Gemacht für die Ewigkeit

von Redaktion

Zeitumstellung Der Rosenheimer Andreas Voll über Schweizer Luxusuhren

Rosenheim/Schaffhausen – Die Uhr ist das Sinnbild der Zeit. Da liegt der Gedanke an die Schweiz nahe. In Schaffhausen am Rhein werden seit 150 Jahren Uhren der Marke IWC („International Watch Company“) hergestellt. Andreas Voll, geboren und aufgewachsen in Rosenheim, ist mit 37 Jahren operativer Geschäftsführer beim Schweizer Traditionsunternehmen. Ein Gespräch über die Zeit und Luxusuhren.

Die Zeitrechnung von IWC beginnt 1868. Wie kann man sich die Uhrenherstellung 2018 vorstellen?

Als unser Gründer Florentine Jones aus den USA in die Schweiz kam, brachte er völlig neue Kenntnisse der industriellen Uhrenfertigung mit, welche er hier mit präziser Schweizer Handwerkskunst kombinieren wollte. Erst stieß er mit diesem, seiner Zeit vorauseilenden Konzept auf Ablehnung, bis er in Schaffhausen die IWC gründen konnte. Das Uhrenmachen war bis dahin etwas, das die Bauern als Zuverdienst im Winter in Heimarbeit erledigten. Heute prägen Hightech und Handwerk die Fertigung in unserer neuen Manufaktur, in der 250 Mitarbeiter arbeiten. Der Anteil handwerklicher Arbeit ist nach wie vor extrem groß, vor allem, wenn es darum geht, den hochpräzisen Uhrwerkmechanismus in der Montage zum Leben zu erwecken. Unterstützung durch modernste Maschinen braucht es vor allem, um die vielen Werk- und Gehäuseteile mit einer Toleranz von einem Tausendstel Millimeter produzieren zu können.

Vor 150 Jahren galten die Modelle der sechs IWC-„Uhrenfamilien“ als innovativ. Und heute?

Schon zu Gründerzeiten hat sich IWC nie an einer Mode, sondern an konkreten technischen Anforderungen und Nutzwert orientiert. So wurde etwa unsere Fliegeruhr „Mark11“ von 1948 bis Ende der 1970er als Navigationsuhr für die Royal British Airforce hergestellt, mit kontrastreichem Ziffernblatt und einem vor Magnetismus geschütztem Uhrwerk. Das war eine wichtige technische Innovation. Der Ewige Kalender, der nur alle 200 Jahre angepasst werden muss, ist ein jüngeres Beispiel für diesem Ingenieursgeist.

Was unterscheidet die Luxusuhr vom Billig-Modell?

Ein Unterschied ist sicher, dass eine Luxusuhr – der Einstiegspreis liegt bei 4000 Euro – ein Stück Handwerkskunst für die Ewigkeit ist, mit dem viele Emotionen verbunden werden. Eine hochwertige, mechanische Uhr kauft man sich zu einem bestimmten Tag im Leben oder bekommt sie geschenkt, etwa zur Hochzeit. Nicht selten wird sie weiter vererbt. Wir bekommen heute noch regelmäßig Uhren in unsere Werkstatt gesandt, die aus der Gründungszeit von IWC stammen. In vielen Fällen wollen die Besitzer ausdrücklich, dass die Spuren der Zeit erhalten bleiben. Eine günstige Uhr zeigt zwar die Zeit an, hat aber eine begrenzte Lebensdauer und ist sicher kaum mit Emotionen verbunden.

Befasst man sich angesichts so vieler Uhren noch bewusst mit der Zeit?

Die Zeit beschäftigt mich als operativer Geschäftsführer sogar in zweierlei Hinsicht: Ich bin von 8 bis 18 Uhr komplett durchgetaktet mit Meetings. Da braucht es ein straffes Zeitmanagement. Als Zuständiger für den technischen Bereich befasse ich mich intensiv mit der „Produktion der Zeit“. Ich kenne inzwischen jedes Zahnrädchen und Schräubchen. Wobei ich keine Uhr selbst zusammenbauen könnte (lacht). Im Übrigen gibt es in der Schweiz kein „Nine to Five“, die 42-Stunden-Woche ist hier normal.

Es heißt, die Schweiz wäre aus der Zeit gefallen…

Das sagt man ja über uns Bayern auch gern. Die Schweizer empfinde ich als sehr besonnen, sie treffen Entscheidungen in der Politik wie in der Wirtschaft sehr konsensorientiert und finden pragmatische, nachhaltige Lösungen, auch wenn das seine Zeit dauert. Damit komme ich als Oberbayer gut zurecht.

Sind die Schweizer uns bei etwas in der Zeit voraus?

Da fällt mir spontan der sehr gut organisierte Öffentliche Nahverkehr ein. Sogar im kleinsten Dorf fährt der Bus im Zehn-Minuten-Takt. Für 2000 Franken gibt es ein Generalabo, mit dem man das ganze Jahr über, rund um die Uhr, jedes öffentliche Verkehrsmittel nutzen kann.

Ihre erste Armbanduhr…

… war eine Schweizer „Mido“, mit 14 Jahren von meinen Eltern zur Konfirmation bekommen. Ich trage sie gern, wenn ich zu Familienanlässen nach Rosenheim komme. Meine Lieblingsuhr ist heute eine IWC-„Portugieser“ mit Ewigem Kalender.

Interview: Elisabeth Sennhenn

Zu Person und Unternehmen

Andreas Voll hat nach dem Abitur 2001 am Rosenheimer Finsterwalder-Gymnasium in München Volkswirtschaft studiert. Nach Station bei Roland Berger ist er seit 2007 bei IWC. Er kommt regelmäßig nach Rosenheim, etwa zur Wiesnzeit. IWC Schaffhausen, Hersteller von Luxusuhren, wurde 1868 von F.A. Jones gegründet, der Handwerkskunst mit modernen Fertigungstechniken verband. Dazu nutzte er die Wasserkraft des Rheins und erfand die erste Armbanduhr mit digitaler Anzeige. Die Uhren gehen heute in die ganze Welt.

Artikel 4 von 6