Zur Person

Preisgekrönt, aber auch umstritten

von Redaktion

Prof. Hans-Werner Sinn, einst Präsident des ifo Instituts und bekannt für seinen kritischen Geist, als Redner bei der Verleihung des Meggle-Gründerpreises: Das bedeutete einen vielschichtigen Beitrag, der beim Publikum für Gesprächsstoff sorgte.

Der 1948 geborene Hans-Werner Sinn gehört zu den führenden europäischen Ökonomen dieser Zeit und befasst sich kritisch mit Themen wie Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit, der Energiewende, Europa und der Flüchtlings- und Migrationskrise. Er gilt zudem als großer Kritiker der derzeitigen EZB-Politik, der Euro-Rettung und der Zuwanderung. Der breiten Öffentlichkeit wurde Sinn durch seine wirtschaftspolitischen Sachbücher („Ist Deutschland noch zu retten?“; jüngst: seine Autobiografie „Auf der Suche nach der Wahrheit“) bekannt. Sinn habilitierte an der Universität Mannheim und lehrte unter anderem an der LMU München Volkswirtschaftslehre, Versicherungswissenschaft, Nationalökonomie und Finanzwissenschaft. Er war bis 2016 Präsident des Münchner ifo Instituts, Direktor des Center for Economic Studies (CES) und Geschäftsführer der CESifo GmbH. Sinn wurde vielfach ausgezeichnet. Seine Äußerungen stoßen auf große Resonanz, sind aber auch oft umstritten. Er lebt in Gauting.

„Welche Rolle hat Deutschland?“

Wasserburg –Sie sind stets auch der Rahmen für Redebeiträge zu relevanten wirtschaftspolitischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Themen dieser Zeit: Die Verleihungen des Meggle-Gründerpreises in Wasserburg. Top-Referenten werden dafür ausgewählt, die auch – wie 2017 Ex-Bundesverfassungsrichter Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio – in den Dialog mit dem Publikum treten.

Bei der diesjährigen Preisverleihung war es Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn, der seinen Beitrag als Frage formulierte: „Europa im Umbruch – Was wird aus Deutschland?“. Der ehemalige Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung sowie Professor für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München führte seine Überlegungen teils drastisch und durchaus kontrovers aus.

„Ich mache mir Sorgen um den Zusammenhalt in der EU und die Rolle, die Deutschland darin langfristig spielen kann“, so Prof. Sinn. Deutschlands Wirtschaft stehe aktuell gut da – „noch“. Aufzeichnungen des ifo-Index‘ zeigten die deutsche Konjunktur derzeit auf einem Höchstwert. Grund dafür sei eine Doppelkonjunktur aus „prächtigem“ Export sowie einer guten Binnenkonjunktur dank des Baubooms. „So schön war es noch nie und so schön wird es auch nie wieder werden“, warnte der Nationalökonom.

Fortbestand der Euro-Zone: „Hoffe auf ein Wunder“

Einen Grund dafür sieht Sinn im Wirken von US-Präsident Donald Trump, der die Welt mit „wilden Sprüchen“ in Aufregung versetze und mit einem Handelskrieg bedrohe. Die US-Wirtschaft brumme; eine Steuerreform und starke Stimuli für die Wirtschaft sorgten jenseits des Atlantiks für Zinserhöhungen. Da müsse die EU in nächster Zeit folgen. Sinn ging auch auf das Thema Brexit ein, bei dem Unsicherheit in der Luft liege. Seitens der EU wolle man ein „Rosinen-Picken“ der Briten verhindern. Denn diese wünschten sich zwar einen freien Tausch von Waren, Kapital und Dienstleistungen, nicht aber von Menschen. EU und Großbritannien stünden „vor einem Patt“, der für Deutschland „verheerend“ sei.

Man verliere nicht nur einen Partner im Geiste des Freihandels, sondern die nördlichen Länder der EU büßten auch ihre Sperrminorität ein.

Nur noch ein Drittel der Briten sei für den Brexit, so der Ökonom, daher skizzierte er dem Publikum im Alten Wasserburger Rathaus seinen Vorschlag an die Briten: Um sie vom Austritt aus der EU abzuhalten, müsse die Sozialmigration eingedämmt werden. „Irritationen“ kämen auch aus Italien. Die Regierung sei auf einen Konflikt mit der EU aus. Sinn geht davon aus, dass es bald einen „Kampf um Europa“ geben werde: „Ich kann auch hier nur auf ein Wunder hoffen, dass wir den Weg zum Fortbestand der Euro-Zone finden.“

Nach seinem Vortrag stellte sich der Wirtschaftsexperte in einer Diskussionsrunde den Fragen von Prof. Dr. med. Bruno Meiser, dem Leiter des Transplantationszentrums der LMU München sowie Aufsichtsratsmitglied der Meggle AG. Er ging dabei insbesondere auf das Thema „Migration“ ein und richtete an Sinn die Frage, warum nicht geklagt worden sei, als Kanzlerin Angela Merkel 2015 die Grenzen für Flüchtlinge öffnete. Laut Sinn war dieses Vorgehen „nicht rechtsstaatlich“. Seine Idee von Deutschland ist die eines „Klubs“, dessen „Mitgliedschaft“ man beschränken müsse.

Diese und weitere Ausführungen – etwa zu Sozialmigration aus Osteuropa nach Deutschland – nahm das Publikum differenziert auf und sorgte im Anschluss an die Preisverleihung auch beim Imbiss noch für Gesprächsstoff.

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