ODU gmbH

Eine Lehre wie in Deutschland

von Redaktion

Um weltweit qualifizierte Mitarbeiter zu finden, baut ODU zusammen mit anderen Firmen in Rumänien, China und Mexiko ein duales Ausbildungssystem auf. Damit exportiert der Mühldorfer Steckerhersteller das deutsche Lehrmodell, muss aber zum Teil Widerstände überwinden.

Mühldorf – Am Anfang stand tatsächlich die Zahl Null, als sich die ODU GmbH 2006 einen Produktionsstandort in Rumänien suchte. Null Mitarbeiter hatte der Mühldorfer Hersteller von hochtechnischen Steckverbindungen in Rumänien, als er günstige Bedingungen für ein Firmengelände in Sibiu fand, dem früheren Hermannstadt. Gute Anbindung durch Flughafen und Straße, deutsche Schulen, Deutschfreundlichkeit und andere, meist größere Firmen, dazu eine wirtschaftsfreundliche Stadtverwaltung.

Heute sind es 500 Mitarbeiter, die im September aus den derzeitigen Mieträumen in der Stadt in ein neues modernes Gebäude in einem Industriegebiet ziehen. Dort montieren sie Stecker und Kabelkonfektionen.

Die gute Lage und das neue, erweiterbare Firmenareal nützen ODU wenig, wenn es kein ausreichend qualifiziertes Personal gibt. „Ohne Fachkräfte ist das alles nichts wert“, betont Produktionschef Robert Klemisch. Deshalb investiert das Unternehmen nicht nur in Gebäude und Technik, sondern vor allem auch in die Ausbildung in Rumänien und anderen Ländern.

Denn ODU kommt mit angelernten Kräften, herangebildet in internen Schulungen, nicht mehr aus. Notwendig sei vielmehr die Deckung eines langfristigen Bedarfs an Facharbeitern und Ingenieuren, um die Qualität der Produkte zu sichern.

Als Glücksfall erwies sich laut Klemisch eine in Sibiu bestehende Ausbildungskooperative anderer, größerer deutscher Firmen, darunter der Steckerhersteller Markwort und der Autozubehörproduzent Conti. Beide arbeiteten bereits mit der örtlichen Berufsschule zusammen, eine Zusammenarbeit, die ODU inzwischen weiter vorantreibt. Ziel ist die Einsetzung des deutschen dualen Systems der Ausbildung im Betrieb und der Berufsschule. „Das System läuft, aber noch nicht optimal“, sagt Klemisch.

Ein Grund seien Vorbehalte der Behörden und der örtlichen Berufsschule. Ein anderer das mangelnde Ansehen, das die duale Ausbildung bei Jugendlichen und Eltern genieße; was nach Einschätzung Klemischs auch am niedrigeren Niveau der derzeitigen Berufsschule liegt.

„Die deutsche Berufsausbildung ist ein Exportschlager, aber in Rumänien in den Köpfen noch nicht drin“, bestätigt Nicol Schindlbeck, Kommunikationschefin von ODU. Auch deshalb reiste sie mehrfach nach Rumänien, um auf Ausbildungsmessen, in Anzeigenkampagnen oder persönlichen Gesprächen für die duale Ausbildung zu werben. „ODU engagiert sich sehr stark“, sagt Klemisch, „auch finanziell. Denn wir sind überzeugt, dass wir mit dem deutschen System gute Grundlagen schaffen.“

Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit Universitäten, die in der Ingenieursausbildung tätig sind. ODU bietet den Studenten Praktikumsplätze in Sibiu an, aber auch in Mühldorf; dazu kommt ein Verbund mit der Hochschule Rosenheim, wo junge Leute aus Rumänien Gastsemester absolvieren können.

„Länder wie China haben verstanden, welche Chance das bietet.“

Robert Klemisch

Wie in Rumänien ist ODU längst auch an den Produktionsstandorten in Shanghai, China, und in der Nähe von Tijuana, Mexiko, aktiv. In Shanghai läuft die duale Ausbildung seit knapp drei Jahren „sehr erfolgreich“, wie Klemisch sagt, in Mexiko sei sie angelaufen.

Ziel der Maßnahmen ist die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit von ODU. Als eine Form der Entwicklungshilfe will Klemisch das nicht sehen, bei der dank eines deutschen Unternehmens der Bildungsstand und damit die Einkommensmöglichkeit der Menschen verbessert wird. Auch wenn das tatsächlich ein Ergebnis der Ausbildungsoffensive sein kann.

Die Reaktion auf das Angebot des Mühldorfer Unternehmens ist an den Standorten unterschiedlich, sagt Klemisch: „Länder wie China haben verstanden, welche Chance das bietet und unterstützen uns.“ Er ist zuversichtlich, dass sich die Qualität des deutschen Ausbildungsmodells auch beim östlichen Nachbarn Rumänien durchsetzt.

In der Zone: Die Internationalisierung eines Unternehmens

Wenn der Mühldorfer Hersteller von Steckverbindern ODU Firmen in anderen Teilen der Welt gründet, geht es schon lange nicht mehr nur darum, Kosten im lohnintensiven Deutschland zu sparen. Die Gründung von sieben Vertriebsgesellschaften in ebenso vielen Ländern und von vier Produktionsstandorten ist Teil der Internationalisierung des Unternehmens. Produktionschef Robert Klemisch spricht von „Zonen“, in denen sich das Unternehmen organisiert. Neben teilweise niedrigeren Herstellungskosten geht es vor allem um die Nähe zum Kunden und dessen spezielle Wünsche, die ODU schnell und hochwertig erfüllen will. Dazu ist ein hoher Grad der Vernetzung notwendig, um auf der internationalen Bühne mitspielen zu können und allen Kunden überall auf der Welt die gleiche Qualität liefern zu können, so Kommunikationsleiterin Nicol Schindlbeck.

Die Vernetzung und das Bewusstsein, in einem internationalen Unternehmen zu arbeiten, gehört bei ODU inzwischen zur Firmenphilosophie, die die Mitarbeiter an allen Standorten prägen soll. Dazu gehört auch der Austausch von Mitarbeitern oder Lehrlingsreisen zu anderen Standorten. In diesem Jahr werden erstmals Azubis von allen Standorten an einem gemeinsamen, internationalen Projekt arbeiten.

Klemisch nennt den internationalen Aufbau existenziell für ODU: „Nur, wenn wir in anderen Werken erfolgreich sind, sind die Arbeitsplätze in Mühldorf sicher.“ Das zeigen auch die reinen Mitarbeiterzahlen. Im Personalwachstum der letzten Jahre in allen Zonen, stieg auch die Zahl der Mitarbeiter in Mühldorf stetig, die nächste Ausbaustufe des Werks in Mühldorf läuft bereits.

Er gibt aber auch zu, dass es eine „große Herausforderung ist, die Mitarbeiter in Mühldorf für diesen Weg zu gewinnen.“ Er beruft sich aber auf den Gründer des Unternehmens Otto Dunkel: „Es ist am Ende immer der Mensch.“ Diese Philosophie werde ODU weltweit etablieren, um so die Verbindung zwischen den einzelnen Unternehmensteilen zu stärken.

Artikel 7 von 9