Jell GmbH & Co. KG

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von Redaktion

3D-Druck ist eine Zukunftstechnologie, die Herstellungsprozesse verändern und neue Geschäftsmodelle ermöglichen wird. Zum Teil ist das auch schon der Fall, wie das Beispiel von Jell Konstruktion aus Bernau zeigt.

Bernau – Bayerns Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer hat die „Zukunftsinitiative 3D-Druck“ sogar in den Masterplan Bayern Digital II aufgenommen und will die Technologie verstärkt fördern (siehe Infokasten).

Die Bernauer Jell GmbH & Co. KG ist eine jener kreativen, innovativen 3D-Druck-Schmieden, die den erhofften Technologie-Ruck in Deutschland mit vorantreibt. Gegründet vor über 30 Jahren von Gerhard Jell, treiben heute die Söhne Gregor und Thaddäus Jell den Dienstleister voran. Ihr Spezialgebiet: Das dreidimensionale Drucken von Metall. „In vielen Bereichen ist das unser Alleinstellungsmerkmal“, bemerkt Geschäftsführer Gregor Jell. Mit seinem 20-köpfigen, jungen und hoch spezialisierten Team ist er flexibel genug, um mit dem rasanten Fortschreiten des technologischen Wandels mitzuhalten. Das sei nicht leicht, gibt der Mittdreißiger zu: „Wir arbeiten täglich an den Parametern unserer Maschinen, um laufend noch präziser, schneller und qualifizierter zu werden.“ Es ist nicht so, dass all diese Prädikate nicht schon auf das Konstruktionsbüro zutreffen würden – die Referenzliste internationaler Industriekunden spricht für sich – doch der Markt für 3D-Druck ist extrem schnelllebig, auch andere Länder wollen ganz vorn mit dabei sein.

Rund 15 verschiedene 3D-Druckverfahren gibt es derzeit weltweit, wobei, wie Jell erklärt, der Stand der Technik momentan nur erlaube, eine Art von Material je Maschine zu bearbeiten. Also entweder Papier, Kunststoff oder Metall zum Beispiel. Im Produktionsraum in Bernau stehen aktuell ein so genannter FDM-Drucker, sowie vier weitere 3D-Druckmaschinen. „Mit ihnen können wir zwischen verschiedenen Metallen wechseln, etwa von Kupfer zu Alu oder Edelstahl.“ Für die Branche sei diese Möglichkeit geradezu revolutionär: „Jetzt warten die Unternehmen auf den Multimaterial-Drucker.“ Der müsse allerdings erst entwickelt werden: „Fünf bis zehn Jahre kann das noch dauern.“

Gewartet werde auch auf Maschinen, die in der Anschaffung keinen Millionen-Betrag mehr verschlingen: Da vor allem bei den kleineren Konstruktionsbüros Materialforschung und Maschinentests auf der Tagesordnung stünden, erhofft sich die Branche vor allem Erleichterungen bei den Investitionskosten. Jell gehört deutschlandweit zu den wenigen Konstrukteuren, die für die 3D-Druck-Industrie forschen und selbst Lehrgänge auf Basis ihrer Praxiserfahrungen durchführen. Für einen Softwarehersteller etwa testen die Mitarbeiter Maschineneinstellungen: „Ein Privileg, das wir uns hart erarbeitet haben.“

