Weltspartag: Auf der Suche nach Rendite

von Redaktion

Sparen will gelernt sein: Wer eine unabhängige Meinung zum Thema Geldanlage haben möchte, kann sich zum Beispiel an die Verbraucherzentrale vor Ort wenden. Merten Larisch berät mehrmals im Monat in Rosenheim Verbraucher aus der Region zu Finanzthemen. Er zeigt ihnen auf, wie Geld sinnvoll angelegt werden kann.

Rosenheim – Merten Larisch ist einer von uns zwei Altersvorsorge- und Geldanlageberatern der Verbraucherzentrale Bayern, die zwei- bis viermal monatlich in Rosenheim Ratsuchenden mit Tipps und handfester Hilfe in Finanzfragen zur Seite steht. Zwischen zehn und 15 Beratungen seien das pro Monat, im Jahr bis zu 150. Die klassischen Themen: Geldanlage, Altersvorsorge, Finanzierung.

Mit ETFs gut dabei

Häufig dreht sich die Beratung in Rosenheim um die Frage: Wie lege ich mein Geld richtig an? „Vor allem kommt es dabei auf das individuelle Anlegerprofil an“, so Larisch. Im Rahmen einer Selbsteinschätzung könnten die Verbraucher abwägen, welches Risiko sie einzugehen bereit seien und vor allem, wie gut die eigene Psyche mit dem Thema „Gewinn und Verlust“ zurechtkomme: „Das ist mitunter das Wichtigste“. Larisch teilt mit seinen Beratungskunden die zu tätigende Geldanlage gedanklich in drei „Anlagetöpfe“ ein: für kurz-, mittel- und langfristige Anlagen. Für den kurzfristigen Anlagehorizont (unter einem Jahr) empfiehlt er das Tagesgeldkonto bei der Bank. Vorteil: Schnelle Verfügbarkeit, jedoch gibt es praktisch Null Zinsen. Wer bis zu fünf Jahre lang auf eine gewisse Summe Geld verzichten kann, sollte sich für die Festgeld-Variante entscheiden, so Larisch: „Wer die Internetbank oder Telefonbanking nicht scheut, bekommt bei entsprechenden Anbietern mit bis zu 1,1 Prozent Zinsen noch mehr als bei der Hausbank, wo der Zins meist bei 0,1 Prozent oder darunter liegt.“ Ein Geldmarktkonto bei der eigenen Bank sei eine Alternative zum Festgeld, allerdings ebenso ohne attraktive Verzinsung. Langfristig empfiehlt der Verbraucherschützer den Wertpapiermarkt: „Historisch gesehen ist hier das Risiko für Verluste ausgeglichen; im langfristigen Verlauf sind an der Börse immerhin Renditen von durchschnittlich sieben Prozent zu erwarten.“ Wichtig sei, sich für einen weltweit, zumindest aber europaweit angelegten ETF zu entscheiden. Zwei, maximal drei ETFs, mehr bräuchte es keinesfalls.

„Konservative Anleger investieren langfristig bis zu 25 Prozent ihres Geldes in Wertpapiere, ausbalancierte Anleger bis zu 50 Prozent, wachstumsorientierte können auch 70 Prozent wagen.“ In ETFs zu investieren sei auch eine Strategie, fürs Alter finanziell vorzusorgen. Soll im Rentenalter auf das gebildete Vermögen zugegriffen werden, rät Larisch zum behutsamen Verkauf von Anteilen: „Dann schadet es nicht, auch mal einen Honorarberater hinzuzuziehen, um nicht zu Niedrigkursen zu verkaufen.“

Vorsicht: Flops

Eine Alternative zu ETFs sind Fonds: Zur Vorsicht rät Larisch jedoch bei gemanagten Fonds: „Studien belegen, dass sie keine wesentlichen Vorteile für den Verbraucher bringen.“ Finger weg auch von Einzelaktien, so der unabhängige Berater: Der Aufwand, sich ein individuelles Portfolio zusammenzustellen, und die Werte zu analysieren, sei sehr viel höher als bei einem ETF und höchstens „als Hobby“ geeignet. Auch die regionalen Anleger waren von den Finanzpleiten einst hochgepriesener Anlageprodukte nicht gefeit. Vorsicht vor dem „grauen Kapitalmarkt“, rät der Berater: „Die totalen Flops waren in jeder Hinsicht Investments in P & R Container, in Windkraftanlagen von Prokon, generell in geschlossene Immobilien-, Schiffs- und Flugzeugfonds.“ Auch nachrangige Anleihen seien mit Vorsicht zu genießen. Larisch rät dringend dazu, das Kleingedruckte zu lesen. Beim Passus, ein Totalverlust sei nicht ausgeschlossen, sollten Anlage-Interessenten sofort aussteigen: „Das heißt in der Realität, das Geld ist im Fall des Falles weg.“

Out: Der Bausparer

Larisch würde aktuell keinem Ratsuchenden einen neuen Bausparvertrag – einschließlich der „Wohnriester-Verträge“ – zur Bildung von Eigenkapital für einen Immobilienkauf empfehlen. Auch nicht, einen alten Vertrag in einen neuen umwandeln. Der Grund: Die unattraktive Verzinsung. „Viele Verbraucher schließen Bausparer aus Sorge vor steigenden Darlehenszinsen ab“, so Larisch. Diese Angst hält er für unbegründet und rät dazu, Geld zur Eigenkapitalbildung in einen verzinsten Banksparplan einzuzahlen, der kombiniert werden könne mit Riesterförderung. Das so angesparte Geld könne später dann mit einem Annuitätendarlehen der Bank kombiniert werden, zum Beispiel mit Sondertilgungsrecht. Ausnahme: Bausparer, die vor wenigen Jahren noch mit einem Zinssatz von rund 1,4 Prozent ausgegeben wurden. sen

„Wie sparen Sie?“

„Ich investiere ausschließlich in Derivate. Beim Sparen bin ich generell vorsichtiger geworden.“

„Ich lege mein Geld schon seit vielen Jahren in Aktienfonds an.“

„Ich investiere in Tagesgeld, da es flexibel verfügbar ist, ansonsten in Versicherungen.“

Fotos Georg Kling

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