Stellwerk 18 lud zum ersten Netzwerkforum

Bessere Zukunft dank Digitalisierung?

von Redaktion

Wie werden wir in zehn Jahren wohnen? Welche Rolle wird die Arbeit mit Robotern spielen? Macht das autonome Fahren unsere Art der Mobilität freier? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich eine international angelegte Zukunftsstudie, deren Ergebnisse beim 1. Netzwerkforum des digitalen Gründerzentrums Stellwerk 18 im OVB-Medienzentrum in Rosenheim präsentiert und diskutiert wurden.

Rosenheim – Rund 150 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Behörden ließen sich von Dr. Rupert Hofmann von der Audi Business Innovation GmbH und von Lars Lengler-Graiff, Markt- und Trendforscher für das Multichannel-Programm bei IKEA, spannende Einblicke in die Welt von morgen geben. In der anschließenden Diskussionsrunde unter Leitung des Journalisten Tim Cole, Spezialist für digitale Transformation, beleuchteten vier Unternehmer und Wissenschaftler die Ergebnisse.

Nach einem Grußwort von Landrat Wolfgang Berthaler stellte Anton Klaus Kathrein, Geschäftsführer der Kathrein-Gruppe und Vorstandsvorsitzender von Stellwerk 18, Funktion und Aufgaben des gleichnamigen digitalen Gründerzentrums und des angegliederten Berufsverbands vor. Als branchenübergreifende Einrichtung fördert es digitale Start-ups und vernetzt sie mit etablierten Unternehmen, Wissenschaftlern und Kapitalgebern, berät zu Fördermaßnahmen und bietet weitere Dienstleistungen im Zeichen der Digitalisierung an.

„Unser Alltag morgen: Treiber des Wandels und Potenziale zukünftiger Lebenswelten“ lautete das Motto, unter das Dr. Rupert Hofmann und Lars-Lengler-Graiff die Präsentation der internationalen Zukunftsstudie stellten.

Im Auftrag mehrerer Unternehmen waren dazu in acht Städten in Europa, China und den USA unter anderem Wissenschaftler, Multiplikatoren und andere Experten befragt worden. Sie sollten eine Einschätzung über wesentliche Entwicklungstrends bis 2028 in den Bereichen Arbeit und Bildung, Leben und Freizeit, Konsum und Finanzen, Gesundheit und Ernährung sowie Kommunikation und Mobilität abgeben. Sich im Zeichen zunehmender künstlicher Intelligenz beständig weiterzubilden, wird demnach in Zukunft wichtig sein. In der Bildung wird es um die Verfeinerung typisch menschlicher Qualitäten wie Intuition, Kreativität und originelle Ideen, Beurteilungskraft und Empathie gehen. „Die Zusammenarbeit mit Roboter-Kollegen am Arbeitsplatz wird ebenso neue Herausforderungen bringen wie die Kunst, bewusst ,offline‘ zu gehen“, erklärte Lengler-Graiff. In den eigenen vier Wänden, die je nach Lebenssituation in Größe und Zuschnitt flexibel sein sollen, so die beiden Referenten, sollen „smarte“ Helfer Lebenskomfort und -organisation verbessern. Mehr Grün und gesundes Schlafen und sowie Natur-Erlebnisse „zum Anfassen“ sind in der digitalen Welt von morgen gefragt. Die „zunehmende Bedeutung ökologischer Fragen“ und sauberer Energie sowie „die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen“ und das „steigende Bewusstsein über den Marktwert der persönlichen Daten“ als neue Währung werden das Geschäftsleben bestimmen, so die Referenten. Autonomes Fahren und Carsharing beziehungsweise situativer Besitz sowie emissionsfreie Antriebe werden in den Städten zu neuen Mobilitätsformen führen, machte Dr. Hofmann deutlich.

„Wie kann man überhaupt belastbare Prognosen von der Zukunft machen?“, wollte Moderator Tim Cole in seinem Eröffnungsstatement zur Diskussion wissen. „Es geht um die Analyse von Potienzialen und realistischen Möglichkeitsräumen sowie die Frage nach Sehnsüchten und Wünschen“, erklärte Dr. Hofmann dazu. Anton Kathrein warf ein, die Studie zeige, „wie Technik helfen kann, die Zukunft besser zu machen“. Ob das gegenwärtige Bildungssystem gut auf die Zukunft vorbereite, wollte Cole weiter wissen. „Angesichts des großen Zuwachses an Technik und Wissen brauchen wir mehr Zeit, um die jungen Leute qualifiziert auszubilden“, meinte dazu Prof. Dr. Korbinian Riedhammer von der Hochschule Rosenheim. „Bei uns geht es um Kreativität und die Einstellung“, hielt dem Michael Schanz, Geschäftsführer der Medienagentur Spreadfilms in Traunstein, entgegen. „Junge Leute zeigen schon früh große Leistung und bilden sich selbstständig online weiter.“

Veränderungen haben positive Seite

Wo die Grenzen angesichts immer komplexerer Entscheidungen durch Maschinen seien, fragte Moderator Cole schließlich in die Runde. Mit Blick auf ethische Fragen etwa beim autonomen Fahren sagte Riedhammer, hier seien besondere Anforderungen an die Programmierer der Software zu stellen.

Florian Bielmeier, Geschäftsführer der Baufragen Software GmbH, berichtete aus der Baubranche, dass die Abläufe durch die Digitalisierung zwar beschleunigt würden, die Unternehmen aber an Grenzen stießen, wenn die Umstellung zu viele personelle Ressourcen binde. Trotz zahlreicher kritischer Einwände von Cole konnten die Diskussionsteilnehmer auch den Themen Datenschutz, Macht und Ohnmacht des Verbrauchers, ständiges Vernetztsein oder neue Mobilität durchaus positive Seiten abgewinnen.

Artikel 8 von 8