Waldkraiburg – Bekannt war der Betrieb seit der Produktionsaufnahme im Jahr 1987 als Südfleisch GmbH. Nach der Übernahme 2005 ist Vion der Mutterkonzern. Dies ist ein internationaler Fleischproduzent mit Produktionsstandorten in den Niederlanden und in Deutschland.
Nun wurde der Standort Waldkraiburg – bei laufendem Betrieb – umgebaut und ist damit der größte Rindfleischbetrieb des Konzerns.
Im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch konnten sich Medienvertreter ein erstes Bild vom Ergebnis machen. Anwesend waren Bernd Stange, Leiter des operativen Geschäfts, Dr. Anne Hiller von der Qualitätssicherung Vion Deutschland, Paul Daum, Leiter des strategischen Einkaufs für den Bereich Rind sowie Klaus Erber, Geschäftsführer Südfleisch Waldkraiburg GmbH.
Bernd Stange und Klaus Erber zeigten sich bei der Konferenz hoch zufrieden – denn leicht hat man es sich nicht gemacht, wie deutlich wurde: Fleischverarbeitung ist ein Wirtschaftssektor, der sich längst auch stark mit dem Thema Tierschutz auseinandersetzen muss. So sei ein Großteil der Investitionssumme in Höhe von 22,6 Millionen Euro in eben diesen Bereich geflossen. Um der eigenen Verantwortung gerecht zu werden, so die Schilderung, habe man sich nach den Empfehlungen der auf diesem Gebiet weltweit führenden, amerikanischen Wissenschaftlerin Temple Gradin gerichtet: Die Dozentin für Tierwissenschaften an der Colorado State University in Fort Collins, ist international anerkannt als Spezialistin für den Entwurf von Anlagen für die kommerzielle Viehhaltung. Sie machte die für Viehzüchter, -halter und Viehschlachtereien bahnbrechende Beobachtung, dass mit speziellen Viehhaltungs- und -transportanlagen Unfälle durch die panische Reaktion der meist verschreckten Tiere drastisch reduziert werden können. Dabei geraten auch die Tiere selbst weniger in Stress, der gesamte Ablauf gestaltet sich ruhiger für alle Beteiligten.
Nach dem von ihr erarbeiteten Konzept wurden bei Vion in Waldkraiburg der gesamte Stallbereich und die Betäubung der Rinder so konzipiert, dass bei der Schlachtung besonders schonend vorgegangen wird, wie Bernd Stange und Klaus Erber beschreiben: Nach der Anlieferung gelangten die Tiere in einen Wartebereich mit 280 Plätzen, wo sie ausruhen können. Der Zutrieb in Richtung Betäubungsboxen erfolge über Sammeltreibgänge und ein Rondell tierschonend in zwei Einzeltreibgängen.
Die Anstrengungen, das Wohl der Tiere in den Vordergrund zu rücken, hat sich für Vion gelohnt: Das Fleischzentrum Waldkraiburg ist vor wenigen Wochen als erster Rinderschlachthof in Deutschland vom Deutschen Tierschutzbund mit dem Tierschutzlabel „Für mehr Tierschutz“ zertifiziert worden.
Der Umbau ermöglicht nicht nur eine tierschonendere Verarbeitung, sondern auch eine Steigerung der Kapazität, wie die Geschäftsführer beschreiben.
Denn die Nachfrage nach Rindfleisch sei gestiegen (siehe Infokasten). 5000 Rinder können nun in Waldkraiburg pro Woche geschlachtet werden. Wie man bei Vion betont, kämen die Tiere aus der Region und würden nicht länger als vier Stunden transportiert.
Produktion für den Weltmarkt
Vor dem Beginn des umfangreichen Umbaus 2016, seien es 2500 Tiere pro Woche gewesen. Die Abteilung Rind („Division Beef“) bei Vion produziert insgesamt 453000 Tonnen Rindfleisch im Jahr, bei zwölf Produktionsbetrieben und 17500 verarbeiteten Rindern in der Woche. Im Jahr 2017 betrug der Umsatz der Division Beef 1,574 Millionen Euro.
Klaus Erber spricht davon, dass Vion in Waldkraiburg durch die Ausweitung der Kapazität nun die Möglichkeit habe, „die gesamte Wertschöpfungskette zu nutzen um den Bedarf wunschgemäß zu decken.“ Gemeint sind damit der deutsche Lebensmittel-Einzelhandel, „aber auch hochpreisige Gourmetmärkte in Italien, Frankreich und Spanien sowie Nebenprodukte, die für den asiatischen Markt gebraucht werden.“
Seit wenigen Wochen läuft der Betrieb in Waldkraiburg mit 550 Mitarbeitern nun unter in voller Auslastung. Offiziell eröffnet wird er, nach zwei Jahren Bauzeit, am 8. September und ist einer der modernsten in ganz Europa (wir berichten in unseren Lokalausgaben).