Rosenheim – Laut Immobilienverband Deutschland-Süd (IVD) haben die Mieten für Ladenlokale von etwa 60 m² im 1a-Geschäftskern zwischen Herbst 2017 und Frühjahr 2018 um 2,8 Prozent zugelegt; Ladenmieten für etwa 150 m² Fläche um 2,3 Prozent. Die höchsten Steigerungen meldet der Verband für Geschäfte in 1b-Nebenkernlage: Zwischen 3,3 und 4,2 Prozent liegen die Werte hier im Plus. Die Mietpreise für Büroflächen seien nach Steigerungen von fast 35 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts erneut um 1,4 Prozent in die Höhe geklettert.
Kaum Wechsel in Rosenheims 1a-Lagen
Unter den bayerischen Mittelstädten zeigt Rosenheim im aktuellen IVD-Vergleich zwar die höchsten Nettomieten je m², allerdings sind die Preise im Vergleich zum Herbst 2017 nur gering oder gar nicht gestiegen: So kostet der Quadratmeter eines Gewerbeobjekts in Rosenheim derzeit zwischen 8,10 und 12,80 Euro – der Preisunterschied zu 2017 beläuft sich auf zehn, höchstens 20 Cent.
Unverändert blieben die Ladenlokalmieten im Rosenheimer 1a-Geschäftskern. Dazu zählen der Max-Josefs-Platz und die Münchener Straße. Sie lagen im Herbst 2017 und im Frühjahr 2018 laut IVD bei 60 Euro netto (60 m²) beziehungsweise 45 Euro (150 m²). Dass die Mieten hier trotz hoher Attraktivität des Standorts – die Kennziffer für Rosenheims Einzelhandelszentralität liegt derzeit bei 175 – nicht gestiegen sind, begründet Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl mit dem „relativ konstanten Mieterbestand“ in der Innenstadt.
Zugrunde liegt hier die Vermutung, dass langfristige Mietverträge für lange stabil bleibende Preise sorgen, während Neuverträge meist auch eine Mieterhöhung zur Folge haben.
In Rosenheims 1b-Geschäftskern liegen die Mieten im Schnitt zwischen 18 und 22 Euro. Die 1b-Lage bereitet Bugl derzeit etwas Sorge: „Hier haben wir an manchen Stellen eine für Rosenheim eher ungewöhnliche Leerstandsquote.“ Gründe dafür sieht er etwa im zunehmenden Online-Handel, im sinkenden Verhältnis zwischen Miete und Ertrag, im möglichen Generationenwechsel oder bei Sanierungsobjekten in der Nähe, welche die Passantenfrequenz weiträumig abschwächten. Dass die Mietpreise insgesamt stagnieren, ändert nichts an der Knappheit der Gewerbeflächen in der Stadt, gerade für Büros. „Das ist nicht erst jetzt der Fall, sondern bereits seit etlichen Jahren“, so Bugl. Ist doch einmal ein Objekt frei, kommen darauf nach Informationen unserer Zeitung bis zu zehn Interessenten. Bugl ergänzt, das große Thema sei aufgrund der Knappheit inzwischen die Flexibilität verfügbarer Flächen, um sie optimal auszunutzen, etwa mit versetzbaren Wänden.
Entspannter als in Rosenheim geht es im Moment noch in der Mühldorfer Innenstadt zu. Eine Knappheit an Büroflächen bestehe ihres Wissens nicht, so Astrid Reber von der Wirtschaftsförderung. „Der Stadtplatz hat sich bei uns gut entwickelt. Leerstände sind eher selten. In den Seitengassen siedeln sich meist Dienstleister an, sodass auch hier die Leerstände zum Teil rückläufig sind.“ Aktuell liege der Quadratmeterpreis in der Mühldorfer Innenstadt bei rund 20 Euro für Einzelhandelsflächen, so der ortsansässige Immobilienmakler Walter Spielmann. Büroflächen seien mit 8,50 bis neun Euro etwas günstiger, die Nachfrage nach Büros aber im Gegensatz zu Einzelhandelsobjekten viel geringer. Spielmann beobachtet für den Mühldorfer Gewerbe-Mietmarkt eine zunehmende Dynamik: Erst vor Kurzem hätten sich wieder zwei bekannte Marken mit Filialen innerstädtisch angesiedelt. „Neue Mieter sind auch bereit, ein paar Euro mehr pro Quadratmeter zu zahlen.“ Einen Preisanstieg bei den Gewerbemieten sieht der Immobilienexperte schon seit einiger Zeit: „Ein Einzelhändler am Stadtplatz hat vor rund fünf Jahren 14 oder 15 Euro je Quadratmeter gezahlt, für ein Büro sieben Euro.“ Die steigenden Preise schreibt er der wachsenden Attraktivität des Standorts zu, dem Ausbau des Bahnnetzes und der A94. Während die Preise für Büroflächen sich seiner Meinung nach beim jetzigen Stand einpendeln werden, sieht Spielmann bei Einzelhandelsflächen ein Potenzial von drei bis fünf Euro, die Interessenten in Zukunft mehr zahlen müssten.