K&L-Häuser schließen: Ende einer Ära

von Redaktion

Die K&L-Filialen in der Rosenheimer Fußgängerzone und am Mühldorfer Stadtplatz schließen. Das Unternehmen richtet sich neu aus und hat seit der Insolvenz alle Standorte einer strengen Prüfung unterzogen. Nur die Filiale in Mühldorf Nord bleibt erhalten.

Weilheim/Rosenheim/Mühldorf– Das in die Krise geratene Weilheimer Traditionsmodehaus K&L macht ernst und schließt im Zuge seiner Neustrukturierung (wir berichteten) 14 von insgesamt 54 Filialen. Über 200 Mitarbeiter sind betroffen. Zum 30. April soll es soweit sein. Dies hat unsere Zeitung gestern erfahren.

In der Region sind zwei von drei Häusern betroffen: Der Standort in der Rosenheimer Innenstadt sowie die alteingesessene Filiale im Mühldorfer Stadtkern mit jeweils über mit 20 Beschäftigten. Die K&L-Filiale im Mühldorfer Gewerbegebiet Nord bleibt nach ersten Erkenntnissen bestehen. Die nächstgelegene Filiale in der Region in Neuötting steht ebenso nicht auf der Streichliste.

Sozialplan für Mitarbeiter

Gestern wurden die Beschäftigten in Mühldorf und Rosenheim über die Maßnahmen informiert. Die betroffenen Filialen blieben zeitweise geschlossen.

Geschäftsleitung und Betriebsrat haben Informationen unserer Zeitung zufolge bereits vergangene Woche einen Interessensausgleich sowie einen Sozialplan für die jeweiligen Mitarbeiter unterzeichnet. Sie bekommen eine Stelle in einer anderen Filiale angeboten, wie es heißt. Wer dies aber nicht möchte, dem werde zum 30. April gekündigt.

Am Standort Rosenheim herrschte gestern eine gewisse Ratlosigkeit; Fragen durften die Beschäftigten bei K&L nicht beantworten. Eine Mitarbeiterin ließ dennoch durchblicken, mit der Belegschaft sei bislang nicht umfassend kommuniziert worden.

Eine Passantin zeigte sich gegenüber unserer Zeitung enttäuscht vom baldigen Ende der Rosenheimer Filiale: „Haben wir dann nur noch große Ketten hier in Rosenheim? K&L gehört einfach zur Stadt dazu. Die Qualität war immer gut und die Verkäufer waren nett und vor allem kompetent. So was findet man nicht überall.“

Gedrückte Stimmung an den Standorten

Bei der Stadt Rosenheim sei man schon im Vorfeld informiert gewesen, dass es zu einer Schließung kommen könnte, äußert sich Rosenheims Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl. Er sieht darin eine Reaktion auf die strukturelle Entwicklung im Textileinzelhandel. „Die Stadt hat jedoch aus ordnungspolitischen Gründen keinerlei Möglichkeiten, auf eine solche unternehmerische Entscheidung einzuwirken.“

Freud und Leid lagen in Mühldorf gestern gerade einmal 3000 Meter auseinander. Während in der Filiale am Stadtplatz die Mitarbeiter über die Schließung informiert wurden, herrschte in der Filiale im Norden der Stadt Aufatmen. Sie bleibt mit ihren knapp zehn Mitarbeitern erhalten. In beiden Geschäften wollten sich die Mitarbeiter zu dem Thema nicht äußern.

Auch Willi Küblbeck, Filialleiter in Mühldorf-Nord, verwies auf den Konzern in Weilheim. Von außen betrachtet kommt die Entscheidung allerdings wenig überraschend. Auch in Mühldorf sind die Immobilienpreise in der Innenstadt in den letzten Jahren explodiert, zumal K&L am Stadtplatz ein Gebäude in exponierter Lage angemietet hat. Trotzdem geht mit der Schließung eine Ära zu Ende: Vier Jahrzehnte lang war K&L am Stadtplatz zu Hause, immer in Sichtweite zur Frauenkirche.

Als im Oktober 2018 die Meldung vom Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung aus Weilheim kam –im Januar dieses Jahres wurde das Verfahren am dortigen Gericht eröffnet – , war von Filialschließungen noch nicht die Rede. Wohl aber von einem möglichen Verkauf (siehe Infokasten), der noch nicht vom Tisch ist.

Branchenkampf, weniger Verkäufe

Geschäftsführer Jens Bächle verantwortet seit Herbst 2017 die Neuausrichtung des Unternehmens. Er hat das Modehaus von der Gründerfamilie Ruppert übernommen. Bächle und Betriebsratsvorsitzender Christian Strauß sprachen unserer Zeitung gegenüber von „harten Verhandlungen“ für Interessensausgleich und Sozialplan. Man sei sich bewusst, dass es nun Kollegen treffe, die K&L mitaufgebaut hätten.

Als Ursache für die Krise des Unternehmens, das 1962 gegründet wurde, gelten strategische Fehler der Vergangenheit, ein hart umkämpfter Modemarkt und das schlechte Geschäft mit der Winterkollektion im warmen Herbst 2018. Restrukturierer Dr. Christian Gerloff, in die Führungsspitze berufen, spricht zudem von 18 Millionen Euro Pensionsverbindlichkeiten.

Der Weggang des Modefilialisten aus den beiden Innenstädten hat auch Konsequenzen für die bislang genutzten Immobilien. Schließt K&L seine Filiale an der Münchener Straße in Rosenheim, wird auf einen Schlag das ganze Haus leer stehen. Denn das Bekleidungsgeschäft hat nicht nur die offensichtlichen Verkaufsflächen gemietet, sondern auch die weiteren Stockwerke. Noch liege keine Kündigung der Räume vor, teilt ein Vertreter der Eigentümer-Gesellschaft mit. Doch man gehe davon aus, dass sie schon nächste Woche auf dem Tisch liegen werde. Ein Makler sei schon jetzt beauftragt und man bemühe sich auch selbst, einen Nachmieter für das Objekt in 1A-Lage zu finden. Dass allerdings wieder ein Interessent für die gesamte Fläche gefunden werden kann, gilt als eher unwahrscheinlich. Daher gebe es auch die Überlegung, mehrere Mieter einzuquartieren. In der Folge aber müsse das gesamte Haus umgebaut werden. Dass das Bekleidungsgeschäft schließen muss, kommt für den Eigentümer nicht überraschend. Man habe ein „sehr gutes Gesprächsverhältnis“ und daher auch gewusst, dass „die Situation schwierig ist“.

Wird K&L am Ende verkauft?

Im Moment können die Mitarbeiter der verbleibenden K&L-Filiale im Mühldorfer Norden, sowie in den südlichen Filialen in Neuötting, Pfarrkirchen, Erding und Ergolding aufatmen: Sie werden nicht geschlossen. Doch wie Restrukturierer Dr. Chriistian Gerloff erklärt, läuft im Hintergrund des Insolvenzverfahrens ein Investorenprozess. Nach wie vor ist der Verkauf des Unternehmens nicht ausgeschlossen. Erste Angebote lägen bereits vor. Mit einem Ergebnis könne in den nächsten Wochen gerechnet werden.

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