Traunreut – Gerade im Hinblick auf die stark wachsende Konkurrenz, speziell aus Korea und China, sei es wichtig, dass sich die deutschen Standorte diesen Herausforderungen stellen und neue, innovative Wege beschreiten, so Michael Schöllhorn, Leiter des operativen Geschäfts bei BSH. Mit 2,4 Millionen produzierten Geräten habe das Werk in Traunreut 2017 einen neuen Rekord aufgestellt.
Die Entwicklung 2018 zeige, so Schöllhorn weiter, dass es in Zukunft schwerer sein werde, die Marktposition zu halten oder sogar auszubauen: „Der Wandel zu einem Hardware-plus-Unternehmen, das zusätzlich zu den Geräten individuelle digitale Funktionen, Services und Inhalte anbietet, ist eine anspruchsvolle Aufgabe.“ Diese erfordere ein hohes Maß an Innovationsfähigkeit, Agilität und moderne Formen der Zusammenarbeit. Nicht zuletzt auch durch das stetige Wachstum des Traunreuter Standorts, an dem rund 3400 Mitarbeiter beschäftigt sind, war der Erweiterungsbau eine wichtige Investition.
Simulation im eigenen Mess- und Prüflabor
Die rund 5000 Quadratmeter große Nutzfläche bietet Platz für 230 Arbeitsplätze. Flexible Büroeinheiten, eine inspirierende Inneneinrichtung und kommunikationsfördernde Bereiche verbessern die Möglichkeiten, Teams zentral zusammenzuführen, Besprechungen abzuhalten und Prozesse effizienter zu gestalten. Zum Beispiel durch agile Arbeitsmethoden wie Scrum oder DesignThinking. Ein wichtiger Teil ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Bereiche Softwareentwicklung/Elektronik, Qualitätsmanagement sowie technisches Produktmanagement. Auch technisch bietet das neue, dreigeschossige Entwicklungsgebäude, das nur mit Fernwärme beheizt wird, ganz neue Ansatzpunkte.
So können die Hardware-Entwickler hier mithilfe modernster Mess- und Prüftechnik mit unterschiedlichen Stromnetz-Simulationen an länderspezifischen Modellentwicklungen, etwa für China, Latein- oder Nordamerika, arbeiten. Ein weiteres Kernstück ist ein neues, großzügiges Labor für die Prüfung der Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV). Damit kann die Störfestigkeit neuer Hausgeräte gegenüber Außenreizen wie Handyfeldern, WLAN und ähnlichen Signalen getestet werden. Speziell im Zuge des „Smart Home“-Konzepts und des angepeilten, neuen 5G-Mobilfunknetzes ist das ein nicht unwesentlicher Faktor. Andererseits können mit den Messeinrichtungen auch ungewollte Störaussendungen des Hausgeräts selbst erfasst und minimiert werden.
In seiner Rede bei der Eröffnung erinnerte Jörg Ulrich, BSH-Produktbereichsleiter Kochen, daran, dass Traunreut nicht nur die größte Fabrik von BSH sei, sondern auch das „Herzstück der Kochaktivitäten“.
Millionen in den Standort investiert
In den vergangenen vier Jahren wurden hier über 200 Millionen Euro investiert. Umgekehrt habe der Bereich 2017 ein Umsatzplus von sechs Prozent erzielt. Mit Blick auf den Markttrend erklärte er, dass dem Bereich Software dabei eine immer größere Rolle zukomme.
Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Traunsteiner Wirtschaftsförderung, hob hervor, BSH sei in Bezug auf Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft eine der „Lokomotiven im Landkreis“ und setze Maßstäbe. Traunreuts Bürgermeister Klaus Ritter sah in der Investition ein wichtiges und weitsichtiges „Zeichen für die Stärkung und Bindung an den Standort“. Um dem modernen Mobilitätskonzept des Standorts gerecht zu werden, wurde im Außenbereich auch eine Ladesäule für Elektrofahrzeuge installiert. Allgemein ist BSH der größte Hausgerätehersteller in Europa; seit 2015 gehört das Unternehmen zu 100 Prozent zur Bosch-Gruppe. Zu den produzierten Marken gehören etwa Bosch, Siemens, Gaggenau und Neff. BSH unterhält 43 Fertigungsstätten weltweit.