Gilt Karstadt-Zukunft als sicher?

von Redaktion

Gestern wurden die 150 Rosenheimer Karstadt-Mitarbeiter vermutlich über die vom Kartellamt abgesegnete Fusion ihres Arbeitgebers mit Kaufhof informiert. Während das Unternehmen schweigt, spricht der Handelsverband von einem „starken Standort“.

Rosenheim – Eine Betriebsversammlung am gestrigen Dienstag, wegen der Karstadt in Rosenheim erst später als normal öffnete. Mitten im beginnenden Weihnachtsgeschäft. Und inmitten des Fusionsprozesses mit der Warenhauskette Kaufhof. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Versammlung und der Fusion gibt und ob es darum ging, die rund 150 Rosenheimer Karstadt-Mitarbeiter über anstehende Änderungen zu informieren, wurde gestern nicht bekannt. Sowohl Standortleiterin Regine Mickley als auch die zuständigen Sprecher reagierten nicht auf Anfragen der OVB-Heimatzeitungen. Mitarbeitern wurde offenbar untersagt, Informationen nach außen zu geben. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auf der Betriebsversammlung um die Fusion der beiden Kaufhausketten ging, ist laut Gewerkschaftskreisen aber groß.

Sorgen dürften sich die Rosenheimer Mitarbeiter aber wohl nicht, vermutet man beim Handelsverband Bayern (HBE). „Karstadt Rosenheim steht mit Sicherheit auf keiner Streichliste“, drückt es HBE-Sprecher Bernd Ohlmann aus. Es handele sich um einen „starken Solitärstandort“ – also ohne eine direkte Konkurrenz durch ein weiteres Warenhaus wie etwa in München –, den es unter den derzeit elf Karstadt- und 13 Kaufhof-Häusern in Bayern nur noch selten gebe: Karstadt-Solitäre stehen nur noch in Bamberg, Bayreuth, Augsburg und Landshut; in Kempten existiert ein Einzelstandort für Kaufhof.

„So ein Warenhaus hat eine besondere Bedeutung für eine Einkaufsstadt, ist ein Kundenmagnet und bringt auch dem umliegenden Einzelhandel Vorteile“, so Ohlmann. Für eine Kommune wie Rosenheim wäre der Weggang eines solchen Hauses nicht leicht zu verkraften. „Aber danach sieht es im Moment nicht aus.“

Ohlmann betont, dass eine Fusion nicht nur negative Seiten, etwa Unsicherheit in der Belegschaft, hervorruft, sondern auch Vorteile hat: „Ein Zusammenschluss bedeutet bessere Einkaufskonditionen seitens der Händler, leichtere Verwaltungsmöglichkeiten und letztlich auch wieder eine bessere Behauptung am Markt.“

Beide Häuser hatten zuletzt mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen (siehe Infokasten). Spätestens mit dem ersten Adventswochenende beginne aber laut Ohlmann die „heiße Phase“, mit der Chance, den Umsatz mit dem Weihnachtsgeschäft noch mal anzukurbeln.

Spannungsfeld:

Ungleiche Tarife

Ein Konfliktthema gibt es aber doch: Die unterschiedlichen Tarife, nach denen Karstadt- und Kaufhofpersonal bezahlt wird. Gilt bei Karstadt seit dem Sanierungsbeschluss aus dem Jahr 2015 noch bis 2020 ein Zukunftstarif, der den Mitarbeitern bis zu 300 Euro weniger im Monat bringt, profitieren Kaufhof-Mitarbeiter noch von einem Flächentarif. Karstadt hat nach Brancheninformationen durch den Ausstieg in den vergangenen drei Jahren etwa 50 Millionen Euro Personalkosten gespart.

Bei der Gewerkschaft Verdi vermutet man, dass die unterschiedliche Bezahlung für die gleiche Tätigkeit zu Spannungen unter Mitarbeitern führen wird und fordert einen einheitlichen Flächentarif – neben Arbeitsplatzsicherheit und Bestandsschutz für alle Häuser.

Umsätze schwächeln seit Jahren

Das schwache Geschäft im Sommer bedeutete sowohl für Karstadt als auch für Kaufhof einen eher unbefriedigenden Geschäftsverlauf. In beiden Unternehmen rechnet man angeblich 2018 mit roten Zahlen und weiter sinkendem Umsatz. Dieser ist in den vergangenen Jahren stark gesunken: Laut Statista erwirtschaftete Karstadt im Geschäftsjahr 2016/17 einen Umsatz von 2,19 Milliarden Euro (2010: circa 3,2 Milliarden Euro). Kaufhof erreichte 2017 einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro (2010: circa 3.3 Milliarden Euro).