Auch die einzelnen Geschäftsfelder zu erschließen, war und ist für Jell keine leichte Aufgabe: Immerhin geht es um Produkte, von denen potenzielle Auftraggeber und Branchen meist noch gar nicht wissen, dass man sie auch im 3D-Druckverfahren herstellen kann. Dabei handelt es sich etwa um Prototypen für die Automobil-, Luftfahrt-, Hausgeräte- oder Medizinbranche, die bis dato gefräst, gehobelt oder in Formen gegossen wurden. Akquise und Messebesuche nähmen einen großen Teil seiner Arbeit ein, erzählt Jell: „Wir sprechen zum Beispiel gezielt Ärzte auf Medizinmessen an und zeigen ihnen die Möglichkeiten auf, die der 3D-Druck heute bei der Herstellung von Medizinprodukten oder chirurgischen Werkzeugen bietet.“ So sei man bei Jell etwa in der Lage, bionische Strukturen nachzubilden – Netzstrukturen oder poröse Oberflächen etwa, bei denen herkömmliche Fertigungsverfahren an ihre Grenzen stoßen. „Ein Implantat zum Beispiel muss leicht porös sein, damit es schneller mit dem Körpergewebe verwächst, sich mit der Muskulatur vernetzen kann“, beschreibt es Jell konkret. Ein enger Austausch sei dazu mit dem Auftraggeber nötig: „Wenn wir mit Medizinern sprechen, müssen wir ganz genau ihre Wünsche kennen, damit unsere Entwickler die komplexen Strukturen nachbilden können.“

Neben dem Geschäftsbereich Medizin wächst laut Jell auch der Bereich Automotive stark. Interessiert sei man zudem am Design- und Schmuckmarkt, weil auch hier die Branche noch kaum wisse, welche Horizonte der 3D-Druck eröffnen könne.

Jell ist sich bewusst, dass es auch Vorbehalte gegen die Technologie gibt, etwa im traditionellen Handwerk. „Die Innungen tun sich unserer Erfahrung nach noch schwer mit dem Thema, weil sie hier eine Konkurrenz sehen, die wir aber gar nicht darstellen wollen.“

Startklar für die Serienproduktion

Vielmehr solle der 3D-Druck eine Ergänzung zum Handwerk sein und keinen Verdrängungswettbewerb auslösen. Diesen habe die eigene Branche schon zur Genüge: „Der Kampf um die Herstellung von Prototypen für die verschiedensten Industriezweige ist schon entbrannt“, so der Geschäftsführer, „jetzt geht es darum, wer beim Übergang in die Serienteilproduktion am Start sein kann.“

An diesem Punkt befänden sich derzeit viele Sektoren – etwa die Luftfahrtindustrie, die nur darauf warte, dass spezielle Bauteile noch leichter und platzsparender produziert werden, um noch mehr Menschen mit weniger Energieaufwand transportieren zu können. 3D-Druck: Eine Technologie der Zukunft, die auf diese Weise auch zu mehr Nachhaltigkeit in der industriellen Fertigung beitragen kann. Nachhaltig ist übrigens auch die Technologie selbst: In der Bernauer Produktion herrscht absolute Ressourceneffizienz: „90 Prozent des Metallstaubs, der beim Druck anfällt, wird wieder verwendet.“

Ministerium fördert 3D-Druck: Bis 17. September Projekte einreichen

Die momentan verfügbaren Drucktechniken unterscheiden sich im Ausgangsmaterial und der Modellierungstechnik. Das Grundprinzip ist immer gleich: Die Vorlage für den 3D-Druck ist keine Textdatei wie bei Papierdruckern, sondern eine 3D-Vorlage, die zum Beispiel mit einer CAD-Software entworfen wird. Das zu druckende Modell wird aus schmelzbaren Materialen, Pulver oder einer Flüssigkeit aufgebaut (sogar Schokolade). „Gedruckt“ wird die Form in hauchdünnen Materialschichten, die einzeln ausgehärtet werden. Eine Schicht nach der anderen wird so in hoher Geschwindigkeit aufgetragen.

Wie funktioniert 3D-Druck?

Das bayerische Wirtschaftsministerium ruft Unternehmen aller Größen sowie Forschungseinrichtungen dazu auf, noch bis 17. September Projektvorschläge zur Initiative „3D-Druck“ einzureichen. Es stehen bis zu vier Millionen Euro als Zuschüsse für innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte in der ersten Phase zur Verfügung. Damit sollen Innovationen im Bereich des 3D-Drucks, die die Digitalisierung in Bayern vorantreiben, gefördert werden. Nähere Infos zur Einreichung von Projektvorschlägen: www.bayern-innovativ.de/additivefertigung/aufruf.pdf

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