Konjunkturbericht der Metall- und elektrobranche

Der Funke springt nicht mehr über

von Redaktion

Sorgen treiben die heimische Metall- und Elektrobranche um, wie die neueste Konjunkturumfrage des Arbeitgeberverbands bayme vbm zeigt. Die Auftragslage ist immer noch sehr gut, die Geschäftserwartungen jedoch eingetrübt.

Rosenheim/Siegsdorf/ Marktschellenberg – Die wirtschaftliche Lage der südostoberbayerischen Metall- und Elektroindustrie zeigt sich laut bayme vbm in guter Verfassung. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage der bayerischen M+E-Arbeitgeberverbände unter ihren Mitgliedsunternehmen in der Region. Sie wurde soeben in den Räumen der Kathrein SE in Rosenheim vorgestellt.

Fachkräftemangel:

Aufträge abgesagt

Deren Vorstand Anton Kathrein, zugleich Vorstandschef der bayme vbm Region Südost-Bayern, sagt: „Für über 90 Prozent der M+E-Unternehmen verlaufen In- und Auslandsgeschäft gut oder befriedigend.“ 43 Prozent der befragten Unternehmen wollten im Inland neue Arbeitsplätze schaffen; zu den knapp 246500 Beschäftigten in Oberbayern kämen nach diesen Plänen noch einmal 6500 Stellen hinzu. An dieser Stelle kommt Kathrein zufolge schon das große „Aber“: Der Fachkräftemangel bremse das Wachstum. Der M+E-Industrie gehe der Ingenieurs-Nachwuchs aus. Auch langjährig erfahrene Ingenieure seien derzeit Mangelware auf dem Markt. Fast 28 Prozent der für sie vorgesehenen Stellen in der Region seien bislang unbesetzt. Ebenso unbefriedigend für die Unternehmen verlaufe die Suche nach Metall-Facharbeitern: 22 Prozent der offenen Stellen könnten mit Metallberufen wie Anlagenbauer, Metallbauer, Fräser oder Fertigungsmechaniker besetzt werden – Fehlanzeige. Im Jahr zuvor betrug der Anteil dieser unbesetzten Stellen noch knapp 15 Prozent. „Wir haben es aufgegeben, nach CnC-Fräsern zu suchen“, so Klaus Rutz, Geschäftsführer der Siegsdorfer Ecolab Engineering GmbH und Vorstandsmitglied von bayme vbm Region Südost.

Auf Ebene des Freistaats berichten demzufolge n zehn bayerische Betriebe, ihre Produktions- und Geschäftstätigkeit sei durch fehlende Arbeitskräfte erheblich beeinträchtigt. Genannt wurden Produktionsverzögerungen, weniger Servicekapazitäten oder Aufträge, die abgelehnt werden müssen. Bei knapp der Hälfte führt der Arbeitskräftemangel zumindest zu geringfügigen Beeinträchtigungen. Nur noch 13 Prozent der Betriebe meldeten keine negativen Folgen.

Insgesamt, so Kathrein, seien die Erwartungen der bayerischen wie regionalen Betriebe daher „stark zurückgegangen“. Weniger als zehn Prozent der hiesigen Firmen rechnen noch mit besseren Geschäften im Verlauf des Jahres. 18 Prozent der Betriebe sähen eher pessimistisch dem Jahresende entgegen.

60 Wochen Lieferzeit für Material

Über 70 Prozent rechneten mit einer gleichbleibenden Entwicklung. Der Saldo für die Geschäftserwartungen der Unternehmen in Südost-Bayern sinkt laut bayme vbm daher erneut von Null (Vorjahreswert) auf minus 9,1 Prozentpunkte. Sieben Prozent der Befragten fürchteten eine Eintrübung des Exports. Hier liegt der Saldo mit minus 0,1 Prozentpunkten ebenfalls im negativen Bereich. Der Stimmungsumschwung, so Kathrein, sei nun deutlich zu spüren. Dabei sei die Region Südost eine Art Barometer für den Rest Bayerns.

