Rosenheim – Schon wieder eine Hiobsbotschaft für die Mitarbeiter bei Kathrein in Rosenheim: 250 Stellen werden gestrichen bis zum Ende des nächsten Jahres. Betroffen ist unter anderem der Bereich „Products“, das Antennengeschäft. Es soll „verschlankt“ werden, wie das Unternehmen in einer Pressemeldung mitteilt. Erst vor knapp zwei Wochen war bekannt geworden, dass insgesamt 38 Jobs wegfallen, 19 in Rosenheim und 19 in Ulm. Damals hatte es die Sparte „Solutions“ getroffen. Am Ende der Umstrukturierungen sollen 1100 Stellen am Standort Rosenheim erhalten bleiben.
Konzentration
aufs Kerngeschäft
Die jüngste Mitteilung liest sich wie die vorherigen: Von Restrukturierung ist die Rede, von einer strategischen Neuausrichtung und der Konzentration auf das Kerngeschäft, die Hochfrequenz-Technik im Mobilfunkbereich. Begriffe, denen allen eines gemeinsam ist: Kathrein baut um und ab, um sich auf dem Markt behaupten zu können. Die laufenden Analysen hätten „die Notwendigkeit ergeben, die Strukturen – und damit auch den Personalbestand – im Geschäftsfeld ,Products‘ sowie in anderen zentralen Bereichen weiter anzupassen“. Auf diese Weise könnten Verluste ausgeglichen und „die Ergebnissituation verbessert werden“, teilt das Unternehmen mit.
Welche Stellen konkret wegfallen, dafür gebe es Vorschläge des Vorstands, teilt der Pressesprecher von Kathrein mit. Sie müssten aber zunächst mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt werden. Bisher liegt offensichtlich ein „Maßnahmenplan“ auf dem Tisch, der unter anderem vorsieht, für die Betroffenen „bis Ende dieses Jahres Angebote“ auszuarbeiten. Sie sollen Anfang 2019 vorgestellt werden. Bis dahin ist auch zu klären, ob die 250 Arbeitsplätze alle bis zum Ende des kommenden Jahres erhalten bleiben oder ob sie schon vorher nach und nach gestrichen werden.
Für die Mitarbeiter von Kathrein reiht sich die jüngste Hiobsbotschaft ein in eine Reihe anderer schlechter Nachrichten. So war erst vor rund 14 Tagen bekannt geworden, dass 38 Stellen an zwei Standorten bis März kommenden Jahres wegfallen werden. Betroffen auch davon: Rosenheim. Bereits damals wurde argumentiert, der Bereich „Solutions“ gehöre nicht mehr zu den Aktivitäten, auf die man sich in Zukunft konzentrieren wolle.
Miese Stimmung
bei der Belegschaft
Die Stimmung unter der Belegschaft ist entsprechend schlecht. Zu unsicher wirke die Zukunft bei Kathrein, zu vage seien die Aussagen über den Abbau oder den Erhalt von Stellen. Kathrein selbst sei ein „Selbstbedienungsladen“ für andere Unternehmen geworden, hatten die Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand beklagt.
Auch im Rathaus der Stadt ist die schlechte Nachricht gestern angekommen. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) äußerte in einer Stellungnahme ihr großes Bedauern. Gleichzeitig aber machte sie den von den Streichungen Betroffenen Mut: Schon der bisherige Personalabbau habe gezeigt, „dass der Arbeitsmarkt für die in der Regel gut bis sehr gut qualifizierten Kräfte aufnahmefähig“ sei. Es bestünden daher „gute Chancen“, auch in diesem Fall „sozial- und arbeitsmarktverträgliche Lösungen“ zu finden, teilt Bauer mit.
Nicht zu erreichen waren gestern Vertreter des Betriebsrats und der IG Metall. Letztere hatte die Gespräche mit dem Vorstand zuletzt als „offen“ und „transparent“ bezeichnet.