Chemiepark Gendorf

Ressourcen sparen auf lange Sicht

von Redaktion

Während die Produktionsmenge in Bayerns größtem Chemiepark in den vergangenen drei Jahren um zehn Prozent gestiegen ist, arbeitet man im Chemiepark Gendorf daran, immer weniger Ressourcen zu verbrauchen und Energie zu sparen.

Burgkirchen – Die aktuelle Umwelterklärung, die der Chemiepark alle drei Jahre veröffentlicht, zeigt: Zwar liegen die Einsparungen beim Energieverbrauch im einstelligen Prozentbereich. Betrachtet man aber die Umwelteffizienz in einem Zeitraum von 20 Jahren, fällt die Bilanz schon deutlicher aus. So konnten die rund 30 Chemieunternehmen in Gendorf seit der vorangehenden Veröffentlichung den Wasserverbrauch um knapp zwei Prozent, den Energieverbrauch um drei Prozent und die Abwassermenge um vier Prozent reduzieren. Seit 1998 wurde zwölf Prozent weniger Wasser verbraucht, die Luftemissionen mehr als halbiert. „Dabei ist die Produktionsmenge in den vergangenen Jahren um das Dreifache gestiegen“, resümiert Bernhard Langhammer, Geschäftsleiter des Standortbetreibers InfraServ Gendorf. Warum man den 20-Jahres-Vergleich wählt, liegt daran, dass man sich damals erstmals für eine Validierung nach EMAS entschied. EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) gilt als eines der weltweit anspruchsvollsten, europäischen Umweltmanagementsysteme.

Laut Langhammer zählt der Chemiepark in Burgkirchen zu den Vorreitern im systematischen Umweltmanagement in Deutschland. Der Berichtszeitraum der aktuellen Umwelterklärung erstreckt sich von 2015 bis 2017. „Während dieser Zeit haben wir eine ganze Reihe Maßnahmen zur Verbesserung unserer Umweltbilanz vorgenommen“, schildert Langhammer. Zum Beispiel ein Bauwerk, das bisher als einzigartig gelte in der Chemieindustrie: So genannte Verzögerungsbauwerke, welche die Aufenthaltszeit des Wassers im Kühl- und Regenwasserkanal erhöhen. Dadurch bleibe den Labortechnikern mehr Zeit, das Wasser auf Rückstände zu analysieren, bevor es in die Alz fließe. „Zusammen mit einer verbesserten Analysentechnik haben wir so den Gewässerschutz des Chemieparks auf einen neuen Standard gebracht.“ Nimmt man die Kernzahlen im Bereich Ressourcen in den Blick, so fällt eine Steigerung des Rohstoffverbrauchs um vier Prozent auf, von 1400000 Tonnen pro Jahr auf 1500000 Tonnen. „Dem steht eine gesteigerte Produktion von 3,5 Prozent gegenüber“, erklärt Langhammer. Vervierfacht hat sich der Bilanz zufolge zwischen 2015 und 2017 die Menge des Abfalls: Das liege aber an der Entsorgung von etwa 126500 Tonnen belasteten Bodenaushubs, der bei Werkserweiterungen angefallen sei. Gesunken ist beispielsweise der CO2-Ausstoss, von fast 265000 Tonnen pro Jahr auf knapp 254000 Tonnen.

Angegangen wurden zusätzlich weitere Investitionen zum effizienten Umgang mit Wasser: „Derzeit werden die Rückkühlwerke ausgebaut und modernisiert. Sie kühlen das im Werk verwendete Kühlwasser nach dem Gebrauch erneut ab. Auf diese Weise kann Wasser mehrfach im Kühlkreislauf verwendet werden.“ An der Umwelterklärung 2018 mitgewirkt haben neben dem Betreiber InfraServ Gendorf die Unternehmen Archroma, Clariant, Dyneon, Globale Animes, Klöckner Petaplast und Vinnolit.

Umweltmanagement in Zeiten der Sorge

Sie erscheint in einer Zeit, in der in der Region große Unsicherheit in Bezug auf den Hilfsstoff PFOA herrscht, der nach 1960 für die Produktion von Hochleistungskunststoffen verwendet wurde. Standortbetreiber war damals der Konzern Hoechst. PFOA steht für Perfluoroctansäure. PFOA steht im Verdacht, krebserregend zu wirken. Seit über zehn Jahren ist der Stoff zwar aus Gendorf verbannt, dennoch wisse man heute, „dass auch jetzt noch PFOA-Konzentrationen im Grundwasser zu finden sind und die Belastung in den kommenden Jahren sogar steigen wird“, sagt Langhammer. Mit den Kommunen erarbeite man Lösungen, etwa an Reinigungsanlagen für Trinkwasserbrunnen. Und für die kommenden Jahre hätten sich die Unternehmen teils „ambitionierte Umweltziele“ gesteckt (siehe dazu Artikel auf dieser Seite).

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