Rotmilan Holzgestaltung

Gewinner auch ohne Preis

von Redaktion

Die Auftragslage ist gut für die beiden jungen Holzdesigner, die ihren jungen Handwerksbetrieb nach einem heimischen Greifvogel benannt haben. So schwierig auch manches für die Jungunternehmer gestaltet, so vielversprechend entwickeln sich ihre Projekte.

Frasdorf – Etwas versteckt im Ortsteil Umratshausen liegt die Werkstatt von Dominik Mendel und Toni Bettermann, die sich vor rund zwei Jahren unter dem Namen Rotmilan zu einem Holzdesignerteam zusammengetan haben. Selbst nennen sie sich „interdisziplinäre Werkstatt für Holzhandwerk, Produkt- und Objektdesign“. Das liegt daran, dass Rotmilan kein Handwerksbetrieb im herkömmlichen Sinn ist, sondern den Schwerpunkt auf Entwicklung und Design innovativer Holzobjekte setzt.

Personalproblem gelöst

„Wir sind gelernte Schreiner und können selbst alles Mögliche bauen, aber langfristig wollen wir Ideen vorantreiben“, beschreibt Dominik Mendel die gemeinsame Vision. Die handwerkliche Ausführung der Objekte – Möbel, Wohnaccessoires, Spielzeug, Designgegenstände – sollen in ein paar Jahren vorwiegend regionale Handwerker ausführen.

Noch aber machen die beiden Holzdesigner, um die 30 Jahre jung, alles selbst. Hilfe haben sie jüngst durch Julian Sabella bekommen, der als drittes Teammitglied überall da anpackt, wo es nötig ist. Denn die Werkstatt hat laut Mendel viele Aufträge; zu zweit kam man mit all den anderen Aufgaben als Gründer zuletzt kaum noch nach. „Einen Schreiner zu finden, ist zur Zeit extrem schwierig“, schildert Mendel, ausbilden können die beiden Unternehmer im Moment noch nicht: „Wir haben studiert, sind aber keine Meister und müssten erst den Ausbilderschein machen.“ Das sei schon aus Zeitgründen gerade nicht machbar, „aber bald bekommen wir einen Praktikanten, der gerade an der Hochschule Rosenheim studiert.“ Problem also vorerst gelöst. In ihrer Werkstatt zeigen Mendel und Bettermann einige der Stücke, an denen gerade gearbeitet wird: Da sind zum Beispiel die wie ein Puzzle zusammensteckbaren Holzelemente der „Minimonster“. Kinder könnten damit spielen, aber auch Erwachsene. „Oder man stellt sie als Accessoire ins Regal.“ Eine zeitlos designte Bank aus Eiche massiv wartet darauf, fertig gestellt zu werden. Im Büro steht schon ein Exemplar des von Rotmilan entwickelten, filigranen Regalsystems aus Eschenholz. Mendel zeigt außerdem ein kleines Modell des „Ziegenturms“, ein Anfangsprojekt, das sinnbildlich für die Kreativität, den Nutzwert und Formschönheit der Rotmilan-Objekte stehen könnte. „Wir wollen zeitlose Gegenstände entwerfen, die nicht unbedingt einem Trend unterliegen“, beschreibt Toni Bettermann. In Zukunft solle es auch Möbel-Kleinserien geben. Und ein Bett, das ab 2019 bestellt werden kann („Bis dahin haben wir vielleicht auch einen Onlineshop“). Die meisten Stücke sind jedoch Unikate.

Die Arbeiten der Designer haben sich in der Region schon herumgesprochen. Zum Beispiel haben die beiden den Rosenheimer Laden „Nimm´s Lose“ von innen ausgestattet, dann ein Café. Eine private Wohnung trägt seit Kurzem ihre Handschrift. Dazu kommen immer wieder verschiedenste, einzelne Designarbeiten.

Mendel und Bettermann kennen sich seit dem Studium in Produkt- und Objektdesign an der WHZ Fakultät für Angewandte Kunst im sächsischen Schneeberg. Beide haben Auslandsaufenthalte hinter sich; der eine war in Vancouver, der andere in Bozen. Die beiden haben sich bewusst für die Selbstständigkeit entschieden, auch wenn die Umstände oft nicht leicht waren: „Wir sind sehr froh, dass wir über Kontakte und intensive Suche an unsere jetzige, bezahlbare Werkstatt in Frasdorf gekommen sind“, erzählt Bettermann.

Kein Sieger, aber

doch gewonnen

Um mehr in die hiesige Gründerszene einzutauchen und auch aus Neugier, was dabei herauskommen könnte, hatten die zwei auch am jüngsten Rosenheimer Gründerwettbewerb teilgenommen. Einen Preis haben sie zwar nicht erzielt („dafür war unsere Geschäftsidee vielleicht nicht konkret genug auf eine Sache ausgerichtet“), aber ihr Netzwerk erweitert. Neben Aufträgen direkt aus Gründerkreisen sind für Mendel und Bettermann vor allem die entstandenen Kontakte relevant. Geht es nach ihnen, präsentieren sie Rotmilan schon bald auf einer der Designmesse in Mailand oder Köln. An Wettbewerben nehmen sie weiter teil. Zum Beispiel beim Deutschen Designpreis. Hier kamen sie zur Nominierung für die Auszeichnung als „Newcomer 2018“.

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