Rosenheim – 2017 ist das Finanzvolumen, das auf dem deutschen Markt nachhaltig angelegt war, von 1,2 auf 1,4 Billionen Euro gestiegen. Dazu zählen sowohl Eigen- und Kundeneinlagen als auch „grüne“ Geldanlagen, die etwa über ein Mandat verwaltet werden oder in Investmentfonds liegen. Institutionelle Investoren – Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften, Unternehmen – haben daran einen Anteil von 82 Milliarden Euro. Private deutsche Anleger haben immerhin acht Milliarden Euro nachhaltig angelegt. Für sie hält der Markt eine wachsende Reihe entsprechender Fonds, „Baumsparverträge“, Zertifikate oder ETFs bereit. Seit 2008 geben auch immer mehr Unternehmen und Organisationen Anleihen aus, die sie für nachhaltige Projekte verwenden. Solche Green Bonds erfreuen sich wachsender Beliebtheit, stehen aber auch in der Kritik, weil für den Investor nicht immer transparent ist, wie „grün“ das zu finanzierende Projekt wirklich ist. Skepsis herrscht oft auch am Markt, wenn es um die Renditen für den Anleger geht: Sie gelten als nicht besonders hoch.
„Das Angebot ist in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen: 2012 lag das neu emittierte Volumen noch unter der Marke von drei Milliarden Euro, 2015 waren es rund 40 und 2017 gut 130 Milliarden Euro“, beschreibt Andreas Gasteiger von der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG die Entwicklung. „Auch in diversen Privatkunden-Fonds mit Nachhaltigkeitsfokus sind verschiedene Green Bonds beigemischt“. Als Beispiele nennt er die Deutsche Hypothekenbank, die norwegische Sparebank oder die niederländische Bank ABN Amro. Hierfür spüre man eine steigende Nachfrage seitens der Privatanleger. Zu den vermeintlich niedrigeren Renditen sagt Gasteiger: „Das Vorurteil, dass Nachhaltigkeit auf die Performance drückt, kann in den meisten Fällen widerlegt werden. Im Gegenteil, oftmals können sogar bessere Ergebnisse erzielt werden.“
Nachhaltige Fonds würden von der Raiffeisenbank in der Anlageberatung aktiv angesprochen. Ein Thema, das der Gesetzgeber offenbar auf der Tagesordnung hat, wenn es um die Erreichung klimapolitischer Ziele geht: Im März legte die EU-Kommission einen Aktionsplan vor, der die Finanzierung nachhaltigen Wachstums stärken soll. Deutschland hinke beim Thema im EU-Vergleich hinterher.
Bei der HypoVereinsbank – die sich zu den politischen Hintergründen nicht positionieren will – ist das Thema nachhaltige Anlage seit über 15 Jahren fester Bestandteil der Investmentberatung, so Christian Hahn, Filialleiter der HVB in Rosenheim. Eine aktuelle Studie des Münchener Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen und der Konsumforschung GfK belege den hohen Bedarf auf Verbraucherseite an grünen Anlageformen, was das eigene Vorgehen bestätige. Aber nicht nur in der Anlageberatung, auch in der klassischen Vermögensverwaltung im Private Banking, wo es um Anlagevolumina ab einer Million Euro aufwärts gehe, hätten sich bereits über elf Prozent der Kunden für eine nachhaltige Variante entschieden. „Auffällig dabei ist: Kunden, die regelmäßig per Sparplan investieren, legen in der Nachhaltigkeitsvariante deutlich höhere Beträge, durchschnittlich 355 Euro im Monat, an, als bei den üblichen Sparplänen, wo Beiträge bei etwa 120 Euro im Monat liegen.“
Transparenz bei Green Bonds einfordern
Wo die Banken ihre Kunden von Angesicht zu Angesicht über Nachhaltigkeitskriterien ihrer Anlagen aufklären können, müssen sie, beziehungsweise ihre Investmentgesellschaften, selbst einen teils hohen Rechercheaufwand betreiben.
Laut Gasteiger gilt das umso mehr für Green Bonds: „Bei der Transparenz von Green Bonds gibt es große Unterschiede. So geizen beispielsweise vor allem asiatische Emittenten mit Informationen bei der konkreten Mittelverwendung und scheuen die aufwendige Dokumentation.“ Vereinzelt würden grüne Anleihen von Unternehmen emittiert, deren Geschäftsmodell größtenteils keinen nachhaltigen Kriterien folge. Umgekehrt ließen andere Emittenten ihre grünen Projekte extern prüfen, um Nachhaltigkeitsziele nachzuweisen.