9. Unternehmertag in Rosenheim

„Lieber in die Arbeit oder nach Hause?“

von Redaktion

Geht es um die Gesundheit des Unternehmens und der Mitarbeiter, kommt der Führungskraft eine enormer Vorbildfunktion zu. Vielen Unternehmern sei nicht bewusst, dass ihre innere Einstellung hierbei ein wichtiger Faktor sei, so Redner Ralph Goldschmidt beim 9. Unternehmertag der Wirtschaftsjunioren.

Der Einladung folgten viele Unternehmer. Das Format des „Unternehmertags“ gibt es seit neun Jahren.

Die Gäste fanden im Anschluss an den Vortrag Gelegenheit zum Austausch.

Rosenheim – Langfristige Lebensplanungen sind in der heutigen Zeit schwer, langfristige Unternehmenskonzepte noch schwerer zu erstellen. Zu schnell folgen Entwicklungen aufeinander, und die Beschleunigung wird durch die Digitalisierung noch zunehmen. Kann man sich als Individuum und als Unternehmer auf die Zukunft überhaupt noch einstellen? Diese Frage stellten sich auch die Rosenheimer Wirtschaftsjunioren.

Ungesunde Denkweisen loslassen

Ihr Jahresmotto widmet sich der Zukunft der in der Arbeitswelt. Demzufolge stand auch ihr neunter „Unternehmertag“ unter diesem Vorzeichen. Von Ralph Goldschmidt, einem renommierten Unternehmenscoach, erwartete man sich Aufklärung und Anregungen.

Der Einladung der Wirtschaftsjunioren zum 9. Rosenheimer Unternehmertag in der Hochschule waren zahlreiche regionale Unternehmen gefolgt, etwa die Krankenkassen AOK, Techniker Kasse und die Bahn-BKK, die BaderMainzl GmbH, die Deutsche Leasing für Sparkassen und Mittelstand GmbH, die Duschl Ingenieure GmbH, Franz Stettner & Sohn, die Hamberger Flooring GmbH und die Kathrein SE, das Sportwagen Zentrum Inntal sowie die Steelcase AG.

Goldschmidts Grundthese: Im Mahlstrom aus Veränderung und Wandel gibt es einen festen Ankerpunkt. Er besteht darin, dass es der Firma nur gut gehen kann und sie nur dann ist der Lage ist, sich dem Wechsel anzupassen, wenn es dem leitenden Menschen dahinter gut geht. Goldschmidt ging es dabei nicht um freundliche Harmlosigkeiten, es ging ihm ums Eingemachte: Zum Beispiel um die Einstellung zur eigenen Gesundheit.

Hier hören einer Erfahrung nach Geschäftsführer und leitende Angestellte nämlich genauso gerne weg, wie alle anderen Menschen auch. Grund dafür ist seiner Ansicht nach stets derselbe: Die nackte Angst davor, was herauskommen könnte. Nur hätten Führungskräfte die besseren Ausreden – Gesundheitscheck? „Geht erst, wenn dieses Projekt in trockenen Tüchern ist“ – und die besseren Verdrängungsmechanismen: Wer permanent voller Adrenalin stecke, dem fielen die Zeichen, mit denen der Körper sich meldet, lange nicht auf.

Wenn sich an dieser Einstellung nichts ändere, so Goldschmidt, dann gehöre der „Burnout“ zum häufigsten Ausfallgrund in leitenden Positionen. Männer seien hier etwas mehr gefährdet, aber Frauen seien im Begriff, rasant aufzuholen.

Auch die Beziehung sollten Führungskräfte nie aus den Augen verlieren. Auch das nichts Neues, aber, so Goldschmidt: Kaum einer, der dem Kausalverhältnis „gute Beziehung, gut drauf“ zustimme, handele auch danach. Man müsse dazu nur aus dem Bauch heraus auf die Frage antworten: Geht man lieber in die Firma oder kommt man lieber Heim?

Sei man selbst mit sich im Reinen, seien auch Kraft und Kapazitäten da für die Firma. Hier sei nach Goldschmidt die Kardinalfrage, wie man in Zeiten des sich beschleunigenden Wandels Veränderungsbereitschaft unter seinen Mitarbeitern herstellen kann. Nach einer Untersuchung der TU München gehörten nur 19 Prozent der Belegschaft zu denjenigen, die Neuerungen aktiv unterstützten, 36 Prozent täten Dienst nach Vorschrift, 45 Prozent aber stemmten sich explizit dagegen.

Zuhören können als wichtige Kompetenz

Es greife zu kurz, als Ursache menschliche Bequemlichkeit anzuführen. Vielmehr sei es auch hier die Angst: Davor, den künftigen Anforderungen nicht zu genügen, wegrationalisiert zu werden. Eine Führungskraft habe die Aufgabe, diese Ängste ernst zu nehmen und gemeinsam mit den Mitarbeitern zu benennen, um das Energiepotenzial, das hinter ihnen stecke, in positive Aktion zu verwandeln. Diesbezügliche Gespräche setzten aber eine Vertrauensbasis voraus und die beruhe nicht zuletzt auf dem Gefühl der Mitarbeiter, dass sie und ihre Anliegen gehört würden.

Bei den Zuhörern, neben Mitgliedern der Wirtschaftsjunioren zahlreiche Unternehmer aus der Region, kam der Vortrag offenkundig gut an. Man habe einen Spiegel vorgehalten bekommen, in den man sonst nur ungern schaue, so äußerte sich beispielsweise ein Teilnehmer. Prof. Uwe Strohbeck, Dekan der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen, fühlte sich „sehr angesprochen“, wenn es um Mitarbeiterführung nach dem Motto „Überzeugen statt Anordnen“ gehe.

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