sicherstellen, dass auch zerbrechliche Ladungen, Kühltransporte und sensible Waren zuverlässig befördert werden können. Auch soll so die beim Lkw-Transport übliche Telematikortung problemlos möglich sein. „Ergänzend könnten damit längere Güterzüge mit mehr Trailern bestückt werden, wodurch die Wirtschaftlichkeit der Schienentransporte steigt“, resümiert Fischer.

In der Diskussion rund um die neue Pilotstrecke Triest – Bettembourg erklärte Alberto Cozzi, Projetktleiter im Hafen von Triest bei einem Zwischenstand des Symposiums, Triest werde mehrere Millionen Euro in den Ausbau des Hafens investieren. Als Vertreter der Eisenbahntransportunternehmen plädierte Mirko Pahl, Geschäftsführer von TX Logistik AG, für einen besseren Verkehrsfluss auf der Schiene durch intelligent vernetzte Systeme und vereinfachte Bestimmungen: „Es kann nicht sein, dass eine der wichtigsten europäischen Verkehrsachsen am Brenner, die Schiene, tageweise immer wieder geschlossen ist.“

Know-how aus der Produktion nutzen

Prof. Dr. Uwe Clausen, Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik sprach sich dafür aus, die Prozesse auf der Schiene „durch die Digitalisierung nachhaltig zu verschlanken und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern“. Joachim Lößlein, Produktionsleiter bei der BSH Hausgeräte GmbH aus Traunreut, schlug vor, sich das Know-how aus der Produktionssteuerung für Küchenherde in der Prozesssteuerung auf der Schiene zunutze zu machen. Thomas Eberl, Geschäftsführer der Spedition Eberl aus Aiging bei Traunstein, ergänzte: „Wir möchten dem Kunden auf der Schiene den gleichen Preis und die gleiche Qualität anbieten wie beim Lkw-Transport.“

LKZ-Leiter Fischer appellierte abschließend an die Branchenvertreter, mehr von der Politik zu fordern: „Es braucht nicht nur staatliche Förderungen, sondern auch flexiblere Gesetze, vor allem im europäischen Rahmen, um das Thema Kombinierter Verkehr voranzubringen.“

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