Die getrübte Stimmungslage hat nicht nur mit fehlenden Lehrlingen und Fachkräften zu tun, sondern mit zahlreichen weiteren Risiken, mit denen die Unternehmen sich konfrontiert sähen: Zum Beispiel die zunehmende Materialknappheit. „Viele Unternehmen fahren auf Kante“, so Kathrein. Überstunden würden abgebaut, Zusatzschichten gefahren. Weil es vor allem Produktionsbetrieben und Zulieferern derzeit häufig an Material mangelt, würde oft über Bedarf bestellt und Lager für Vorprodukte aufgebaut. Lange Wartezeiten für bestellte Materialien kämen hinzu. Das bestätigt auch Irene Wagner, Mitglied des bayme vbm-Regionalvorstands und Geschäftsführende Gesellschafterin der psm protech GmbH aus Marktschellenberg: „Der Rohstoffengpass ist ein massives Problem, wir bestellen daher, was wir können – unsere Lager sind voll. Auf bestimmte Materialien müssen wir 60 bis 70 Wochen warten.“ Ein anderes Problem seien für Automobilzulieferer wie die psm die derzeitigen Auslieferverzögerungen der Hersteller von Hybrid- und Elektrofahrzeugen. Diese kämpfen im Moment mit neuen Zertifizierungsauflagen, die laut Brancheninformationen schon zu Bestellstopps geführt haben.

Als weiteres Risiko sehen 90 Prozent der M+E-Unternehmen den Protektionismus, der derzeit die US-Handelspolitik kennzeichnet, so das Fazit der bayme vbm. „Wir bekennen uns daher klar zum Freihandel“, unterstrich Kathrein.

Lieferengpässe und hohe Kosten

Die Ecolab Engineering GmbH aus Siegsdorf entwickelt, produziert und vertreibt komplexe Mess-, Dosier- und Auftragssysteme. Geschäftsführer Klaus Rutz berichtet von massivem Kostendruck: „Die Gehaltssteigerungen aus dem jüngsten Tarif treffen uns deutlich“; die Mehrkosten könne man nicht im gewünschten Maß durch gesteigerte Produktion ausgleichen. Der US-Mutterkonzern gebe außerdem ein Einsparungsziel von drei Prozent jährlich vor. Während der Export gut laufe, schwächele der Inlandsabsatz. Er bemerkt zudem Probleme bei der zeitgerechten Lieferung von elektrischen Bauteilen, „weil Platinen fehlen oder Kabel“. Seine Vermutung: Schuld könnte der Fachkräftemangel bei den Zulieferern sein.

Digitalisierung wird erschwert

Psm protech aus Marktschellenberg stellt hochpräzise Stanz- und Kunststoffspritzgussteile, Kunststoff-Metallverbundteile und komplexe Baugruppen für die internationale Industrie her. Irene Wagner, Geschäftsführende Gesellschafterin, ärgert sich über die schwache Breitbandverbindung vor Ort. „Wir möchten unseren Service für die Standorte in Ungarn und China stärken, etwa für Fernwartungen. Die Verbindungen sind so schlecht, dass im Zweifel wieder ein Mitarbeiter ins Auto steigen muss.“ Nach Ungarn bedeute das immerhin eine Fahrt von jeweils fünf Stunden hin und zurück; mit dem neuen Standort in China, der bald startklar sein soll, werde der Bedarf nach schnellem Internet noch drängender.

Automatisierung nimmt Druck

Einen „ungeminderten Preisdruck“ spürt Anton Kathrein bei der Kathrein SE. Zwar habe man für die erste Jahreshälfte 2018 den eigenen Plan „übererfüllt“. Doch die Forderung des Marktes nach zehn bis zwölf Prozent weniger Kosten müsse ausgeglichen werden –etwa durch hohe Automatisierung. Dies aber nicht nur aus Kostengründen, sondern auch wegen der Prozesssicherheit, etwa bei Entwicklung und Produktneueinführung, erklärt Kathrein. Sobald eine Serienfertigung anstehe, sei das Ausland als Produktionsstandort unumgänglich. Seine Branche stehe wegen des bevorstehenden Sprungs von der Mobilfunktechnik 4G auf 5G ohnehin schon vor großen Herausforderungen.

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