Die Kiefel GmbH aus Freilassing mit weltweit 1200 Mitarbeitern (Freilassing: 600) und 200 Millionen Euro Jahresumsatz zählt zu den Weltmarktführern in der Konzeption und Herstellung von Maschinen für die Verarbeitung von Kunststofffolien. Kiefel beliefert dabei die Automobil-, Medizintechnik-, Hausgeräte- und Verpackungsindustrie. Neben dem Stammsitz in Freilassing produziert man zudem in Österreich, Tschechien, Niederlande, China, Indonesien und betreibt Niederlassungen in Europa, in den USA, Russland und Asien. Die Kiefel GmbH gehört zur Brückner-Gruppe in Siegsdorf, einem weltweit führenden Anbieter von Maschinen und Anlagen für die Kunststoff-Verarbeitung.
Zum Unternehmen
Weltweite Handelsbeziehungen
Wie die Weltpolitik das Exportgeschäft beeinflusst, wurde deutlich auf einem Betriebsrundgang von Politik und dem Verband deutscher Maschinenbauer bei der Kiefel GmbH in Freilassing. Die US-Handelspolitik und ihre weltweiten Folgen haben das Unternehmen schon Millionen Euro gekostet.
Trumps „Raunen“ kostet Millionen
Freilassing – Ein lautes Zischen, Rattern und Stampfen ist zu hören, als Thomas J. Halletz auf den Startknopf des Displays drückt. Der Geschäftsführer der Kiefel GmbH aus Freilassing hat gerade eine „KMD 78 Power“ in Betrieb genommen. Die etwa zehn Meter lange Thermoform-Maschine kann unterschiedlichste Verpackungen aus Kunststoff produzieren und stanzt pro Minute 640 handtellergroße PET-Schalen aus einer Folie. Das rund 700000 Euro teu-re Gerät sei für Finnland bestimmt, erklärt Halletz bei einem Betriebsrundgang mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Ramsauer, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, und Ulrich Ackermann, Leiter des Bereichs Außenwirtschaft beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Der Anlass des Treffens: Negative Wachstumsprognosen für die Wirtschaft auch in der Region, angesichts der von den USA verhängten Strafzöllen, Handelssanktionen gegenüber Russland und dem Iran, dem Brexit und Handelsbarrieren für deutsche Firmen in China.
Iran-Sanktionen: Geld kam knapp
„Hier sieht man beispielhaft, wie wichtig heute Exportmärkte und der Freihandel für die Maschinenbaubetriebe in Deutschland sind“, erläutert Ackermann die Wahl des Veranstaltungsortes bei Kiefel.
„Der deutsche Maschinenbau hat 2017 rund 226 Milliarden Euro umgesetzt und eine Exportquote von 78 Prozent. 600000 Arbeitsplätze in Deutschland und 400000 bei Tochterfirmen im Ausland hängen davon ab“, verdeutlichte Ackermann. Da rund 35 Prozent des hiesigen Exports in Länder mit hohen Einfuhrhürden gehe, brauche der „Freihandel die klare Fürsprache in der deutschen Politik“, um Arbeitsplätze und Wohlstand zu sichern, so der VDMA-Vertreter.
Kiefel-Chef Halletz machte am Beispiel Türkei deutlich, welche konkreten Folgen ein „Raunen von Trump“ für das Unternehmen haben könnte.
„In der Türkei hatten wir Aufträge im Wert von 3,5 Millionen Euro. Durch den Streit zwischen dem amerikanischen und dem türkischen Präsidenten mit der darauf folgenden Lira-Abwertung und der Notwendigkeit, Finanzierungen abzusichern, wurden daraus 2,5 Millionen Euro.“
Eine bessere Absicherung von Exportfinanzierungen sei deshalb eine wichtige Forderung an die Politik, so der Geschäftsführer. Der Ukraine-Konflikt und die daraus folgenden Sanktionen habe das Unternehmen „zwischen drei und fünf Millionen Euro Volumenreduktion“ gekostet. Die Bezahlung eines Iran-Auftrags konnte gerade noch vor Inkrafttreten neuer Sanktionen abgewickelt werden.
Halletz verwies angesichts einer Exportquote von 90 Prozent in seinem Unternehmen auf zwei weitere Kernprobleme: Oft müssten Mitarbeiter im Rahmen der Aufträge in kurzer Zeit ins Ausland entsendet werden; bürokratische Hürden verlangsamten aber den Prozess erheblich. Umgekehrt müsse in der Visa-Praxis stärker berücksichtigt werden, dass der Zeitaufwand für die Schulung von Experten ausländischer Tochterfirmen am Standort in Freilassing häufig länger als drei Monate dauere.
Aktuell 40 Verträge für Freihandel
Die Bedeutung von Freihandelsabkommen beleuchtete der Bundestagsabgeordnete Dr. Peter Ramsauer. Diese seien essenziell für viele auslandsorientierte Unternehmen in ländlichen Regionen.
Während vom aufs Eis gelegten TTIP-Abkommen nur ein Bruchteil verhandelt worden sei, bestünden aktuell, der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, 40 Freihandelsabkommen, die deutschen Unternehmen weltweite Geschäfte sicherten. Über 26 weitere Verträge werde derzeit verhandelt. „Im Bundeswirtschaftsministerium warten derzeit 2400 Anträge auf eine Entscheidung.“ Durch überzogene Bürokratie gehe Deutschland ein halber Prozentpunkt Wirtschaftswachstum im Jahr verloren.