Es lebe der Sport!

von Redaktion

Ob Fußball, Reiten oder Eishockey: Sport steht bei den Sponsoren aus der regionalen Wirtschaft ganz oben auf der Liste. Warum das so ist und was ihr Engagement außer der sozialen Komponente fürs Unternehmen bedeutet, erklären bekannte Förderer.

Rosenheim/Kolbermoor/Raubling – Auf den ersten Blick haben Eishockey und Automatisierungstechnik nicht viel gemeinsam. Mit der Rofa AG aus Kolbermoor ändert sich das nun –der international ausgerichtete Mittelständler, führender Anbieter auf seinem Gebiet, ist ab sofort neuer Namensgeber des Rosenheimer Eisstadions (wir berichteten) und für fünf Jahre Premium-Partner der Starbulls. Auch für die Nachwuchsmannschaften sind die Kolbermoorer Hauptsponsor.

Wie Professorin Dr. Janett Höllmüller, Marketingexpertin von der TH Rosenheim (siehe Interview), sagt, gehört der Sport zu den beliebtesten Sponsoringbereichen von Unternehmen. Nicht nur den Vereinen selbst bringt das Vorteile, auch für die Betriebe selbst „lohnt“ sich das.

Man spricht über Starbulls und Sponsor

„Freilich erhoffen wir als alteingesessene Fans den Aufstieg der Starbulls in die 2. Liga“, ist laut Rofa-Vorstand Andreas Bauer eine von mehreren Motivationen für das Engagement im Eishockey. Das können wir als Sponsor aber nicht erzwingen. „Die Starbulls sind ein Thema, über das man spricht – dadurch spricht man auch über den Sponsor.“ Zwar säßen nicht die Endkunden von Rofa auf der Tribüne, „dennoch können wir so unseren Namen stärken, uns im Wettbewerb positionieren.“ Als Arbeitgeber erreiche man so mehr Aufmerksamkeit: Seit Herbst gingen mehr Bewerbungen ein. „Außerdem ist Eishockey derzeit in ganz Deutschland populär; indem wir auch in unserer Hauszeitschrift über unser Engagement berichten, erfahren unsere Kunden davon. Sie sehen dann zum Beispiel, dass uns Jugendarbeit am Herzen liegt, übrigens nicht nur bei den Starbulls“, ergänzt Wolfgang Kozsar, Vorstandsvorsitzender der Rofa AG. So fördert man seit Jahren die Tischtennis-Bundesliga-Mannschaft in Kolbermoor, wobei hier gesellschaftliche und soziale Aspekte die große Rolle spielen. Einen siebenstelligen Betrag hat Rofa insgesamt im Lauf der Jahre in den regionalen Sport investiert.

Gesellschaftlicher Kitt, mehr als Freizeit

Im Sport engagiert sich Rofa aus verschiedenen Gründen: Sport sei in der „Unternehmens-DNA“ verankert, da viele der 178 Mitarbeiter am Hauptsitz – weltweit sind es 1100 – sportbegeistert seien. Obendrein ergäben sich etwa durch gemeinsame Spiel-Besuche „teambildende Maßnahmen“, schmunzelt Bauer. „Wir glauben, dass der Sport eine besondere Rolle in der Gesellschaft einnimmt. Er bringt Menschen unterschiedlichster Herkunft in einem fairen Miteinander zusammen. Dabei spielen Alter, Sprache, Herkunft oder Hautfarbe keine Rolle.“

Viele Unternehmen betonen, dass ihnen beim Sportsponsoring vor allem die Nachwuchsförderung am Herzen liege, so etwa bei der Molkerei Bauer aus Wasserburg. Sie unterstützt bereits seit der Jahrtausendwende das örtliche Basketballteam und seit 2015 die Fußballer des TSV Wasserburg –jeweils mit starkem Fokus auf die Jugend. Das Engagement bringe dem Unternehmen regional eine gewisse Wahrnehmung, so Sprecher Jens Fischer, man gehe aber nicht mit der Erwartungshaltung heran, dadurch mehr Produkte zu verkaufen. Im Vordergrund stehe die Jugendförderung, das sei dem Unternehmen besonders wichtig.

Ein Beispiel dafür, dass sich die Ausrichtung einer Sponsoring-Partnerschaft auch ändern kann, wenn sich die Marketingstrategie ändert, ist die Wasserburger Molkerei Meggle AG. In dieser Saison tritt das Unternehmen aufgrund neuer Marketingziele letztmalig als Hauptsponsor der Wasserburger Basketball-Damen auf. Mit der Sportförderung an sich hört man aber nicht auf. So ist der Name Meggle etwa im Reitsport präsent und unterstützt unter anderem den Behindertenreitsport in der Region.

Auf dem Radsport liegt der Schwerpunkt im Sponsoring von Auto Eder aus Kolbermoor und Bora hansgrohe aus Raubling. Sie machen daraus sogar teils gemeinsame Sache, etwa, indem das Autohaus Teamfahrzeuge für Radrennen stellt, mit dem Bora-Logo darauf. „24 Millionen Deutsche fahren Rad, es ist der beliebteste Sport hierzulande“, begründet Auto-Eder-Geschäftsführer Willi Bonke die Entscheidung.

Schwerpunkt sorgfältig gewählt

Als Autohaus stehe man für Werte, die auch dem Radsport wichtig seien: Dynamik etwa. Und die Zielgruppe – Familien, Jüngere, Ältere – sei dieselbe. Sponsoring sei aber auch ein Geschäft, sagt er, man erwarte davon eine Stärkung des eigenen Images. „In den vergangenen drei Jahren haben wir unser Engagement im Sport noch verstärkt und haben seitdem zehn Prozent mehr Fahrzeuge verkauft“, hat Bonke festgestellt. Es kämen auch mehr Bewerbungen – etwa als Resonanz auf Anzeigen, die eigene Azubis zusammen mit Radsportprofis zeigen. „Das ist authentisch und kommt offenbar gut an.“

Das ist auch Willi Bruckbauer, Gründer und Geschäftsführer von Bora, wichtig: Ohne den persönlichen Bezug zum Radsport wäre das Engagement des Spezialisten für Lüftungstechnik so nicht möglich. Seit vier Jahren unterstützt er als Hauptsponsor und Namensgeber das Bora-hansgrohe-Radsportteam in der World Tour, der 1. Liga in diesem Metier. „Der erzielte Werbewert dadurch und flankierende Maßnahmen haben die Markenbekanntheit zuletzt signifikant gesteigert, in Deutschland liegt er bei 37 Prozent“, so Bruckbauer. Kein Sport biete eine vergleichbare, internationale Plattform für ein ähnliches Investment. Ob der geförderte Radsport-Weltmeister Peter Sagan oder Nachwuchs wie Pascal Ackermann – sie zeigten, dass junge Talente viel erreichen könnten. „Die Ziele für 2019 sind wieder hochgesteckt.“

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