Stahl- und Holzkonstruktion aus Rosenheim

Wegbereiter für innovative Bauten

von Redaktion

Wenn neue Bauten eingeweiht werden, wie jüngst der Rosenheimer Busbahnhof, dann richtet sich das Augenmerk meist zuerst auf die Architektur. Dass ein Architekt seine wildesten Visionen allerdings nur umsetzen kann, wenn ein erfahrener Ingenieur mit im Spiel ist, bleibt der Öffentlichkeit meist verborgen.

Rosenheim – Für die stählerne Tragwerk-Konstruktion am frisch gestalteten Busbahnhof ist das Rosenheimer Team um den Ingenieur Dr. Lutz Schöne, geschäftsführender Gesellschafter der international tätigen Leicht GmbH, verantwortlich – wie auch schon für die gewölbte Dachkonstruktion am rückwärtigen Ausgang des Bahnhofs zur Klepperstraße hin.

Megaprojekte im Ausland realisiert

143 Tonnen Stahl wurden für die Tragwerke der beiden Dächer des Busbahnhofs verbaut, über eine Spannweite von 84 auf neun Metern für das eine, und 84 auf sechs Metern für das zweite Dach.

Für die Stadt Rosenheim haben Schöne und seine Spezialisten schon öfter Aufträge ausgeführt. Das Projekt Busbahnhof zog sich insgesamt vier Jahre hin. „Das ist normal in unserer Branche“, schmunzelt Schöne, ein von der IHK öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Stahlhochbau und Membrankonstruktionen. Mehrmals im Jahr wird er zu Rate gezogen, wenn irgendwo in Deutschland ein Schadensfall am Bau vor Gericht landet.

Neben dem Stahlhochbau und den klassischen, massiven Hochbaukonstruktionen hat sich das Büro mit Niederlassungen im französischen Nantes und in München sowie einer Büropartnerschaft in den USA drei weitere Spezialgebiete erarbeitet: Membrankonstruktionen (für die Schöne einer der wenigen deutschen Sachverständigen ist), den Fassadenbau sowie die Hochhauskonstruktion aus Holz.

Das Besondere an den Leicht-Ingenieuren sei, so Schöne, dass man immer wieder an neuen Themen der Branche mitarbeite, sobald sich eine innovative Entwicklung abzeichne. So seien sie unter den Ersten gewesen, die sich an textile Konstruktionen wagten, wie sie etwa die Allianz-Arena bei München prägen. Sogenannte ETFE-Kissen seien das Kernstück dabei, erzählt Schöne, und dass nach der anfänglichen Pionierzeit immer neue Membran-Projekte ins Portfolio kamen. Derzeit etwa ist sein Büro an einem groß angelegten Neubauprojekt eines Uhrenherstellers in der Schweiz beteiligt. Schöne zeigt Fotos von der Baustelle: Wie eine abgestreifte Schlangenhaut sieht die Membrankonstruktion in Form und Struktur aus, die sich zum bestehenden Haupthaus des Auftraggebers hin windet. Für diese abenteuerlich anmutende Konstruktion aus Glas und ETFE-Kissen sind er und seine Ingenieure seit 2013 rund 150-mal in die Schweiz gefahren, um vor Ort ihren Part des Bauprojekts zu überwachen. „So eine Fassadenkonstruktion muss enorm viel aushalten können“, schildert Schöne. „Berücksichtigt werden müssen Bauphysik, Statik, Einflüsse wie Sonne, Wärme, die Jahreszeiten und natürlich ästhetische Ansprüche.“ Ohne eine enge Zusammenarbeit mit dem Architekten könne ein solches Projekt nicht realisiert werden.

An der Komplexität dieses Beispiels zeigt Schöne, dass es ganz gut sei, regelmäßig „normale“ Aufträge vom kommunalen Tiefbauamt zu bekommen. „Megaprojekte sind spannend und machen sich gut in den Referenzen, aber sie bedeuten fürs Team auch die größten Umstände.“ Etwa dann, wenn der Auftraggeber in den USA sitzt und man für Meetings zehn Stunden anreisen muss oder eine Videokonferenz wegen der Zeitverschiebung zu nachtschlafender Stunde stattfindet. Etwa, als man am Bau eines der größten, amerikanischen Football- und Fußballstadien beteiligt war, dem futuristischen Mercedes-Benz-Stadium in Atlanta.

Im Moment beschäftigt Schöne besonders das Thema Hochhäuser in Holzbauweise. In der Branche galt es bis vor wenigen Jahren als praktisch unmöglich und riskant, mehr als drei Stockwerke in Holzkonstruktion zu errichten. Inzwischen wagt man sich an bis zu 25 Geschosse ran („weltweit gibt es davon aber erst maximal 20 Objekte“), wie derzeit bei einem innovativen Wohnbauvorhaben in Frankreich. Für dessen Holzkonstruktion zeichnet die Leicht France SAS, der französische Ableger des Ingenieurbüros, verantwortlich. „Man hat erkannt, dass die Holzbauweise mehr Vorteile bietet, als ursprünglich angenommen: Holzkonstruktionen halten etwa Bränden länger stand als solche aus Stahl.“

„Holz wird in seiner Bedeutung als Baustoff den Beton zum Teil verdrängen.“

Dr. Lutz Schöne

Während dieser schmelze, verkohle beim Holz erst einmal die äußere Schicht; die Konstruktion bliebe länger geschützt. „Holz ist außerdem sehr effektiv einsetzbar aufgrund der hohen Festigkeit bei einem relativ geringen Gewicht.“ Sein hoher Vorfertigungsgrad mache Holz sehr gut verbaubar. „Nicht zuletzt ist Holz ein nachwachsender Rohstoff.“ Holz etabliere sich in naher Zukunft als Baumaterial für den Hochbau und müsse aus Nachhaltigkeitsgründen den Beton teilweise verdrängen, ist Schöne sicher.

Der Boom des Holzbaus dauere noch fünf bis zehn Jahre, schätzt er, dann gebe es einen Höhepunkt, nach dem Holz in der Branche genauso etabliert sei wie gängige Baustoffe. „So war es auch mit ETFE, das heute für Atrien und Stadien als eingeführter Baustoff angesehen werden kann.“ Mit den Leicht-Ingenieuren will er ganz vorn dabei sein, wenn der Hochhausbau in Holz sich durchsetzt.

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