München/Rosenheim – Dank der „robusten“ Konjunktur im Freistaat sind die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken auch im ersten Halbjahr 2018 gewachsen, teilt der Genossenschaftsverband Bayern mit (GVB). Die positive Entwicklung zeige sich laut GVB-Präsident Jürgen Gros auch in der aggregierten Bilanzsumme, die um 1,5 Prozent (2,4 Milliarden Euro) auf 162,5 Milliarden Euro gestiegen sei. Bayernweiter Treiber sei das rege Kreditgeschäft gewesen, vor allem getragen durch die hohe Finanzierungsnachfrage aus dem Mittelstand. Auch bei den Genossenschaftsbanken in der Region freut man sich über anhaltendes Wachstum. Bei der Volksbank-Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG nennt man als Motor dafür vor allem die Privatkunden mit Wohnbauprojekten, die im ersten Halbjahr 3,8 Prozent mehr Kredite abriefen sowie Unternehmen (+4,75 Prozent mehr Investitionskredite).
Das Volumen der Kundengelder wuchs bayernweit leicht um 1,1 Prozent (1,4 Milliarden Euro) auf 125,5 Milliarden Euro. Einen Grund dafür sieht der GVB in gestiegenen Einkommen der Privathaushalte und deren höhere Sparquote, die zuletzt bei über zehn Prozent notierte. Allerdings parkten 60 Prozent der Privatkunden ihrer Einlagen auf dem Girokonto, um kurzfristig liquide zu sein. Auch bei der Volksbank-Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG sei das so, bestätigt Andreas Gasteiger, Leiter der Vertriebssteuerung.
Zunehmend genervt scheinen nicht nur die Institute, sondern auch die Kunden von der wachsenden Bürokratie, die sich im Bankgeschäft zum Beispiel in Dokumenten zur Verbraucherinformation niederschlägt. „Neun von zehn bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken berichteten von Kundenkritik an der Informationsflut bei Kontoeröffnung oder Anlageberatung“, beklagt der GVB. „Auch hier müssen wir unsere Erfahrungen machen“, bestätigt Andreas Gasteiger aus Rosenheim. Vor allem in der Anlageberatung sei der Kunde durch die Einführung der MiFID II (siehe Infokasten) zum Teil entmündigt worden. „Die gesetzlichen Änderungen sind für viele Kunden nicht nachvollziehbar und hindern sie auch in den alltäglichen Bankgeschäften“, ist Gasteigers Beobachtung.
GVB-Präsident Gros ruft die Politik dazu auf, den Nutzen von Verbraucherschutzregeln zu überprüfen. Denn Verbraucherschutzmaßnahmen wie die Finanzmarktrichtlinie MiFID II verursachten bei den Banken Zusatzkosten, weshalb viele inzwischen mit Einschränkungen bei ihrem Produkt- und Beratungsangebot reagierten. Über 60 Prozent hätten bei einer Verbandsumfrage angegeben, ihre Leistungspalette „etwas“ oder „deutlich“ verringert zu haben. Gasteiger dazu: „Aktuell ist dies bei uns in der Region nicht der Fall.“ Die Qualität der Leistungen stünden im Vordergrund und man investiere eher in die Beratungsqualität der Mitarbeiter. So stünden auch weiterhin sämtliche Angebote zur Verfügung. „Welche Auswirkungen die ansteigenden Anforderungen der Bürokratie in Zukunft bei uns haben werden, ist zum heutigen Zeitpunkt aber schwer abzuschätzen.“ sen