von Redaktion

Heiner Hofmann, Gründungsmitglied der seit 1984 bestehenden „Rosenheimer Künstlergemeinschaft“, realisiert unter dem Namen „Projekt Spielart“ außergewöhnliche Kletterskulpturen, die Spielplätze und Freizeitgelände in ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern bereichern.

Im Herzen ein Künstler

Rosenheim – Erst der Mehrwertsteuersatz vergegenwärtigt ihm immer wieder schwarz auf weiß, dass sich Heiner Hofmann in zwei Welten bewegt. In der einen ist er der Bildende Künstler, der in seinem Atelier teilweise ziemlich verrückte Ideen realisiert. In der anderen ist der 61-Jährige ein Unternehmer, der Preise für zentnerweise Holz und andere Werkmaterialien, für Entwürfe und Arbeitsstunden kalkulieren muss. Seit 2003 tut er das für sein Künstler-Unternehmen „Projekt Spielart“, zusammen mit seinem Kompagnon Harald Thaler aus Südtirol, Künstler wie er.

Hofmanns Atelier befindet sich im fantasievoll umgebauten Holzhaus der Familie im Rosenheimer Stadtteil Oberwöhr. Sohn Florian – 25 Jahre und Bildhauer wie der Vate, 2013 war er Landessieger der frisch ausgelernten Holzbildhauer – geht ihm hier als Angestellter zur Hand. Wieder kommt das Thema aufs Unternehmer-Dasein: „Als Künstler darf ich genau einen Beschäftigten haben. Alleine würde ich das auch nicht mehr schaffen“, sagt Hofmann mit Blick auf Miniaturen der Objekte, die er schon geschaffen hat und die nun auf Wandregalen das Geschehen in der Werkstatt zu überwachen scheinen. Keines gleicht dem anderen, alle sind ungewöhnlich, aufwendig, Unikate.

„Projekt Spielart“ hat etwa einen Südtiroler Gebirgsbach mit einem „Unterseeboot“ überspannt, für eine Musikschule ein „bekletterbares Notenblatt“ gebaut. Ganze Kletterwege und Kletterwelten für Naturparks, Kinder- und Freizeitgärten und ein Skigebiet sind entstanden. Riesige Baumhäuser auf Stelzen, Kletterhöhlen und -burgen, teils mehrstöckig mit langen, gewundenen Rutschen. Dann sind da noch die oft überlebensgroßen, begeh- und bekletterbaren Holztiere – ein ganzer Dschungel ist entstanden, verteilt auf zahlreiche Standorte. Auch der meterhohe „Spatz“ am Kinderspielplatz im Rosenheimer Riedergarten stammt aus Oberwöhr. Aufträge im Volumen bis zu 500000 Euro im Jahr könne er aus eigener Kraft stemmen, sagt er. Im Moment sind es mehrere Projekte parallel, die ihn beschäftigen: Da wären eine Handvoll typisch australischer Tiere und der zehn Meter hohe Kletterturm für einen Schweizer Auftraggeber, dessen Modell er aus Platzgründen auslagern musste in ein nahes Sägewerk. Dort hat er eine Fläche angemietet, die Werkstatt ist längst zu klein für die Mengen an Eichen- und Robinienholz, die er bevorzugt verarbeitet. Auch ist gerade eine riesige Kletter- und Spielwelt im Entstehen, die in knapp eineinhalb Jahren bei einer großen Münchener Brauerei Kinder begeistern soll.

Pädagogisch wertvolle, nachhaltige Kunst

Der TÜV ist bei ihm oft zu Gast, er muss die Objekte, vor allem die hohen Türme, auf Sicherheit überprüfen und freigeben. Dann kann die eigentliche Konstruktion in Originalgröße losgehen. „Harte Jahre“, so Hofmann, liegen auch hinter ihm, in denen er manchmal kaum gewusst habe, wie er seine drei Kindern ernähren solle. Heute muss ein Auftraggeber mindestens eine höhere vierstellige Summe ausgeben, möchte er ein Projekt-Spielart-Unikat haben. Dafür bekommt er aber nicht nur ein nachhaltiges Produkt, sondern auch ein pädagogisch wertvolles Objekt, das Kindern die zwei großen „Ks“ im Leben näherbringen, die Hofmann besonders am Herzen liegen: Kunst und Klettern. Das Konzept aus geistiger und körperlicher Bewegung hat einen festen Stellenwert für ihn und seinen Partner Harald Thaler. Und ohne ein tragendes Konzept hat bekanntlich noch kein Unternehmen erfolgreich funktioniert.

Artikel 8 von 9