Alete steht wieder Verkauf bevor

von Redaktion

Alete in Weiding soll an das Deutsche Milchkontor verkauft werden. Es geht vorerst um Vertrieb und Lohnfertigung. Das Kartellamt prüft zurzeit die Freigabe. Die schon 2015 erhoffte Selbstständigkeit der Marke ist damit wieder nicht erreicht. Für die 200 Mitarbeiter ist es nicht der erste Wechsel.

Polling/Weiding – Beim Babynahrungshersteller Alete am Standort Weiding im Landkreis Mühldorf steht nach Brancheninformationen ein erneuter Eigentümerwechsel bevor. Kaufinteressent ist die norddeutsche Molkereigenossenschaft Deutsches Milchkontor (DMK), zu der schon die Babynahrungsmarke Humana gehört.

Perspektive für Produktion unklar

2015 trennte sich der damalige Eigentümer Nestlé von Alete; die Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft BWK und der Privatinvestor Horst Jostock sicherten den Fortbestand der Alete Kindernahrung GmbH (siehe Infokasten). Dr. Bernd Bergschneider von der BWK sagte unserer Zeitung, man habe den 80-prozentigen Anteil an Alete im Dezember 2018 an Jostock verkauft. Dieser ist seit 1. Januar des Jahres Alleingesellschafter von Alete. Er war gestern nicht zu erreichen.

Auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen bei DMK in Bremen, bestätigte Sprecher Oliver Bartelt Gespräche zwischen der DMK-Gruppe und dem Eigentümer der Alete GmbH. „Konkret geht es um die Übernahme des kompletten Vertriebsgeschäftes der Alete GmbH und German Baby Food GmbH“, so Bartelt. Hinter der German Baby Food GmbH mit Sitz in Bad Homburg – dort ist auch die Verwaltung von Alete ansässig – steckt der zu Alete gehörende Eigenmarken-Spezialist, der in Weiding für andere Firmen Babykost abfüllt. Der Markt für Babynahrung sei für die Molkereigruppe „von hoher Bedeutung“, so der Sprecher. Die Gruppe beabsichtige, ihre Wachstumsstrategie für diesen Markt zu vertiefen. Deutlich wird das aktuell in Niedersachsen, wo DMK für 145 Millionen Euro ein neues Werk für die Produktion von Humana-Babykost baut. Weitere Informationen, etwa, was die Produktion in Weiding betrifft, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben. „Die angestrebte Übernahme unterliegt der kartellrechtlichen Freigabe.“

Bei Alete war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Betriebsratsvorsitzender Johann Mitterer befindet sich im Urlaub; die restlichen Betriebsratsmitglieder kamen gestern Informationen unserer Zeitung zufolge zu einer Betriebsratssitzung zusammen. Ein Mitarbeiter sagte den OVB-Heimatzeitungen, die Belegschaft sei am Mittwoch über die Verkaufspläne informiert worden. Die Stimmung im Werk sei positiv.

Der ehemalige Landtagsabgeordnete Günther Knoblauch aus Mühldorf verfolgt die Situation bei Alete schon viele Jahre. Aus seiner Sicht ist eine erneute Übernahme eine Chance, das „riesige Potenzial“ des Standorts in Weiding endlich so richtig auszuschöpfen: „Meiner Meinung nach wurden die dortigen Möglichkeiten nie so richtig genutzt. Die Mitarbeiter sind hervorragend qualifiziert und verfügen über langjähriges Know-how.“ Dem früheren Eigentümer Nestlé bescheinigt Knoblauch, „zu wenig Visionen“ für Weiding gehabt zu haben. Immerhin: Nestlé soll Alete 2018 mit Krediten geholfen haben.

Wie stark ist Alete noch am Markt?

Zur wirtschaftlichen Lage bei Alete gibt es widersprüchliche Auskünfte. So liegen etwa der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aus Rosenheim laut Geschäftsführer Georg Schneider Informationen über Kurzarbeit bei Alete vor: „Dabei scheinen die Umsätze zuletzt tendenziell nach oben zu gehen.“

Unter Nestlé hatte Alete einen Marktanteil von 14 Prozent. Zwischenzeitlich soll er auf fünf Prozent gesunken sein.

In den 1980ern der größte Arbeitgeber des Landkreises Mühldorf

Seit 1874 gibt es in Weiding einen Produktionsbetrieb. 1906 entsteht dort die Molkerei der Familie Menninger. 1941 übernahm die Allgäuer Alpenmilch den Betrieb und produziert ab 1950 in Weiding die „Bärenmarke“-Kondensmilch. 1960 steigt das Unternehmen unter dem Namen Alete in das Segment Kindernahrung ein, exportiert in 23 Länder. 1971 fusioniert Allgäuer Alpenmilch mit Nestlé. Ende der 1980er-Jahre erlebt das Werk seine wirtschaftliche Blüte, mehr als 1100 Menschen arbeiten beim größten Arbeitgeber im Landkreis Mühldorf und spülen der Gemeinde Polling viel Gewerbesteuer in die Kassen. 2003 verkauft Nestlé die gesamte Milchproduktion an Hochwald Foods und behält nur die Babykostsparte. Beide Unternehmen nutzen das Werksgelände zum Teil gemeinsam, teils in getrennten Bereichen. Nestlé beschäftigt 300 Mitarbeiter, Hochwald 200. 2014 stößt Nestlé Alete ab. Der Einstieg der Beteiligungsgesellschaft BWK und des Investors Horst Jostock, einst Manager bei Henkel, sichern das Überleben der Alete Kindernahrung GmbH. Übernommen wurde auch die Marke Milasan, die Babykost für Aldi herstellt. Der Firmensitz mit 250 Mitarbeitern bleibt in Weiding in der Gemeinde Polling, eine Verwaltung mit 30 Mitarbeitern entsteht in Bad Homburg. Neue Märkte sollen erschlossen werden, man hat etwa Frankreich und Asien im Blick. Unter dem damaligen Werkleiter Michael Münch (heute Molkerei Bauer, Wasserburg) kamen 40 neue Artikel auf den Markt sowie Milchprodukte. Unter Münch wuchs auch die Lohnfertigung für Kunden, die parallel zur Alete-Produktion an den drei Hochleistungslinien am Standort bis heute betrieben wird. Die Mitarbeiterzahl liegt aktuell bei rund 200.

Artikel 6 von 6