Mitarbeiter fördern und motivieren

„Ich sehe in der Region Bedarf“

von Redaktion

Wolfgang Wehner will neues Bildungsforum für Führungskräfte in Waldkraiburg etablieren

Waldkraiburg – Ein Weiterbildungs-Netzwerk für Manager, Führungskräfte und Personalentwickler aus der Region schaffen. Und zwar nicht in den Metropolen wie München, Düsseldorf oder Berlin, sondern in Waldkraiburg: Das treibt Wolfgang Wehner, seit 30 Jahren in der Führungskräfteentwicklung tätig, derzeit an. Seine Erfahrungen aus der Praxis, unter anderem bei einem DAX-Unternehmen, will er mit dem „Bildungsforum Waldkraiburg“, kurz BfW, in die Region bringen.

Woher kommt die Idee, eine regionale Führungskräfte-Akademie zu gründen und warum in Waldkraiburg?

Weil ich am Sonntag wieder nach Köln fliege, um für eine Management-Akademie ein Führungskräfteseminar zu halten. Die Führungskräfte, die ich nächste Woche in Köln habe, kommen aus ganz Deutschland. In der Region sehe ich einen ebensolchen Bedarf, der vor Ort wesentlich günstiger befriedigt werden kann. Wenn man sich die üblicherweise anfallenden Reise- und Hotelkosten ansieht, die für Seminare und Weiterbildung im Management anfallen, dann hätten die Teilnehmer in Waldkraiburg nur etwa ein Drittel dieser Kosten zu tragen. Als gebürtiger Münchner kam ich vor 25 Jahren nach Waldkraiburg. Ich lebe hier sehr gern.

An wen richtet sich das Angebot?

In erster Linie an Führungskräfte, Laterale Führungskräfte wie zum Beispiel Projektleiter ohne disziplinarische Kompetenz und solche, die bald oder gerade in eine Führungsrolle gekommen sind. Aber auch Personalverantwortliche oder Personalentwicklungsverantwortliche buchen Plätze. Ich würde mich aber auch freuen, wenn andere professionelle Trainer und Coaches sich bei mir melden würden, um das Angebot entsprechend zu ergänzen.

Einer der Schwerpunkte liegt auf Lateraler Führung. Was kann man darunter verstehen?

Laterale Führung ist eines der Themen, die deutlich wachsen. Firmen gestalten immer häufiger demokratische, agile, übergreifende Arbeitsgruppen, die durch jemand geleitet werden, etwa einen Projektleiter. Dieser kann in der Hierarchie auch weiter unten angesiedelt sein. Er hat also die Aufgabe, mit den Kollegen Ergebnisse zu erzielen, ohne direkte Anweisungen geben zu können. Dies erfordert sehr viel Führungskompetenz, um die Ziele mit den Mitarbeitern zu erreichen. Aber Führung ist erlernbar, vorausgesetzt, man bringt soziale und kommunikative Kompetenz mit.

Sie coachen seit 30 Jahren Führungskräfte. Was ist Ihr Eindruck: Wie groß ist der Bedarf bei Führungskräften nach Weiterbildung, wo liegen die Schwächen und was ist dabei die größte Herausforderung?

Führung war schon immer ein Balanceakt. Nur die Herausforderungen werden immer komplexer. Früher war zumeist die Führungskraft der größte Fachmann in seinem Bereich und hat den Mitarbeitern die Aufgaben übergeben, die er dann stichprobenartig kontrolliert hat. Heute sind viele Mitarbeiter sehr spezialisiert und haben einen Wissensvorsprung vor dem Chef. Daher ist Führung inzwischen das Steuern eines Netzwerkes von Individuen mit verschiedenen Stärken – und das meist unter großem Zeit- und Ergebnisdruck. Ich erlebe von teilnehmenden Managern oft eine Dankbarkeit darüber, die Drucksituationen sichtbar zu machen und dadurch eine Entlastung zu erreichen. Bestimmte Hebel wirken oft Wunder.

Inwiefern?

Führungskräfte sind in ganz besonderer Weise für das wichtigste Kapital eines Unternehmens verantwortlich: den Menschen. Diesen gilt es zu fördern und zu motivieren. Die zentrale Frage ist also: Wie können wir bei Führungskräften das Bewusstsein schaffen, über ihre Rolle und Aufgaben nachzudenken? Sich mit zeitgemäßen Führungsmethoden und motivationsfördernder Kommunikation auseinanderzusetzen? Führung ist – gerade in Zeiten von agilen Arbeitsmethoden – wichtiger denn je. Aber eben anders als früher. Etliche Studien, die bekannteste zum Beispiel vom renommierten Gallup Institut, besagen, dass die meisten Mitarbeiter den Arbeitgeber nicht wegen des Gehalts oder der Aufgabe wechseln. Die meisten Arbeitsplatzwechsel haben mit der Führungskraft zu tun.

Wie lernwillig ist denn Ihrer Erfahrung nach eine deutsche Führungskraft?

Da erkenne ich über die Jahre einen deutlichen Umbruch. Früher war es für eine Führungskraft nicht selbstverständlich, über sich und das eigene Führungsverhalten zu reflektieren und selbstkritisch manches infrage zu stellen. Das ist aber inzwischen normal und wird auch von den Unternehmen erwartet. Und wenn sich die gemachten Erfahrungen in der Praxis positiv auswirken, ist dies sehr motivierend.

Können Sie Trendthemen ausmachen? Wenn ja, welche halten Sie für besonders wichtig?

Momentan sind die gefragtesten Themen „Gesunde Führung“, um Krankenstände zu verringern und mit dem Druck und Stress umzugehen, „Laterale Führung“ und „agile Führung“, um Arbeitsgruppen und Netzwerke produktiv und motivierend zu steuern. Auch das Thema „Veränderungsbegleitung“, im Fachjargon Changemanagement, um mit den immer häufigeren Veränderungen umzugehen und die Mitarbeiter darin zu unterstützen, taucht immer wieder auf.

Interview: Elisabeth Sennhenn

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