„Wir hatten gar nicht vor, zu gründen“, erzählt Ulli Maier. Es kam anders: 2018 besteht Maier Walzen seit 20 Jahren. Die Waldkraiburger Spezialisten sind gut am Markt positioniert.
Kleine Walzen für den großen Markt
Waldkraiburg –Ob in Dienstleistung oder Produktion: „Alles aus einer Hand“ wird bei Kunden immer beliebter, weil das Zeit und Kosten spart. Die Maier Walzen GmbH aus Waldkraiburg hat das „Alles-aus-einer-Hand“-Prinzip zu ihrem Alleinstellungsmerkmal gemacht. Für so gut wie alle Branchen – Maschinenbau, Druckindustrie, Folienherstellung und -veredelung, Holz-, Möbel- und Textilindustrie, Förder- und Automatisierungstechnik – fertigt der Industriebetrieb der Cousins Ulli und Werner Maier Gummi-Walzen verschiedenster Typen.
Kaum Konkurrenten am deutschen Markt
Bei ihnen bekommt der Kunde auf Wunsch das Komplettpaket: Herstellung des Walzenkerns aus der eigenen Metallverarbeitung, plus Gummierung und Oberflächenveredelung, falls erforderlich. Auch die Reparatur von defekten Walzenkernen und die Fertigung von reinen Dreh- und Frästeilen gehören mittlerweile zum Programm. Eine weitere Spezialität des Waldkraiburger Familienunternehmens: „Wir fertigen sehr kleine Walzen ab zehn Millimetern Durchmesser und Länge.“ Auch größere Walzen bis zu einem Durchmesser von 430 Millimetern und einer Länge von circa zwei Metern sind machbar. In Deutschland, schätzt Geschäftsführer Ulli Maier, habe man aufgrund dieser Spezialisierung eine überschaubare Anzahl an Mitbewerbern. Ganz und gar nicht selbstverständlich sei die eigene Schlosserei in dem Metier – die Tatsache, dass vor gut 15 Jahren viele Firmen ihre Fertigungstiefe reduzierten und als „verlängerte Werkbank“ auslagerten, nutzten die Waldkraiburger Cousins, um sich am Markt noch erfolgreicher zu positionieren.
Es war eher eine Ausgründung, als Ulli Maier, damals Teamleiter und Spezialist für Gummiwalzen bei einem Unternehmen aus der Region 1997 im Segment Walzenproduktion die Chance auf die Selbstständigkeit sah. „Die Suche nach einem geeigneten Partner war nicht einfach.“
Maier, selbst gelernter Kaufmann, brauchte einen Kompagnon fürs Technische und die Metallarbeit. Sein Cousin Werner Maier, Schlossermeister, hat „lange überlegt“, bereut dafür heute seine Entscheidung auf keinen Fall. Längst halten es die beiden für eine „glückliche Fügung“, dass sich zum ehemaligen Arbeitgeber keine Konkurrenzsituation ergeben hat. „Wir hatten durchaus Wettbewerbscharakter“, sagt Maier.
Den Markt für kleine Walzen finden beide Maiers spannend, weil er „leichter greifbar“ sei und die Anforderungen immer wieder neu und unterschiedlich. War anfangs Dänemark über einen Handelspartner ein Hauptabnehmerland, sind es inzwischen vor allem Österreich, die Schweiz und Deutschland. Auch in den Rest der Welt gehen die Maier-Walzen. Die Waldkraiburger produzieren neben der Serienproduktion von Walzen auch kleine Stückzahlen in besonderer Ausfertigung. Zum Beispiel gummierte Greifer für diverse Hersteller von Roboterarmen – ein Beispiel für einen Bereich, in dem die Serienfertigung meist Großhersteller übernehmen.
2500 bis 3000 Aufträge pro Jahr nimmt Maier an, das macht 65000 bis 70000 Rollen und Walzen samt Drehteile. Etwa 85 Prozent davon sind Komplettlösungen mit Kern und Gummierung. Auch komplett einbaufähige Walzen produziert man inzwischen, die der Endabnehmer des Kunden nur noch bei sich einsetzen muss. Es sei ihnen wichtig, es mit dem Wachstum nicht zu übertreiben, sagen die Maiers. 45 Mitarbeiter inklusive zwei Azubis, sei eine gute Größe. Viele Kunden der ersten Stunde sind heute noch an Bord. „Wir verlieren kaum Auftraggeber an den Wettbewerb“, sagt Maier selbstbewusst.
Lehrstellen schwer
zu besetzen
Das liege zum einen daran, dass man die Preise „tragbar“ gestalte. Und daran, dass Gummiwalzen keiner Normung unterlägen: „Modelle, die man einmal im Haus entwickelt hat, unterliegen oft dem eigenen Know-how. Das bindet Kunden und schafft enge Partnerschaften.“
In den vergangenen Jahren haben die Maiers geschickt in das Unternehmen investiert: In die eigene Dreherei, die für Maier Walzen die Kerne produziert und zugleich ein eigenständiger Betrieb ist. Sechs Millionen Euro Umsatz machen Dreherei und Walzenwerk im Jahr zusammen. Regelmäßig wird in die neueste Maschinengeneration investiert.
Maier und Maier kümmern sich zudem intensiv um den Firmennachwuchs, haben schon vor Längerem die eigenen Kinder, vier insgesamt, in ihre Nachfolgepläne eingebunden. „Alle wollen“, freuen sich die beiden Väter über die exzellenten Aussichten und dass ihnen damit eines der häufigsten Probleme bei der Firmennachfolge erspart bleibt.
Auch den Fachkräftenachwuchs haben sie im Blick, wenn es auf diesem Gebiet auch nicht so leicht ist wie mit den eigenen Kindern: „Wir haben das Ziel, jedes Jahr einen Azubi einzustellen. Aber es ist verdammt schwer geworden, Lehrstellen zu besetzen.“
Derzeit sind zwei Zerspanungsmechaniker in Ausbildung, gerne hätte man noch einen weiteren gehabt.
Den „Gummiwalzenhersteller“ von berufs wegen gibt es übrigens nicht: Wer bei Maier Walzen beginnt, erhält eine maßgeschneiderte Ausbildung, für die es keine Standardlösung gibt. „Wir bekommen inzwischen auch immer wieder Initiativbewerbungen“, sagt Maier. Für ihn seien diese besonders interessant: „Das sind Leute, die wollen sich weiterentwickeln.“ Und da sind sie beim Walzenspezialisten genau richtig.