Wasserburg/Rosenheim – Die Kunden bestellen lieber online. Die Trends wechseln immer schneller. Und der Online-Handel ist zum gefährlichen Konkurrenten geworden: Die Textilbranche in Deutschland hat zu kämpfen. Nun ist die Modemarke Esprit in die Krise geraten. Von Ladenschließungen und Entlassungen ist die Rede. Doch es gibt wohl Entwarnung für die Region.
Schon von Weitem ist der Shop an der Ledererzeile in Wasserburg zu erkennen. Die Fassade rund um die großen Fenster ist rot gestrichen – in der typischen Esprit-Farbe. Das Geschäft wird als Franchise-Unternehmen geführt. Und der Chef sieht den Ankündigungen des Konzerns mit Gelassenheit entgegen. Hier werde sich nichts ändern, ist er überzeugt. Im Gegensatz zu den Läden, die Esprit selbst betreibt, habe er als Franchise-Nehmer keine Einschnitte zu befürchten. Im Gegenteil: Er begrüße die Entscheidungen der Unternehmensleitung. Die Marke sei in den vergangenen Jahren zu schnell und zu aggressiv gewachsen, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. In Qualität und Design aber sei die Mode von Esprit nach wie vor bestens aufgestellt.
Das sieht Konzernchef Anders Kristiansen offensichtlich anders. Er will bis zu 140 von Esprit selbst betriebene Shops in Deutschland schließen, die Stellen von 2800 Vollzeitkräften stehen zur Disposition, 1600 davon im Handel. Von diesen Einsparungen nicht betroffen sein sollen die „Shops in Shops“, also alle Esprit-Shops, die in Kaufhäusern untergebracht sind. In der Region zählen dazu die Esprit-Shops im Rosenheimer Karstadt. Oder auch die Esprit-Abteilungen im Mühldorfer Röther-Park und im Kaufhaus Schmederer. In Zukunft lege Esprit gerade auf diese Shop-in-Shop-Lösungen sein besonderes Augenmerk, sagt ein Konzernsprecher. Man werde versuchen, den Wünschen der Händler bestmöglich entgegenzukommen, um diese Abteilungen zu halten.
Dass Esprit in der Krise steckt, ist nicht neu. Seit fünf Jahren kämpft das Unternehmen, das seinen Europa-Hauptsitz in Ratingen hat, mit roten Zahlen. Die wirtschaftliche Situation sei dramatisch, hatte der Vorstandschef kürzlich mitgeteilt.
Verbindliche Regelungen, wie es weitergehen soll, gibt es bisher nach Angaben des Esprit-Sprechers nicht. Jeder einzelne vom Unternehmen Esprit selbst geführte Laden werde in den kommenden Wochen überprüft. In zwei bis drei Monaten sei dann eine genauere Aussage möglich. bw