Das Firmengelände von Byodo in Mühldorf.
In der deutschen Bio- und Naturkostbranche stehen viele etablierte Unternehmen vor großen Herausforderungen. Der Wettbewerb verschärft sich und große Handelsketten, etwa real, profilieren sich mit immer umfangreicheren Bio-Sortimenten. Discounter positionieren sich darüber hinaus als Bio-Händler, zuletzt etwa Norma. Bekannte Bio-Marken werden an Konzerne wie Unilever und L’Oréal verkauft, wie das jüngste Beispiel von Logocos zeigt, Hersteller der Naturkosmetik-Marken „Sante“ und „Logona“. Zuletzt erwirtschaftete Logocos einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro.
Weg der Nachfolge gefunden
Mühldorf – „Der Ausverkauf der Bio-Branche hat schon lange begonnen und scheint unaufhaltsam weiterzugehen. Hier sind vor allem die Bio-Pioniere gefordert, sich für die Zukunft neu aufzustellen und dabei ihren Werten treu zu bleiben“, so Michael Moßbacher und Andrea Sonnberger, die beiden bisherigen Inhaber des Mühldorfer Bio-Feinkostherstellers Byodo (siehe Infokasten). Wie das mittelständische Unternehmen aktuell bekannt gibt, habe man sich mit der Gründertochter
Steffi Moßbacher und der GLS Beteiligungs AG als neue Mitgesellschafter „für die Zukunft gerüstet“. Angesichts der Umbrüche in der Branche stehe man vor großen Herausforderungen.
Synergien als
Retter der KMU
„Wir wollen ein Familienunternehmen bleiben, mit verlässlichen Werten besonders im Sozialen und Ökologischen“, sind sich Moßbacher und Sonnberger einig. „Jede Art von Verbindung mit großen Konzernen oder rein renditeorientierten Finanzinvestoren steht bei der Firma nicht zur Diskussion.“
Über Nachfolgerin Steffi Moßbacher heißt es, sie brenne „schon lange für Bio“ und habe sich über ihr Studium „bestens die Grundlagen für ökologisches Marketing und nachhaltige Unternehmensführung erarbeitet.“
Die junge Gesellschafterin sagt selbst: „Ich habe Lust, bei Byodo Verantwortung zu übernehmen und will die Zukunft aktiv mitgestalten.“ Aktuell verantwortet sie die Bereichsleitung Marketing und Produktmanagement und bereitet sich in den kommenden Jahren auf ihre Aufgaben in der Geschäftsführung vor.
„Wenn immer größere Unternehmen den Markt bestimmen, müssen sich die kleineren und mittleren Unternehmen vernetzen, um sich behaupten zu können. Synergien schaffen ist die Formel für die zukünftige Entwicklung der Bio-Branche“, so lautet die Einschätzung von Byodo.
Eine solche Synergie sieht man in der Beteiligung durch die GLS Beteiligungs AG mit Sitz in Bochum. Sie ist ein Teil der GLS Gruppe mit der GLS Bank als Mutter. Sie ist ebenso wie die GLS Bank sozial-ökologisch ausgerichtet und hat sich in ihrer Arbeit dem Menschen und der Umwelt verpflichtet.
Die GLS Beteiligungs AG investiert eigenen Angaben zufolge nach strengen Kriterien ausschließlich in nachhaltige Projekte und Unternehmen. „Wir stellen den Erhalt und die Entwicklung der Unternehmen in den Vordergrund unserer Beteiligungsstrategie und streben daher keinen Exit, vielmehr langfristige Partnerschaften, an“, sagt Nikolaus von Doderer, einer der Vorstände der GLS Beteiligungs AG. Er ist davon überzeugt, dass durch Beteiligungen wie jene an Byodo „wertvolle Netzwerke“ entstünden, die gerade kleinen und mittleren Unternehmen „die Kraft geben, sich auf dem Markt zu behaupten.“
Die Beteiligung der GLS Beteiligungs AG an Byodo sei aber nicht so hoch, dass der Charakter des Familienunternehmens verloren gehe, wie man bei Byodo betont. Die beiden langjährigen Inhaber Moßbacher und Sonnberger halten zusammen mit der Tochter knapp über 70 Prozent der Anteile und können, wie sie sagen, im operativen Tun weiter die Geschicke des Unternehmens steuern.
Die Byodo Naturkost GmbH wurde im Jahr 1985 gegründet und ist bis heute ein inhabergeführtes Unternehmen, das ausschließlich Lebensmittel aus 100 Prozent biologischen Zutaten führt. Die Firma beliefert den Naturkost-Fachhandel mit der hauseigenen Bio-Premiummarke sowie Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung mit der Marke Byodo CateringLine. Aktuell beschäftigt das Unternehmen mit Standort Mühldorf 80 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2017 einen Umsatz von rund 23,3 Millionen Euro.