Eine Frage des Risikos

von Redaktion

Nur knapp 33 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen. Junge Männer sind risikobereiter, wenn es um den Sprung in die Selbstständigkeit geht, ergibt sich im Vorfeld der regionalen Gründerwoche.

Contunity-Gründer Tobias (links) und Alexander Pohl aus Heldenstein.Foto re

Mühldorf/Heldenstein – Ein Drittel aller Deutschen kann sich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen, so der aktuelle Gründungsspiegel des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. im Vorfeld der Deutschen Gründerwoche, die auch bei uns in der Region mit vielen Veranstaltungen Gründer informieren und solchen, die es werden wollen, Impulse und Motivation liefern will. Der Gründungsspiegel misst monatlich die Neigung der Deutschen, sich selbstständig zu machen.

65 Prozent der

Frauen lehnen ab

Laut den ersten Ergebnissen (siehe Bild) überwiegt derzeit die Zahl derjenigen, die sich eine Selbstständigkeit „auf keinen Fall“ vorstellen können mit knapp 35 Prozent, aber ganz dicht folgen ihnen die Risikofreudigen, das sind diejenigen, die sich „auf jeden Fall“ (16,9 Prozent) und „eher ja“ (16,3 Prozent) für ein eigenes Unternehmen entscheiden könnten.

Dabei scheint die Gründungsneigung bei jungen Männern mit einer Zustimmung von über 38 Prozent am deutlichsten ausgeprägt. Beispiele für diesen Gründungsmut gibt es in der Region derzeit zahlreiche, zum Beispiel die Heldensteiner Brüder Tobias und Alexander Pohl, die gemeinsam das Softwareunternehmen contunity GmbH aufgezogen haben. Sie äußern sich in unten stehendem Extra-Interview dazu.

„Frauen ziehen diesen Karriereschritt deutlich seltener in Betracht und lehnen ihn mit 64,7 Prozent viel häufiger ab als Männer“, so die Autoren der Befragung. 52,7 Prozent der männlichen Probanden lehnten eine Gründung ab. „Frauen haben eine signifikant geringere Gründungsneigung“, so der Gründungsspiegel des Deutschen Startup-Verbandes. Nur 15 Prozent der tatsächlichen Unternehmensgründungen gingen auf Frauen zurück.

Liegt es am finanziellen Risiko, das deutlich höher ist als bei einer soliden Festanstellung? „Unser Geschäftsmodell ist durchaus riskant“, sagen zum Beispiel die beiden Gründer Tobias und Alexander Pohl aus Heldenstein und sie sprechen offen davon, dass aus ihrem Start-up ein großes Unternehmen werden soll.

Alter und Familie spielen eine Rolle

Immer wieder zeigen Studien, dass Frauen etwa in Geldfragen risikobewusster vorgingen, seltener Fremdfinanzierungen vornähmen, weniger hohe Kredite aufnähmen und überhaupt in kleinerem Stil gründen –so zeigte der Report „Gründerzeiten“ 03/2018 des Bundeswirtschaftsministeriums, dass zwar mehr Frauen die Selbstständigkeit für sich entdeckten, sich aber vor allem an Gründungen beteiligen, also im Team gründen. Rund 45 Prozent der Frauen gründeten im Nebenerwerb, nur 39 Prozent im Vollerwerb, so der KfW-Gründungsmonitor 2016. Viele von ihnen, so „Gründerzeiten“, entschieden sich deshalb für diese Modelle, um Familie und Kinder nicht zu kurz kommen zu lassen.

Auch das Alter spielt bei der Gründung eine große Rolle, so der Gründungsspiegel: 46,3 Prozent der befragten 18- bis 29-Jährigen können sich eine Selbstständigkeit vorstellen, während mit zunehmendem Alter diese Bereitschaft stark nachlässt.

Gründer Tobias Pohl über den Meilenstein des Personalwachstums

Contunity ist ein Start-up aus dem Kreis Mühldorf, das eine Online-Softwarelösung anbietet, welche unter anderem auf Basis Künstlicher Intelligenz die Elektronikentwicklung automatisieren und vereinfachen soll.

Sie sind in kurzer Zeit von zwei auf 15 Köpfe gewachsen. Warum ging das so schnell?

Contunity habe ich mit meinem Bruder Alexander im Februar 2018 gegründet. Das Start-up-Netzwerk rund um die TU München hat uns geholfen, die ersten Teammitglieder zu gewinnen. So und durch die Förderung EXIST, ein Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums, konnten wir uns schnell vergrößern. Ein großes Team, insbesondere im Bereich der Softwareentwicklung, war für uns von Anfang an entscheidend, weil wir an einer sehr anspruchsvollen Technologie arbeiten. Wir haben hauptsächlich über Jobsuchmaschinen im Internet gesucht. Dafür muss man eine klare Strategie verfolgen und seine Zielgruppe genau kennen.

Viele Gründer schrecken aus bürokratischen und Kostengründen vor mehr Personal zurück. Was waren dabei die größten Herausforderungen für Sie?

Unser Geschäft ist stark von Skaleneffekten abhängig. Je mehr Kunden wir haben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, profitabel zu werden. Zudem stellt die Entwicklung der Software eine Herausforderung mit großem Personalbedarf dar. Deshalb kam für uns ein Kleinunternehmen ohne Personal nicht infrage. Unser Geschäftsmodell ist dadurch riskant, wir sind aber überzeugt, dass dieses Risiko in der Zukunft belohnt wird. Wir werden personell sehr stark wachsen und suchen intensiv nach hoch qualifizierten Leuten. sen

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