Tüßling – Im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Ideen haben Kraft“ lud die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern zum Austausch mit Unternehmern, Startups und Entscheidern aus Politik und Medien in den Barocksaal auf Schloss Tüßling. Mit dabei drei Referenten, die ihre Sichtweise zur „Zukunft der Arbeit“ den rund 230 Gästen präsentierten. Visionen, die Innovationen zur Mitarbeitermotivation, neue Formen der Zusammenarbeit und das Thema „Künstliche Intelligenz“ aufgriffen. Etwa glückliches und zufriedenes Personal als Grundlage für den Unternehmenserfolg.
Modelle der Zukunft in Region schon real
Wie schafft man das und was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Wertigkeitsskala verändert? Wie lassen sich in Zukunft die besten Mitarbeiter für das eigene Unternehmen gewinnen? Fragen, die Günter Dillig vom Stellenportal JobRoller aus Straubing beantwortete, verbunden mit dem Hinweis, dass sich diese Maßnahmen zugegebenermaßen nicht überall realisieren lassen. Insbesondere im Dienstleistungsbereich sah der Referent Potenzial zur Umsetzung, wie es
JobRoller als eines von drei Unternehmen in Deutschland bereits praktiziert: „Sechs Stunden arbeiten und für acht Stunden bezahlt werden“ – ein Konzept, das auch für Christoph Kraller, Leiter der Südostbayernbahn und Gast der Veranstaltung, Sinn machen kann, allerdings nur in der Verwaltung des Unternehmens. „Wenn man ehrlich ist, dann wird bei einem Achtstundentag die Produktivität maximal über sechs Stunden gegeben sein, was auch Studien belegen. Wenn in dieser Zeit effektiv gearbeitet wird, macht dieses Modell durchaus Sinn.“ Auch das Thema Freizeit, bei den Bedürfnissen der Arbeitnehmer mittlerweile auf Platz eins, ist laut Dillig ein wesentlicher Faktor, ebenso wie Gesundheit und Sozialleistungen.
Ansätze, die auch die Firma Fuhrmann Nutzfahrzeuge aus Erharting verfolgt, wie Geschäftsführer Christoph Oechsner auf Nachfrage erklärt.
Mehr Flexibilität und Fehlertoleranz
Deepa Gautam-Nigge, Leiterin des SAP Next-Gen Innovation Network in München, sprach mit Moderator Leonhard Nima über neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, die Notwendigkeit höherer Flexibilität und Fehlertoleranz, um die Zukunft innovativ zu gestalten. Als Paradebeispiel nannte sie die Carsharing-Fusion von BMW und Daimler, die im Hinblick auf die digitale Konkurrenz zwei konkurrierende Unternehmen zusammenarbeiten lässt und die, nach ihrer Information, am kommenden Montag vollzogen werden soll.
Für Philipp von Wartburg, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Gesellschaft für Ruhestandsplanung und ebenfalls Gast auf Schloss Tüßling, ein Nutzen von Synergien, wie es auch in seiner Gesellschaft praktiziert wird: „Auch wir haben uns 2017 mit einem Mitbewerber zusammengetan, um gegenseitig voneinander zu profitieren. Was vorher als Konkurrenz betrachtet wurde, hat sich letztendlich als Vorteil für beide Seiten herausgestellt“, so von Wartburg, der aus seiner Sicht die „Super-IT“ des neuen Partners ins Feld führt und von einer durchgehenden Digitalisierung sämtlicher Abläufe spricht.
Ryan Nadeau vom US-Unternehmen Galvanice griff in seinem englischsprachigen Vortrag das Thema der „künstlichen Intelligenz“ aufgriff. Der Projektleiter will Menschen für diese Anforderungen fit machen und auf die Zukunft vorbereiten. Er sprach von „Mut im Umgang mit intelligenter Technologie“ und verwarf die Sorge um den Schutz von Daten und Privatsphäre.
Qualifikationen schaffen
Nur so könne man mithalten im Konzert der Großen. Jede Firma müsse sich mit der Digitalisierung befassen, insbesondere in Deutschland. Eine Ansicht, die IHK Präsident Dr. Eberhard Sasse und Vizepräsidentin Ingrid Obermeier-Osl auch in ihren Ausführungen teilten. Es gelte, die fachlichen Qualifikationen zu schaffen, um für die Zukunft gerüstet zu sein.