Josef Meltl (1938-2018)
Giebelstadt/Bernau – Neue Ziele und große Zuversicht bei Yachten Meltl in Bernau am Chiemsee: Der größte Händler des traditionsreichen, deutschen Yachten-Bauers Bavaria kann nach dessen Insolvenz und Verkauf an einen Investor wieder aufatmen, wie Meltl-Prokurist Paul Huber gegenüber den OVB-Heimatzeitungen bestätigte. Geschäftsführerin und Inhaberin Dorothea Meltl wollte sich wie auch in der Vergangenheit nicht persönlich dazu äußern.
Völlig überraschend verbreitete sich im April vergangenen Jahres die Nachricht, der traditionsreiche Bootsbauer Bavaria aus Giebelstadt habe Insolvenz angemeldet (wir berichteten). Betroffenheit herrschte damals auch in der Region: Seit den 1980er-Jahren ist das Chiemgauer Unternehmen Yachten Meltl, Vertriebspartner von Bavaria, wurde zum Premium-Händler (siehe Infokasten).
Im August 2018, als sich abzeichnete, dass ein neuer Eigentümer für Bavaria gefunden sei, hatte sich Paul Huber zuversichtlich geäußert: „Uns hat die Insolvenz bisher nicht geschadet.“ Dem „Zauber der Boote“ könne die Krise nichts anhaben, denn der gute Ruf der deutschen Produktion eile dem Unternehmen immer noch weltweit voraus. Dennoch vermeldete Bavaria im Lauf der Monate, dass sich etwa in der Produktion einiges ändern werde, auch vom Ende des einen oder anderen Modells war die Rede.
Neue Perspektive für die Händler
Im Oktober 2018 kam dann die erlösende Meldung aus Giebelstadt: Bavaria bestätigte den Verkauf an den Investor CMP Capital Management. Als größer Händler sind die Chiemgauer ab sofort im neu gegründeten Händlerbeirat vertreten, dem noch Partner aus Norwegen, Griechenland und England beiwohnen, wie Huber erklärt. Der Beirat habe eine wichtige Funktion für den neuen Eigentümer: „Wir sind nah am Endkunden und erfahren direkter seine Wünsche.“ Man hoffe, auf diese Weise Problemen aus der Vergangenheit vorbeugen zu können. Die Zeit, in der Sanierer Tobias Brinkmann in Giebelstadt noch um einen Investor rang, ging dennoch nicht spurlos an Yachten Meltl vorbei, wie Huber einräumt: So habe man sich eine Zweitmarke an Bord geholt und fahre auch jetzt weiterhin zweigleisig – Bavaria halte man freilich die Treue.
„Das Unternehmen ist mit dem neuen Eigentümer jetzt sattelfest“, ist Huber überzeugt. Man sei in ständigem Kontakt mit der Werft, das sei auch schon vor der Insolvenz so gewesen. Zu Zahlen will man sich bei Yachten Meltl nicht äußern. Ein paar Einbußen habe man allerdings hinnehmen müssen: So habe Bavaria den Bau des „Prestigemodells“ C65, wie Huber sagt, eingestellt. „Das ist ein Verlust, denn die Segelyacht war attraktiv im Preis für den Kunden und wir waren mit dem Verkauf des Typs II erfolgreich. Aber der Bau fand in Kroatien statt.“ Bavaria selbst gab dazu an, die Produktion auf Giebelstadt fokussieren zu wollen und für den Bau der C65 sei die Werft nicht ausgerichtet. Zehn von bislang zwölf Yachten würden aber weiterhin gebaut.
Für Huber gibt es mit den Modellen C45, C50 und C57 jedoch bereits neue Aushängeschilder, auf die man stark setzen werde – etwa auf der „Boot“, der internationalen Leitmesse, die nächstes Wochenende in Düsseldorf startet. Vom neuen Investor erhofft man sich in Bernau, dass dieser den Markt genau im Blick habe, Händler wie Endkunden zuhöre. Bei Meltl schaut man nun nach vorn: Das 50-jährige Firmenbestehen will gefeiert werden, in diesem Jahr wieder in ruhigerem Fahrwasser.