Insolvenzverfahren der Schletter GmBH

Gläubiger bekommen nur Bruchteil

von Redaktion

Komplex und voller negativer Überraschungen: So stellte Sanierungsberater Andreas Elsäßer beim jüngsten Gerichtstermin den Verlauf der Restrukturierung im Hause Schletter dar. Am Donnerstag erfuhren die Gläubiger, wie viel Geld sie zu erwarten haben.

Mühldorf – Für den Berichts- und Prüftermin im Zuge des Insolvenzverfahrens der Schletter GmbH hatte das Mühldorfer Amtsgericht wegen eines möglichen, breiten Interesses die Nichtöffentlichkeit aufgehoben. Der zweistündige Termin am vergangenen Donnerstag verlief dann doch ohne den erwarteten Andrang von bis zu 100 Gläubigern.

Deren insgesamt fünfköpfiger Ausschuss war gekommen, unter anderem um sich Klarheit über die zu erwartenden Zahlungen zu verschaffen. Nur eine Handvoll weiterer Gläubiger hatte sich im Gericht eingefunden. Teils wurden sie in der Höhe ihrer Forderungen von Sachwalter Christian Gerloff enttäuscht. Von 74 Millionen Euro gingen die Banken aus; mit 11,8 Millionen Euro beziehungsweise 16 Prozent dieser Summe müssen sie sich nun zufriedengeben. Die Lieferanten erhalten nur ein Prozent der von ihnen geforderten 4,6 Millionen Euro, während die Kleingläubiger leer ausgehen. Gerloff lehnte Forderungen weiterer Gläubiger von knapp 720000 Euro ab; darunter eine des ehemaligen Gesellschafters Ludwig Schletter, der bei Gericht zugegen war.

Insolvenz bleibt eigenverwaltet

Er hatte im Mai die Entlassung einiger Mitglieder des Gläubigerausschusses beantragt, die er für befangen hält, darunter den größten Gläubiger sowie Ex-Betriebsratsvorsitzenden Adolf Haller. Ihm wirft er vor, sich nicht ausreichend für die Interessen der Mitarbeiter eingesetzt zu haben.

Der Betriebsrat konnte nicht zu einer Stellungnahme erreicht werden. Das Gericht lehnte den Antrag am Donnerstag ab, nachdem Befangenheit nicht nachgewiesen werden konnte. Man wisse aber, dass dieser Verdacht im Raum stehe, äußerte sich Restrukturierer Andreas Elsäßer dazu knapp. Abgelehnt wurde auch Schletters Antrag auf Aufhebung der Insolvenz in Eigenverwaltung. Diese laufe „ungewöhnlich gut für diesen Fall“, so Gerloff, der in seiner Position als Sachwalter bestätigt wurde. Warum der Fall Schletter sich komplizierter gestaltete, als anfangs gedacht, schilderte Andreas Elsäßer im Gericht. Er zeigte den Zuhörern in Kurzform auf, wie aus dem „Vorzeige-Global Player“ mit einst 300 Millionen Euro Umsatz am Weltmarkt ein Krisenbetrieb mit 100 Millionen Euro Schulden werden konnte. Er erkannte an, dass Schletter zunächst offenbar zur Spielwiese wechselnder Berater und Sanierer geriet, ließ jedoch nicht unerwähnt, dass das jüngste Management um Tom Graf und Oliver Renzow mit vielen, unerwarteten Problemen konfrontiert gewesen sei: Etwa immer wieder neue Zahlen, die man überprüfen musste, oder die überraschende, parallele Insolvenz von Schletter Inc. in den USA.

„Wir hatten viele schlaflose Nächte in diesem herausfordernden Verfahren. Jetzt sind die Weichen gestellt, dass Schletter zum alten Erfolg zurückkehren wird“, schloss Elsäßer. Kritiker aus Insiderkreisen bezweifeln jedoch, dass das Unternehmen das Schwierigste hinter sich hat.

Kritische Stimmen zum Verfahren

Die Restrukturierung der Schletter Gruppe wird begleitet von kritischen Stimmen und Prozessbeobachtern, die sich auch zum Gerichtstermin vom Donnerstag äußerten. Ihnen zufolge seien immer noch Fragen offen. Unbeantwortet blieb etwa die Frage aus dem Saal, ob und in welcher Höhe das Management an der neuen Schletter Solar GmbH beteiligt ist. Unklar bleibt auch, ob einer der zwei Investoren, die im Juni als potenzielle Käufer übrig blieben, Ludwig Schletter selbst war. Laut Elsäßer hätten die Kaufangebote zwischen zwölf und 17 Millionen Euro gelegen und man sei froh gewesen, dass letztlich Golden Square Capital mit 16 Millionen Euro eingestiegen sei. Rund 13 Millionen Euro habe er selbst geboten, um das Unternehmen zurück- zukaufen, so Ludwig Schletter zu unserer Zeitung, „aber ich hätte alle Mitarbeiter übernommen.“ Ihm zufolge wären auch die Gläubiger mit seinem Angebot besser dagestanden: Den Banken hätte er 70 Prozent, Lieferanten 100 Prozent der Forderungen zugestanden. Das Management habe sein Angebot abgelehnt.

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