Praxis-Tipps für Gründer

Gute Chancen in der Baubranche

von Redaktion

Experte der Handwerkskammer: An Übernahmen als Existenz-Möglichkeit denken

Rosenheim – Im Rahmen des Rosenheimer Gründerpreiswettbewerbs beraten Experten aus der Wirtschaft die Teilnehmer mit dem Ziel, sie fit für einen tragfähigen Businessplan zu machen. Diesen bewertet zum Jahreswechsel eine unabhängige Jury und kürt im Februar 2019 die Gewinner (wir berichteten). Gerhard Kammel von der Handwerkskammer für München und Oberbayern ist Betriebswirtschaftlicher Berater der HWK in Rosenheim und einer der Experten, die den Teilnehmern am Wettbewerb zur Seite stehen. Er kennt unter anderem die Gründungsformalitäten, Rechtsformen und Schutzrechte.

Welches sind die wichtigsten Fragen, mit denen sich ein Gründer auseinandersetzen muss?

Die wichtigste Frage am Anfang ist wohl, ob man für die Selbstständigkeit geeignet ist und die Familie dahinter steht. Ebenso ist bei jeder Gründung zu hinterfragen, ob die selbstständige Tätigkeit genug für den Lebensunterhalt erwirtschaftet und ob die Finanzierung der Investitionen und der Anlaufphase gesichert ist. Wie wichtig andere Fragen sind, hängt meist vom Vorhaben ab. Für einen Friseur oder Augenoptiker hat der Standort eine sehr hohe Bedeutung. Für einen Elektrotechniker, der Mitarbeiter beschäftigt, ist die richtige Rechtsform sehr wichtig.

Wer gründet, hat heute fast immer ein eigenes Logo. Muss man das in jedem Fall schützen lassen und wenn ja, wie geht das?

Es besteht keine Verpflichtung, ein Logo zu schützen. Wenn man jedoch verhindern will, dass andere dieses „nachbauen“ und nutzen, kann man beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) ein gewerbliches Schutzrecht eintragen lassen. Im Handwerk ist das eher selten der Fall, weil die meisten Handwerksbetriebe regional tätig sind und es zum Beispiel für einen Installateur und Heizungsbauer in Rosenheim unproblematisch ist, wenn ein Betrieb in Hamburg, egal, welcher Branche das gleiche Logo hat. Interessant wird es, wenn ein Fantasiename ins Spiel kommt, oft in Kombination mit einem Logo. Da macht es Sinn, zunächst zu recherchieren, ob der Name bereits geschützt ist und wenn nicht, kann man sich zum Beispiel durch Eintragung einer Wort-/Bildmarke absichern.

Welches Handwerk hat Ihrer Erfahrung nach die besten Zukunftsaussichten, welches Gewerk oder welche Branche bräuchte dringend Gründernachwuchs?

Die Anforderungen an die Gebäudesanierung steigen künftig weiter an. Das Verlangen der Verbraucher nach Energieeffizienz in den eigenen vier Wänden erfordert Qualifizierung. Damit wächst der Bedarf an Maurern, Stuckateuren, Installateuren und allen anderen Gewerken der Bau und Ausbaubranche. Dies stützt vor allem für Schreiner und Zimmerer in weiterer wichtiger Trend: Das Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen. Die „Prognos“-Studie geht davon aus, dass im Jahr 2020 rund 21 Prozent Handwerk aller neuen Wohngebäude überwiegend in Holzbauweise erstellt werden. Bei Nichtwohngebäuden soll der Anteil sogar 27 Prozent erreichen. Durch die Nutzung von Holz leistet das Handwerk einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Bauen und zum Klimaschutz. Auch der Maschinenbau wird weiterhin eine große Rolle spielen. Das sind damit auch die Branchen, in denen wir Gründernachwuchs benötigen, zumal hier sehr viele Betriebe zur Übergabe anstehen und oft kein Nachfolger in Sicht ist.

Interview: Elisabeth Sennhenn

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