Rosenheim/Rohrdorf – Als „sehr positiv“ haben laut Vorsitzendem Georg Höhensteiger die Rosenheimer Waldbesitzer den dritten Waldpakt aufgenommen, der in München beschlossen wurde. Der Pakt besteht aus elf Punkten. Insgesamt, so der Tenor, soll damit den 700000 bayerischen Waldbesitzern verlässliche Rahmenbedingungen für Klima- und Generationenwandel gegeben werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem „Bayerischen Weg“, der auf eine flächendeckende, multifunktionale Forstwirtschaft setzt. Konkret heißt das, dass die vielen Funktionen des Waldes – von Arbeitsplätzen über CO2-Bindung, Wasserspeicherung bis zu Erholungsraum – bei der Waldbewirtschaftung berücksichtigt werden müssen. Kein neues Thema ist der Mischwald. Der dritte Pakt bekräftigt jedoch noch einmal dessen Bedeutung, wie Höhensteiger schildert. Beratung und Unterstützung bei der Pflege gerade durch die Verbände komme da eine besondere Rolle zu. Das Ministerium will daher unter anderem die deutschlandweit einzigartigen, forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse in Bayern noch stärker fördern. Ab dem nächsten Doppelhaushalt 2019/2020 soll das Budget dafür von derzeit fünf auf zehn Millionen Euro angehoben werden. Das ist auch im Zusammenhang zu sehen mit der neuen „Waldumbauoffensive 2030“, die 27000 Hektar Wald in Bayern auf den Klimawandel anzupassen – stabile, weniger krankheitsanfällige Mischwälder bieten dazu ideale Voraussetzungen.
Dass man dennoch die Eigentumsrechte der zunehmend heterogenen Gruppe der privaten Waldbesitzer schützen und hochhalten will, ist für Manfred Maier, stellvertretender Bereichsleiter des Rosenheimer Forstamts, kein Widerspruch.
80 Prozent des Zuwachses genutzt
„Im Gegenteil. Für uns heißt das allerdings, dass wir unsere Beratungen intensivieren werden, denn immer mehr Waldbesitzer haben keinen landwirtschaftlichen Hintergrund mehr und brauchen das fachliche Know-how. Dazu gehört auch der Aspekt der nachhaltigen Waldbewirtschaftung.“ Seiner Erfahrung nach sei das Interesse am Thema Nachhaltigkeit bei den Privatbesitzern groß, nur mangele es zunehmend an Fachkenntnissen. Rund 8000 Waldbesitzer gibt es derzeit in der Region Rosenheim; für sie sind derzeit von staatlicher Seite her sechs Berater die Ansprechpartner. Maier schätzt, dass sie mehrere Tausend Beratungen pro Jahr durchführen.
Im Kontext des Landtagsbeschlusses „Bauen mit Holz“ vom Mai 2017 und des Landtagsbeschlusses „Nachhaltiger Ressourceneinsatz bei staatlichen Bauprojekten“ vom März 2018 will der Freistaat die Holzbauquote weiter stärken. Maier beziffert sie für Bayern auf 20 Prozent. „In der Region liegen wir aber über dieser Quote, im Landkreis nimmt der Holzbau knapp 30 Prozent ein.“ Ein eigenes Zertifikat für Holz aus der Region will das Forstministerium daher im Rahmen des neuen Waldpaktes auf den Weg bringen, was Maier für eine gute Idee hält. Der Staat will mit dem Zertifikat die stoffliche und energetische Verwendung von heimischem Holz fördern. Reichen denn die Vorräte? Da macht man sich im Forstamt keine Sorgen, wie Maier betont; es werde momentan noch wesentlich weniger Holz entnommen, als nachwachse. „In der Region werden derzeit nur 80 Prozent des nutzbaren Zuwachses genutzt.“