Rosenheim/Mühldorf/Traunstein – Eine Million Elektro-Autos sollen im Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen unterwegs sein – dieses Ziel, das Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2008 ausgegeben hat, wird – Stand jetzt – deutlich verfehlt. Auch in der Region ist der Anteil an E-Autos relativ gering: Im Landkreis Mühldorf sind lediglich 144 von 112443 Fahrzeugen reine E-Autos, im Landkreis Traunstein 343 von 113209, im Landkreis Rosenheim kommen 560 E-Fahrzeuge auf 244743. Einer der Gründe dafür ist der Mangel an E-Ladesäulen. Um die entsprechende Infrastruktur zu schaffen, hat die Bundesregierung ein 300 Millionen Euro schweres Förderprogramm aufgelegt. Dadurch sollen 15000 neue E-Ladestationen entstehen.
Laut Andreas Krämer, Pressesprecher der Rewe Group relativiere sich diese Summe aber bei genauerem Hinsehen. Zum einen übernehme der Bund nur maximal 60 Prozent der Kosten für eine Ladesäule – zwischen 20000 und 30000 Euro. Zum anderen entfielen 50 Prozent der Förderung, wenn die verlangte öffentliche Zugänglichkeit nicht rund um die Uhr gewährleistet ist. Viele Parkflächen der Märkte würden allerdings nachts geschlossen. „Für den Handel wäre zudem die freie Wahl des Standorts der Ladesäulen wichtig.“ Die Bundesregierung plane aber, dem Handel die Standorte vorzuschreiben. „Investitionen verlören so ihren strategischen Moment“, sagt Krämer.
Dennoch drängen vor allem Supermärkte in diese Nische – nach amerikanischem Vorbild. Ziel ist es, einerseits einen Beitrag zur E-Mobilität und damit zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zu leisten, andererseits Kunden für die Dauer des Ladevorgangs zum Einkaufen zu bewegen. Rewe, Kaufland und Lidl bieten diesen Service schon seit längerem, jüngst hat auch Aldi Süd Ankündigungen in diese Richtung gemacht. Davon könnten auch E-Auto-Fahrer aus der Region profitieren. Allerdings erst in naher Zukunft.
Lidl Deutschland etwa räumt auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen ein, dass auf den Filialparkplätzen in der Region keine Ladestationen vorhanden sind. Bislang. „Wir planen jedoch in unserer zukünftigen Filiale in Rosenheim, Chiemseestraße, sowie in unserer 2017 eröffneten Filiale in Rosenheim, Pichlmayrstraße, E-Ladesäulen für unsere Kunden zu installieren“, teilt Pressesprecher Mario Köhler mit.
Auch wer in Kaufland-Filialen in der Region einkauft, sollte mit geladenen Akkus starten. Zwar bietet die Kette bereits an deutschlandweit 70 Standorten E-Ladesäulen an – nicht jedoch an den Zweigstellen in der Umgebung. „Bis 2019 plant der Händler insgesamt rund 100 Schnellladestationen für Elektroautos“, heißt es in einem Antwortschreiben des Unternehmens. „An unseren Filialen in Rosenheim und Traunstein haben wir derzeit keine E-Ladestationen.“ Ob dieser Service dort geplant ist, dazu machte das Unternehmen keine Angaben.
Die Rewe Group gibt an, aufgrund der genossenschaftlich-dezentralen Struktur des Unternehmens nicht mit einer Übersicht von Ladesäulen dienen zu können. „Kunden, die den Service nutzen wollen, wenden sich am besten an den jeweiligen Markt beziehungsweise fragen beim regionalen Stromanbieter nach“, teilt Pressesprecher Krämer mit. Nach Erfahrung des Unternehmens fänden derzeit geschätzt mehr als 80 Prozent der Ladevorgänge zuhause oder am Arbeitsplatz statt.
Aldi Süd verzeichnet gegenwärtig täglich etwa vier bis fünf Ladevorgänge pro Filiale. Bis Ende des Jahres sollen mehr als 80 Ladesäulen zur Verfügung stehen, 28 neue werden entlang der meist befahrenen Autobahnen A3, A5, A6, A7, A8 und A9 positioniert – und damit auch in der Region. Konkrete Ausbaupläne will das Unternehmen auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen zwar nicht nennen. Beschlossene Sache ist jedoch bereits eine Säule an der Filiale in Bernau. Und was bringt‘s? Zwar erhebt Aldi Süd keine Daten zu möglichen Umsatzsteigerungen durch das Lade-Angebot. „Dennoch sind wir sicher, dass wir dadurch für bestimmte Kundengruppen noch attraktiver werden“, teilt das Unternehmen mit.