finanzierung im mittelstand

Vorsorge wird immer relevanter

von Redaktion

Der Mehrheit der Unternehmen in der Region geht es gut. Die Sanierungsabteilungen der Banken haben kaum etwas zu tun. Sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, könnte aber fatale Folgen haben.

Rosenheim –Ein Rat bei der Informationsveranstaltung der IHK für München und Oberbayern zum Thema „Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten für den Mittelstand“ lautete deshalb: Die guten Zeiten nutzen, um zukunftsfähig zu bleiben.

„Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten sind für Unternehmen immer ein spannendes Thema“, weiß Wolfgang Janhsen, Leiter der Rosenheimer IHK-Geschäftsstelle. Rund 40 Unternehmer aus Stadt und Landkreis nahmen an der Veranstaltung im Parkhotel Crombach teil.

„Wir befinden uns in einer Zinstiefphase, aber was ist, wenn die Zinsen wieder steigen?“, meinte Oliver Nerz von der IHK, der die Veranstaltung moderierte. Derartige Unsicherheitsfaktoren für Unternehmen gibt es aktuell viele. Thomas Walkenhorst, Leiter der Firmenkunden-Abteilung der Sparkasse Rosenheim Bad Aibling zählt dazu den Dieselskandal, den Konflikt zwischen Nordkorea und den USA, den Brexit, einen Koalitionsbruch, US-Präsident Donald Trump und Migration. „Diese Nachrichten passen eigentlich nicht zum momentanen Wachstumskurs der Unternehmen“, meint er.

Auch für Markus Ziechaus, Bayern Consult Unternehmensberatung GmbH, steht fest, dass sich die Lage schnell ändern könnte. Der Faktor Zeit spiele darum eine immer wichtigere Rolle. Produktabläufe müssten dementsprechend effizient und weitsichtig gestaltet werden. „Eine falsche Entscheidung kann ein Unternehmen vom Markt fegen“, gab er zu bedenken.

Sind Investitionen richtig gewählt?

Der derzeitige unternehmerische Erfolg beruhe auf seit Jahren sinkenden Material- und Energiekosten, verhaltenen Tariflohnabschlüssen und niedrigen Zinsen. Für Ziechaus sind das alles „geliehene“ Effekte. Würden sich diese Einflussfaktoren ändern, könnte auch die Gewinnmarge schnell empfindlich schrumpfen. Thomas Walkenhorst bezeichnete die aktuelle Situation als „historisch“. Besonders in der Region Rosenheim sei die wirtschaftliche Situation „außerordentlich gut“. Für die Sanierungsabteilung der Sparkasse der Banken gäbe es aktuell nichts zu tun. Doch trotz positiver Zahlen und Rekordmeldungen stimmen auch ihn einige Entwicklungen nachdenklich. Das Investitionsniveau im Gewerbebereich sei enorm hoch. Statt in Maschinen, Ausrüstung und Geräte werde aber vor allem „in Stein“, also in Bauten, investiert. Dementsprechend hoch seien die Preise für Immobilien oder ein Fleckchen Erde. Außerdem habe er festgestellt, dass sich die Geldanlagen der gewerblichen Unternehmer deutlich in Richtung Wertpapier verschieben. Sein Rat: „Geld streuen“, um einen Puffer für schlechtere Zeiten zu schaffen.

Wie sich Unternehmen gegen Zahlungsausfälle schützen können, erklärten die Forderungsmanagement-Experten Andreas Senk und Andreas Wild von „Coface“. Auch aus ihren Statistiken geht hervor, dass die Zahl der Insolvenzen in Deutschland seit Jahren rückläufig sind. „Aber die Auswirkungen der Insolvenzen sind gravierender“, sagten sie. Zunehmend betroffen seien ältere, mittelständische Unternehmen in der Umsatzklasse von fünf bis 25 Millionen Euro.

„Man muss sich die Frage stellen, ob sie die Zeichen der Zeit falsch gedeutet haben?“, stellte Andreas Senk in den Raum.

Gründe für diese Entwicklung sah er in dem immer stärker werdenden internationalen Wettbewerb und der zunehmenden Digitalisierung. Wie schon ihre Vorredner warnten Senk und Wild die Unternehmer, die derzeitige gute wirtschaftliche Situation als festgeschrieben zu betrachten: „Was ist, wenn es plötzlich keinen freien Handel mehr gibt?“ Als Unternehmer müsse man sich vor derartigen Risiken absichern.

Zum Abschluss gab David Stephenson von der IHK Tipps für den „Digitalbonus Bayern“.

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