aktuelle Entwicklung im Investorenprozess der schletter-gruppe

Neuer Investor, aber Stellenabbau

von Redaktion

Das Management des insolventen Herstellers von Fotovoltaik-Montagesystemen hatte es im April angekündigt; nun sieht es so aus, als wäre der Verkauf an Investoren in trockenen Tüchern. Dafür zahlt der Betrieb selbst einen hohen Preis: Erneut werden 90 Stellen abgebaut.

Kirchdorf/Haag – Im Juni, so hatte es zuletzt aus dem zur Restrukturierung eingesetzten Management geheißen, soll der Investorenprozess abgeschlossen sein. Erst am Mittwoch bekräftigte der Sohn des Firmengründers, Gesellschafter Ludwig Schletter, seinerseits gegenüber den OVB-Heimatzeitungen, das Unternehmen zurückkaufen zu wollen.

Dann ging es Schlag auf Schlag: Gestern gab die Unternehmensleitung um Geschäftsführer Tom Graf bekannt, die Verkaufsverträge seien von den Investoren just unterzeichnet worden, die Schletter Gruppe sei nun finanziell saniert.

Der Betriebsrat will sich nicht äußern

Nach Informationen unserer Zeitung soll das entsprechende Treffen zwischen Käufern und dem Gläubigerausschuss am Dienstagabend stattgefunden haben. Allerdings zunächst für ein im Fachjargon „Signing“ genannten, ersten Vertragsschluss. Mit dem „Closing“, dem offiziellen Vollzug des Geschäfts, rechne man zum Monatsende, gab das Unternehmen auf Nachfrage an. Ludwig Schletter indes zweifelt an der Endgültigkeit des Investorenprozesses (siehe Infokasten).

Die Geschäftsführung, so heißt es von Unternehmensseite weiter, solle auch nach dem Verkauf aus Graf und Oliver Renzow bestehen. Laut Graf bleibt der Produktionsstandort in Kirchdorf wichtig, „damit wir in Europa weiterhin nah am Kunden produzieren können.“ Dafür müsse man dort aber „noch schlanker und flexibler“ werden: Die Belegschaft wird laut Unternehmen erneut von derzeit 230 auf 140 Mitarbeiter reduziert. Dazu habe es eine Mitarbeiterversammlung gegeben; in den nächsten Tagen wolle man mit dem Betriebsrat zusammenkommen. Dieser gab sich gegenüber unserer Zeitung nicht gesprächsbereit. „Kein Kommentar“, hieß es vom Betriebsratsvorsitzenden Michael Busch, der kurz zuvor Adolf Haller abgelöst hatte. Haller hatte noch im April erklärt, von weiteren betriebsbedingten Kündigungen sei nicht die Rede. 2016 und 2017 hatten insgesamt 270 Mitarbeiter ihre Stelle bei Schletter verloren.

Als Käufer wird das Beteiligungsunternehmen Golden Square Capital genannt, hinter dem der Akquisitionsfinanzierer Avenue Capital Group stehe (siehe Infokasten). Wie es heißt, halte das Management eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen, Hauptgesellschafter sei aber Golden Square Capital. Golden Square hat seinen Sitz in Frankfurt und ist unter anderem spezialisiert auf die Beteiligung an Unternehmen, die sich in einer schwierigen Lage befinden oder den Turnaround (englisch für „Kehrtwende“) wagen. Bei Avenue Capital handelt es sich um einen Hedgefonds mit Sitz in New York, gegründet von den Geschwistern Marc Lasry und Sonia Gardner. US-Milliardär Lasry gehört zu den reichsten Managern der Welt. Ein Fokus liegt auf Fremdfinanzierungen von Unternehmensrestrukturierungen und -sanierungen.

Künftig nur noch als Mieter am Standort

Sanierungsgeschäftsführer Andreas Elsässer betonte den zügigen Investorenprozess von nur drei Monaten. Wie Schletter weiter mitteilt, werde im Rahmen der Übernahme durch Golden Capital ein zweistelliger Millionenbetrag in Euro für Investitionen bereit gestellt, der vor allem der Produktentwicklung und Ausbau der Geschäfte in Asien und Amerika dienen solle. „Der Fotovoltaik-Markt wird deutlich wachsen, und zwar in allen Weltregionen, in denen unsere internationale Unternehmensgruppe bereits vertreten ist“, so Graf. Die Investorenlösung ermögliche es, „frei von finanziellen Altlasten“ dieses Potenzial zu heben. Künftig wolle man sich auf Europa, Nahen Osten, Afrika, Nordamerika und Asien konzentrieren. Auf der Weltmesse Intersolar nächste Woche will man außerdem ein neues Produkt vorstellen, eine technische Vorrichtung, dank der sich eine Fotovoltaikanlage automatisch nach dem Sonnenstand richtet. Diese sei in Kirchdorf entwickelt worden. Die 67000 Quadratmeter-Immobilie in Kirchdorf wurde verkauft. Bei Schletter spricht man von einem „bayerischen Investor“. Aus Insiderkreisen heißt es, der Käufer sei ein Maschinenbauer aus der Region. Schletter wird in Kirchdorf dann nur noch Mieter sein.

Was ist ein Akquisitions- Finanzierer?

Ein Unternehmenskauf lässt sich auch über eine Akquisitionsgesellschaft finanzieren, die durch Zugriff auf die Cash Flows (Kassenzufluss, Saldo der Einzahlungen und Auszahlungen einer Periode) der Zielgesellschaft das zum Kauf aufgenommene Fremdkapital bedient. Solche Investoren sind oft darauf ausgerichtet, ihre Beteiligung nach drei bis sieben Jahren gewinnbringend zu veräußern.

Akquisitionsfinanzierungen können etwa dann zum Zug kommen, wenn ein Finanzinvestor einen Betrieb an einen anderen verkauft oder beim Notverkauf einer „Unternehmensperle“ bei Firmengruppen in Schieflagen.

„Abschreckung anderer Investoren“

„Schon vor Tagen ist bekannt gemacht worden, dass entsprechende Verträge unterzeichnet wurden“, so Gesellschafter Ludwig Schletter. Anders als von der Geschäftsführung dargestellt, sei damit aber noch nicht die Übernahme des Unternehmens erfolgt. „Hierfür ist noch der Eintritt von verschiedenen Bedingungen Voraussetzung.“ Mit der Nachricht versuche das Schletter-Management, andere Investoren davon abzubringen, ihre Angebote aufrecht zu erhalten. Da es offenbar eine eigene Beteiligung am Unternehmen anstrebe, sei diese Vorgehensweise nachvollziehbar. „Und sie zeigt erneut die eigentliche Zielsetzung dieser ehemals als Manager auf Zeit gerufenen Geschäftsführer“, stellt Schletter in den Raum.

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