Mühldorf – Im vergangenen Jahr wollten wieder weniger Menschen im Landkreis Mühldorf ihr eigener Chef werden. Wie die IHK für München und Oberbayern mitteilt, meldeten dort 2017 insgesamt 938 Personen ein Gewerbe an, ein Minus von 2,2 Prozent gegenüber 2016. Grund dafür sind die Firmenneugründungen, die um fast drei Prozent auf 856 Fälle gesunken sind. Die Betriebsübernahmen haben hingegen um 6,5 Prozent auf 82 Fälle zugelegt.
Interesse am Risiko der Selbstständigkeit sinkt
Die meisten Neugründungen gibt es im Handel (180) und bei Dienstleistungen (163), bei den Betriebsübernahmen liegt der Handel (17) und das Baugewerbe (11) vorne.
Ausschlaggebend für die weiterhin niedrige Gründungsdynamik ist laut IHK die Konjunktur: „Der Arbeitsmarkt in Südostoberbayern bietet Vollbeschäftigung. Erfahrungsgemäß sinkt damit das Interesse an einer unternehmerischen Selbstständigkeit und den damit verbundenen Risiken“, sagt Ingrid Obermeier-Osl, IHK-Vizepräsidentin und Vorsitzende des Regionalausschusses Altötting-Mühldorf. Gerade das Plus bei den Betriebsübernahmen sei aber ein gutes Signal. „Alteingesessene Betriebe sind ebenfalls bedroht, wenn sich keine Nachfolger finden, die das unternehmerische Risiko von der vorhergehenden Generation übernehmen wollen“.
Trend zur Gründung im Nebenerwerb
Dank der wirtschaftlichen Rahmendaten seien die Erfolgsaussichten für Jungunternehmer „so gut wie selten zuvor“, ist Obermeier-Osl überzeugt. Auch der Trend zur Gründung im Nebenerwerb zeige, dass die Gründer überlegter handeln. „So testen sie parallel zu einem bestehenden Arbeitsverhältnis, ob das angepeilte Geschäftsmodell überhaupt tragfähig ist“, erklärt die Unternehmerin aus Schwindegg.
Die IHK-Gründerbilanz beruht auf Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik. Anlässlich des bundesweiten Aktionstages zur Unternehmensnachfolge am 21. Juni organisiert deshalb auch die IHK-Geschäftsstelle Mühldorf in Erharting eine Infoveranstaltung. re