nachgefragt

von Redaktion

Einmal im Jahr kommen Absolventen der TH nach Rosenheim und berichten über ihren Werdegang. Damit wollen der Alumni-Verein und der „Club Hochschule und Technikum Rosenheim“ zeigen, wie vielfältig sich das dort erworbene Wissen in der Praxis einsetzen lässt.

Sieben Jahre Produktion heißt auch: Sieben Jahre die Kosten im Blick behalten. Welcher Umsatz kam am Ende für Sie heraus?

Kostensteigerungen gab es vor allem bei Personal, Energie und Entsorgung. Die Kosten durch die deutlich längere Bauzeit konnten wir nicht an den Bauherrn weitergeben. Der Umsatz lag letztlich bei 15 Millionen Euro.

Zog der Auftrag weitere nach sich?

Noch während der Bauzeit konnten wir den Auftrag für die diversen Theken in der Philharmonie an Land ziehen. Aber auch nach einem Jahrhundertprojekt braucht man nicht die naive Hoffnung haben, dass solche Aufträge künftig von selbst kommen. Das tägliche Bemühen um die Kunden bleibt, trotz Renommeé.

Sieben Jahre unter Hochspannung

Rosenheim – Gast der „Technischen Wissenschaftlichen Vereinigung Teutonia zu Rosenheim“ und des Hochschul-Clubs in diesem Jahr war Roland Hasenkopf. Er ist mit der Hasenkopf Industrie-Manufaktur aus Mehring bei Burghausen Zulieferer für individuelle Lösungen im Innenausbau. In der TH berichtete er über den bislang größten Auftrag seiner Firma: Die Bearbeitung der Paneele, mit denen die Wände und Decken des großen Konzertsaales in der Hamburger Elbphilharmonie verkleidet sind.

Riskanter Auftrag

„Wäre während der Montage unserer Platten ein Brief von der Rechtsabteilung von Hochtief gekommen, wir hätten ihn gar nicht erst aufmachen müssen, sondern unsere Firma gleich schließen können“. Mit diesem Satz beschrieb Roland Hasenkopf die Risiken des Auftrags, eine Anspielung darauf, dass die bauleitende Firma Hochtief schon einmal für einen Baustopp bei der Elbphilharmonie gesorgt hatte. Ging es damals um die Statik, handelte es sich bei der Wandverkleidung um keinen weniger bedeutsamen Bauabschnitt: Die rund 10000 Paneele, die zusammen eine Fläche von 6000 Quadratmetern überspannen, sind verantwortlich für die Akustik im großen Konzertsaal. Und somit dafür, dass sich die Gründungsvision, die Philharmonie möge zu den zehn weltbesten Konzerthäusern gehören, einlösen lässt.

Damit die Wände dort den Schall weit streuen, sah das Konzept eine unregelmäßig geformte Oberfläche der Innenverkleidung vor, wobei diese Unregelmäßigkeit vom japanischen Klangdesigner Yasuhisa Toyota exakt berechnet wurde. Die 10000 Einzelplatten mussten in ihrer Oberfläche exakt zusammenpassen. Die Produktion geschah in Etappen und zog sich über fast sieben Jahre hin – immer mit der Maßgabe, exakt gleiche Qualität zu liefern. Eine tragfähige Kalkulation eines Projekts, für das noch keine praktischen Erfahrungen vorlagen, war daher unerlässlich. Wegen der langen Herstellungszeit wurde auch die Kostensteigerung zu einem wichtigen Faktor, so Hasenkopf. Horrend waren zum Beispiel auch die Nebenkosten, wie die Sondermüllentsorgung der Spanabfälle, die sich auf 458 Tonnen summierten.

Am Ende zeigte sich: Der 200 Mann starke Betrieb aus Mehring kann für sich in Anspruch nehmen, dass der Klang im großen Konzertsaal auch sein eigener Erfolg ist und ein Beweis für die Fähigkeiten bayrischer Betriebe.

Erfolgreich und bescheiden

Ursprünglich Spezialist für Schubladen, ist die 1964 gegründete Manufaktur Hasenkopf heute Partner renommierter Designer (etwa Zaha Hadid) und Unternehmen (z.B. Vodafone, Hotels, Flughäfen). Roland Hasenkopf stieg 1986 als zweite Generation ein, damals mit 18 Mitarbeitern. Er formte aus dem Familienbetrieb einen Zulieferspezialisten für Lösungen aus Holz sowie Mineral- und Acrylwerkstoffen mit 210 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Bis heute nimmt die Manufaktur auch Kleinstaufträge an.

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