Neumarkt-St. Veit – Zielsicher, mit millimetergenauer Sorgfalt, greift sich der wuchtige Roboterarm des kameragesteuerten CNC-Automaten das Gussteil, dreht und wendet es, um es nach wenigen Minuten präzise zu schleifen und auf das Förderband zurückzulegen. Eine beeindruckende Vorstellung in der Schleiferei der Eisengießerei in Neumarkt-St. Veit, die mehr als 70 Jahre nach ihrer Gründung selbstbewusst in die Zukunft blickt als eine unter 199 Eisengießereien, die es in Deutschland noch gibt. Denn mit 150 Angestellten – 80 Mitarbeiter in der Gießerei in Neumarkt-St. Veit und 70 im Werk in Pfarrkirchen –zählt das Unternehmen, das 1945 von Ludwig Frischhut gegründet wurde und in erster Linie Formteile für die Wasser- und Abwasserversorgung herstellt, zu den größeren mittelständischen Betrieben in der Region.
70 Prozent des Umsatzanteils würden sich in Deutschland zwar nur auf rund sechs Prozent der Gießereien verteilen – in erster Linie Zulieferer der Automobilindustrie. Doch das Unternehmen in Neumarkt-St. Veit muss sich bei einem jährlichen Umsatz von rund 20 Millionen Euro nicht verstecken, wie Wirtschaftsingenieur Jörg Meier, seit zwei Jahren für den Vertrieb im Unternehmen zuständig, erklärt.
Allerdings verhehlt Meier auch nicht, dass sich das Unternehmen breiter aufstellen müsse, um im Sektor des Grau- und Sphärengusses weiter wettbewerbsfähig zu bleiben. Vor allem mit Zulieferern aus Osteuropa, aus der Türkei und aus Fernost konkurriert das Unternehmen. „In Europa haben wir hohe Personalkosten. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Produkte energieeffizient hergestellt werden, sonst haben wir keine Chance“, argumentiert Cem Bayraktar, Leiter der Qualitätssicherung der Firma Frischhut.
Die Energieeffizienz spiegelt sich in einer Großinvestition vor vier Jahren wider, als das Unternehmen in zwei sogenannte Mittelfrequenz-Öfen investiert hat mit jeweils fünf Tonnen Fassungsvermögen. „Diese leisten doppelt so viel wie die drei Öfen vorher“, stellt Jörg Meier in Relation. Im Zweischichtbetrieb bringen die beiden Öfen bis zu 45 Tonnen Eisen zum Schmelzen. 1500 Grad Celsius bringen das Eisen zum Glühen, versetzen es in einen flüssigen Aggregatzustand. Viel Abwärme, die da zusammenkommt und im Betrieb genutzt wird – für Warmwasser und die Heizung. Drei Millionen Euro waren es der Firma wert, in die Flexibilisierung der Produktion und in Energieeinsparungen zu investieren.
60 Prozent der Produkte von Frischhut sind Formstücke. 40 Prozent gehen in den Export. Ebenfalls 40 Prozent der Produkte landen im Maschinenbau, 15 verschiedene Industriebranchen beliefert das Unternehmen aus Neumarkt-St. Veit, wobei Meier betont, dass 70 Prozent der knapp 100 aktiven Kunden von Frischhut ihren Sitz in Süddeutschland haben.
„Kundenguss“ sei ein Markt, sagt Jörg Meier, wenn er über die zukünftige Ausrichtung des Betriebes spricht. Das heißt: Man will verstärkt nicht nur einzelne Gussteile herstellen, sondern fertig bearbeitete und einbaufähige Baugruppen aus einer Hand liefern.
Meier blickt zuversichtlich in die Zukunft, denn „im Maschinenbau herrscht seit acht Jahren Hochkonjunktur“. Der Vertriebsexperte spricht von einer Phase der sehr guten Beschäftigung. Fast zu gut. Und so wundert es nicht, dass sich Frischhut seine Fachkräfte selbst zieht. Durchschnittlich sechs Auszubildende befinden sich in beiden Werken.
Und doch wird es zunehmend schwieriger, Leute für traditionsreiche handwerkliche Berufe zu begeistern. Ein Betriebselektriker zum Beispiel wäre aktuell gefragt. Meier berichtet davon, dass es dafür alleine im Raum Landshut 180 Stellenangebote gebe.