Rosenheim – Fahrerloses Fahren: Eine Technologie, an der die Automobilindustrie weltweit unter Hochdruck arbeitet. Nach Expertenmeinung gehört dem autonomen Fahren die Zukunft, während die Verbraucher darauf mehrheitlich noch skeptisch reagieren. Die Logistikbranche ist da schon weiter, und hier muss kein Mensch fürchten, dass ihm eine fahrerlose Maschine am Steuer das Denken abnehmen könnte – hier geht es vor allem darum, das knappe Gut Fläche so effizient, zeit- und kostensparend wie möglich zu nutzen.
Die Serva Transport Systems GmbH, 2010 am Chiemsee gegründet und seit 2017 in Rosenheim ansässig, entwickelt und vertreibt fahrerlose Transportfahrzeuge und Software zu ihrer Steuerung (wir berichteten). „Wir setzen auf Roboter, die lasergesteuert und fahrerlos rangieren, frei navigieren sowie Gegenstände sicher heben und transportieren“, beschreiben es die beiden Gründer und Geschäftsführer Rupert Koch und Leopold Meirer. Ingenieurwissen und Erfahrung in der Automatisierungstechnik sowie eine ausgeklügelte Materialflusssoftware, die für die Steuerung der Roboter sorgt, sind die Zutaten zum Erfolgsrezept des noch jungen Unternehmens. Angetrieben von der Frage, „Wie kann das Parken von Autos und das Transportieren von Material noch einfacher und effizienter werden?“, haben Koch und Meirer mit ihrem patentierten Robotersystem „Ray“ mittlerweile einige neue Pilotprojekte erfolgreich über die Bühne gebracht und diese in den Regelbetrieb geführt: Am Düsseldorfer Flughafen übernehmen im Bereich Premium Parken jetzt die fahrerlosen Transportsysteme des Chiemgauer High- Tech-Unternehmens das Einparken der Autos. Mit „Eve“ haben die Neu-Rosenheimer auch einen selbst entwickelten, fahrerlosen Transportroboter für die Intralogistik im Einsatz. Industrie, Parkhausbetreiber, Autovermieter, Stadtplaner und eben auch Flughäfen können sich damit neue Lösungen für Transport und Parken von Fahrzeugen, aber auch für Material erschließen.
Im Fall des Flughafens Düsseldorf bedeutet das autonome Parken für die Fluggäste, sich das zeitaufwendige Parkplatzsuchen zu sparen und noch ein Quentchen mehr Komfort zu genießen. Der Parkhausbetreiber kann auf gleicher Fläche 30 bis 50 Prozent mehr Fahrzeuge unterbringen. Eine gute Voraussetzung für Orte, an denen viele Menschen einen Stellplatz benötigen, denn das Pkw-Aufkommen nimmt generell zu, bei gleichzeitig knapper werdenden Parkflächen.
Automobilhersteller Audi setzt das von Serva entwickelte System nach einer Testphase nun in Ingolstadt in seiner Logistik ein: „Jeden Tag transportieren unsere Roboter dort nun 2000 Autos nach der Produktion und stellen sie für die Bahnverladung bereit“, so Leopold Meirer. Eine Reihe weiterer Pilotprojekte liefen noch, über die teils namhaften Partner will man bei Serva zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts Näheres sagen.
Zu einem aktuellen Projekt äußert man sich aber doch: Mit der Daimler AG arbeitet Serva gerade an einem Liefersystem, bei dem eine spezielle Software die Sortierung von Paketen optimiert und effizientere Fahrtrouten erarbeitet.
Die Systeme werden alle in Rosenheim gebaut, wie man bei Serva betont. Der jetzige Standort könnte aber schon bald wieder zu klein werden – alle Zeichen stehen auf Wachstum. Mitarbeiter werden laufend gesucht, zum Beispiel Elektroingenieure und Softwareentwickler. Aus der Rosenheimer Hochschule kämen immer wieder Werkstudenten und viele von ihnen würden übernommen, schildert Meirer.
Visionen für die Zukunft
Dass die Firma expandiert, ist auch ganz im Sinne von Dorothea Meltl, die die Serva Transport Systems GmbH über ihre im Chiemgau angesiedelte Ativo Beteiligungs GmbH von Anfang an als Investor unterstützt. Ursprünglich noch gemeinsam mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Josef, der wie sie rasch vom Konzept des Betriebs überzeugt war und von den Gründern selbst: „Menschlich muss es bei Geschäftsbeziehungen freilich auch passen“, ist Dorothea Meltls Erfahrung – bei Serva sei die Zusammenarbeit gut und eng: „Große Entscheidungen treffen wir gemeinsam.“
Meltl sieht in Digitalisierung und Autonomisierung die Zukunft. Serva ist ihrer Überzeugung nach mit seinen Projekten im Automobilsektor sehr gut aufgehoben („die Branche hatte immer schon eine Vorreiterrolle bei Innovationen“) – fürs Erste. Das Unternehmen sei mit seinen technischen Entwicklungen und Modellen allerdings nun so weit vorn, dass es an der Zeit sei, das Netzwerk international und auch auf weitere Sektoren auszuweiten.