Zur Person

„Den Bodenkontakt halten“

von Redaktion

Kirchweidach – Der erste „Entrepreneur-Talk“ von Stellwerk 18 e.V., dem südostoberbayerischen Verband für digitale Berufe und dem IT-Verband Rosik e.V. fand kürzlich bei Unternehmer und Landwirt Franz Obermayer in Kirchweidach statt. Gründer und Jungunternehmer sollen beim neuen Veranstaltungsformat von „alten Hasen“ lernen können und vor allem die Kontakte zueinander vertiefen. Beim vielschichten Unternehmertyp Obermayer dürften die Teilnehmer einiges mitgenommen haben – den OVB-Heimatzeitungen erklärte er vorab, wie er seine Firmen mit der Landwirtschaft in Einklang bringt.

Was wäre zu Zeiten Ihrer Unternehmensgründung ein Rat gewesen, den Sie rückblickend gerne gehabt hätten?

Ich denke, ein erfahrener Unternehmer hätte mir damals gesagt: „So kannst Du dich nicht selbstständig machen, du brauchst eine Kundenzielgruppe, Vermarktungswege, einen Businessplan und Startkapital, dass den Namen verdient hat.“ Mit heutigem Wissen bin ich mir nicht sicher, ob ich mir damals den Gang in die Selbstständigkeit geraten hätte. Jedoch wäre ein Rat bezüglich strukturellem Aufbau durchaus sehr hilfreich gewesen.

Was möchten Sie einem Start-up heute mit auf den Weg geben? Gibt es eine Herausforderung dieser Zeit, um die Sie einen Existenzgründer nicht gerade beneiden?

Die wichtigste Eigenschaft, die ein Existenzgründer mitbringen muss, ist immer die Begeisterung. Einer der wichtigsten Grundsätze, um seine Kunden zu überzeugen ist: „Wer entflammen will, muss brennen“. Als zweites würde ich Gründern gerne mitgeben, dass sie die Angst vorm Scheitern verlieren sollen. Ich zitiere in meinen Vorträgen gerne ein Buch: „Mein größter Fehler“. Hier haben sich äußerst erfolgreiche Unternehmer zum Scheitern in ihren Entscheidungen bekannt. Wer den Mut hat, Entscheidungen zu treffen, zu seinen Fehlern steht und bereit ist, diese auch mit weiteren Entscheidungen zu korrigieren, der ist auf dem richtigen Weg.

Sie führen zwei Unternehmen und sind im Nebenerwerb Landwirt. Wie schaffen Sie das?

Die FOXiT GmbH als technisches Systemhaus mit IT-Securityprodukten und die Complimant AG mit Beratung rund um die Informationssicherheit sind mittlerweile sehr etabliert. Es sind jedoch zwei kleine Unternehmen mit 26 Mitarbeitern, die im gleichen Haus sitzen und so die kurzen Entscheidungswege gewährleisten. Ich habe sehr gute Mitarbeiter, auf die ich mich verlassen kann. In der Landwirtschaft hilft meine Familie fleißig mit. So denke ich, dass mein 20-jähriger Sohn in Stunden addiert mehr Zeit auf dem Hof gearbeitet hat als ich. Wobei ich die Landwirtschaft nicht als Belastung, sondern als idealen Ausgleich sehe. Es erdet, wenn man am Wochenende nach vielen Sitzungen und Konferenzen dann im wahrsten Sinne des Wortes Bodenkontakt erhält (lacht). Das Wichtigste ist jedoch wie überall: Ich habe Spaß an dem, was ich tue!

Einer Ihrer Schwerpunkte ist, IT-Sicherheitskonzepte in Unternehmen einzuführen. Läuft das bei einem Mittelständler anders als bei einem Weltkonzern?

Die Grundlage ist jeweils sehr ähnlich. Ob ich einen Weltkonzern in Indien, einen deutschen DAX-Konzern oder einen mittelständischen Betrieb in der Region berate, es wird hier die gleiche Norm angewandt, die ISO27001. In Asien habe ich die Erfahrung gemacht, dass Normen weniger infrage gestellt, sondern einfach umgesetzt werden. Dies ist in Deutschland wesentlich erklärungsbedürftiger. Egal in welchem Unternehmen, unabhängig von der Größe, das Wichtigste ist, bei den Mitarbeitern für Verständnis zu sorgen und die komplette Belegschaft mitzunehmen. Informationssicherheit, die nur übergestülpt ist, wird scheitern.

Ein Land- und Forstwirt im IT-Business – kann man einen Übertrag herstellen vom einen ins andere oder sind das getrennte Welten?

Man kann sogar sehr viel übertragen – in der IT wurden die Begriffe wie Nachhaltigkeit lange belächelt, wurde die „Old-Economy“ lange als Auslaufmodell abgestempelt. Jedoch sind Werte wie Nachhaltigkeit, die in der Landwirtschaft von Natur aus vorgegeben sind, auch die Grundlagen für ein langjährig erfolgreiches Unternehmen. Auch in stürmischen Zeiten kann man sich an der Land- und Forstwirtschaft orientieren: Durch Stürme bekommen Bäume tiefere Wurzeln. Gerade als junger, manchmal ungeduldiger Unternehmer kann man sich ebenso viel abschauen: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Sie treten als Autor und Unternehmer für eine nachhaltige Unternehmensführung ein. Was bedeutet das für Sie?

Zum Beispiel, dass ich immer versuche, den Begriff des ehrbaren Kaufmannes in der Praxis umzusetzen. Meines Erachtens sollte sich jeder Unternehmer sozial engagieren, um die Gesellschaft ein kleines Stück voranzubringen. Man muss nicht aus jeder Chance ein Geschäftsmodell machen, sondern die Langfristigkeit betrachten. So könnten wir derzeit fünf bis sieben Mitarbeiter einstellen, können aber aufgrund unserer Größe pro Jahr nur drei Leute vernünftig ausbilden. Um die Jahrtausendwende hat gerade unsere Branche nur noch Wachstum mit „schneller, höher, weiter“ propagiert. Viele Unternehmen von damals sind vom Markt verschwunden. Ein Besinnen auf nachhaltig wirkende Werte ist langfristig erfolgreicher und macht in der Zusammenarbeit mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten mehr Spaß.

Interview: Elisabeth Sennhenn

In zwei Welten zu Hause

Als gelernter Land- und Forstwirt hat Franz Obermayer die Themen rund um Nachhaltigkeit verinnerlicht. Nach dem Motto „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“. 1992 gründete er das Unternehmen F. Obermayer Datentechnik und erweiterte seine Kenntnisse in Richtung Informationssicherheit. Heute ist er geschäftsführender Gesellschafter der FOXiT GmbH und Vorstand des IT-Beratungsunternehmens complimant AG mit Sitz in Kirchweidach bei Burghausen. Obermayer ist Experte für Informationssicherheit und in diesem Bereich als Auditor für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sowie für den TÜV Rheinland tätig. IT-Sicherheitskonzepte führt er bei Mittelstand und in Dax- sowie Weltkonzernen ein. Als Redner ist Obermayer sowohl im In- als auch im Ausland tätig. Außerdem ist er Landwirt im Nebenberuf.

Artikel 2 von 7