drei fragen an

„Das Problem liegt bei der Aufzeichnung“

von Redaktion

Rosenheim/Rohrdorf – 34 Ermittlungsverfahren habe das Hauptzollamt Rosenheim 2017 gegen Arbeitgeber in der Region eingeleitet, weil sie gegen das Mindestlohngesetz verstoßen haben, meldet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Theresa Albrecht, Gastronomin, gehört zum Kreisvorstand des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA. Sie bezweifelt, dass ordentlich geführte, einheimische Betriebe weniger als die festgeschriebenen 8,84 Euro zahlen.

Wenn die Betriebe alles richtig machen wollen und sich ans Mindestlohngesetz halten, wo ist dann das Problem?

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass in der Region der Mindestlohn unterwandert wird, schließlich gibt es gerade in Bayern besonders strenge Kontrollen. Viele zahlen sogar freiwillig mehr, auch wir selbst, um keine Probleme zu bekommen. Wenn doch welche auftauchen, wie die NGG meldet, hat das in der Praxis meist andere Ursachen: Etwa, wenn ein Monatslohn vereinbart wurde, die Anzahl der geleisteten Stunden aber variiert. Das Problem ist für die heimische Gastronomie weniger der Mindestlohn, sondern die Aufzeichnungspflicht.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Nicht jeder Betrieb hat ein automatisches Zeiterfassungssystem. Auch wir in Rohrdorf lassen unsere rund 100 Mitarbeiter ihre Lohnzettel auf Vertrauensbasis selbst ausfüllen. Schreibt jemand ein paar Stunden mehr auf, dann kann der errechnete Stundenlohn in einem Monat tatsächlich unter dem Mindestsatz liegen. Oder umgekehrt. Schwankungen in der monatlichen Stundenzahl sind bei dem Mindestlohnkonzept nicht vorgesehen.

Wäre es nicht besser, da ein Stempel- oder Zeiterfassungssystem einzuführen?

In der Praxis ist das in den Betrieben oft nicht durchzusetzen. Allein bei uns im Hotel gibt es sieben Eingänge, die das Personal nutzt. Die müsste ich alle mit Geräten ausstatten. Wir haben rund um die Uhr Betrieb, da kann ich auch nicht durchsetzen, dass etwa nur noch zwei Ausgänge genutzt werden dürfen, weil dort die Automaten sind. Und auch deren Daten muss am Ende jemand mit viel Zeitaufwand auswerten. Da ist mir die Vertrauensbasis lieber.Interview Elisabeth Sennhenn

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