Wie ist das regionale Gründerklima?

von Redaktion

Mühldorf/Schwindegg – Zu Beginn der bundesweiten Gründerwoche, in deren Rahmen es auch in den Landkreisen Altötting und Mühldorf viele Veranstaltungen und Seminare für Gründungswillige und Jungunternehmer gibt, nimmt Ingrid Obermeier-Osl Stellung zum Gründerklima in der Region. Sie ist selbst Unternehmerin im Landkreis Mühldorf und Vorsitzende des dortigen IHK-Regionalausschusses.

Laut aktuellen Berichten wie dem „Gründungsspiegel Deutschland“ können sich vor allem junge Männer vorstellen, zu gründen. Verhält es sich auch so in der Region?

Pauschal kann ich das nicht bestätigen. Es kommt darauf an, ob es um Gründung im Voll- oder Nebenerwerb geht und um welche Branche. Gerade in letzter Zeit zeigen viele Frauen im Nebenerwerb eine Bereitschaft zu gründen, und sie sind es, die sich bei unserer IHK-Gründungsberatung viel stärker vorab informieren und beraten lassen. In der Vollerwerbs-Gründung sind die Männer führend. Das liegt sicher an der traditionellen Rollenverteilung und vielleicht auch einer höheren Risikobereitschaft der Männer. Die meisten Gründungen finden außer im Handel im Bereich der personen- und unternehmensbezogenen Dienstleistungen statt.

Es ist zur Zeit oft die Rede von digitalen Start-ups. Man könnte meinen, andere Gründungen seien weniger zukunftsweisend…

Die öffentliche Wahrnehmung ist tatsächlich so. Doch in der Realität kommen auch klassische Gründungen in den genannten Bereichen nicht ohne Digitalisierung aus. Alle Branchen sind davon betroffen, weil sich Gesellschaft und technischer Fortschritt ständig ändern. Der klassische Einzelhandel ist dafür ein Paradebeispiel.

Ohne welches „Handwerkszeug“ kommt ein Gründer Ihrer Meinung nach heute nicht mehr aus?

Ein Gründer, der alleine gründet und ohne ein Team, braucht Branchen-Fachkompetenz, kaufmännisches Verständnis, Führungsqualitäten, Vertriebs-und Kommunikationsstärke. Bestimmte Dinge können oder müssen delegiert oder extern vergeben werden. Sinnvoll ist, sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren und wenn dies nicht die Digitalisierung ist, einen Dienstleister damit zu beauftragen. Woher sollen denn die vielen digitalen Start-ups sonst ihre Aufträge bekommen? Interview: Elisabeth Sennhenn

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