„Holz kann mehr als nur brennen“

von Redaktion

Interview mit Christian Drexl, Obermeister der Zimmerer-Innung Altötting-Mühldorf

Garching –Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und kann über Generationen hinweg CO2 speichern. Warum nur ist Holz als Baustoff hierzulande nicht besonders weit verbreitet? Christian Drexl, Obermeister der Zimmerer-Innung Altötting-Mühldorf, ist seit 45 Jahren Zimmerer mit eigenem Betrieb in Garching im Landkreis Altötting. Die OVB-Heimatzeitungen sprachen anlässlich der jüngsten Bezirkstagung der bayerischen Zimmerer über die Branche und die Zukunftschancen des Baustoffs Holz. Laut Drexl ist der Holzbau noch nicht so populär, wie man es sich angesichts seiner Nachhaltigkeit wünschen könnte: „Es ist in vielen Köpfen noch verankert, dass Holz nur brennt.“

Was waren die Höhepunkte der ZimmererBranche im vergangenen Jahr?

Zum Beispiel die neue Berufsschule Altötting. Sie ist bayernweit die am modernsten ausgestattete berufliche Schule mit der Abteilung Bautechnik. Der Landkreis hat dafür fünf Millionen Euro investiert. Ein großer Meilenstein ist außerdem, dass mittlerweile auch Holzhochhäuser gebaut werden. In Wien, zum Beispiel, entsteht eines mit 24 Geschossen und 84 Metern Höhe. In Österreich ist die Holzbauweise in der Landesbauverwaltung verankert.

Fläche ist knapp, der Bau von Einfamilienhäusern steht in der Kritik. In die Höhe bauen soll die Zukunft sein. Warum sieht man bei uns so gut wie keine Holzhochhäuser?

Es gibt wenige Beispiele, das stimmt. 2011 wurde in Bad Aibling in der „Stadt aus Holz“ auf dem ehemaligen Kasernengelände ein erstes Holzhochhaus in der Region errichtet. In München werden gerade mehrere Siebengeschosser gebaut. Hochhäuser sind aber generell etwas problematisch. Man versteht darunter, einfach gesagt, Gebäude mit neun oder mehr Geschossen. Feuerwehrleitern haben eine fest definierte Länge und reichen immer bis zum achten Geschoss. Wird höher gebaut, braucht es zusätzliche Fluchttreppenhäuser und Brandschutzmaßnahmen. Das lässt die Baukosten sprunghaft steigen. Auch gibt es noch zu wenig Architekten, die sich mit dem Baustoff Holz beschäftigen.

Weshalb ist das so?

An den Hochschulen spielte der Holzbau bis vor rund 20 Jahren eine eher untergeordnete Rolle, er galt als unmodern. Das ändert sich gerade. Aber für viele Architekten ist der Holzbau immer noch Neuland und entsprechend groß ist die Verunsicherung und die Scheu, sich darauf einzulassen. Seit Kurzem gibt es daher mit der Plattform dataholz.eu einen Online-Bauteilkatalog, der Architekten und Bauherren kostenfrei eine Auswahl von Holzbauprodukten und -bauteilen zeigt, die in Deutschland baurechtlich verwendbar sind.

Was macht Holz so nachhaltig? Geht man in den Wald, sieht man oft vor allem Fichten…

Die Fichten-Monokulturen stammen aus der Zeit vor dem Waldsterben in den 1980ern. Sie erweisen sich als instabil; Mischwälder sind robuster. Deshalb pflanzt man heute nach der Ernte einer Fichte stets einen anderen Baum nach. Die Nachhaltigkeit von Holz geht aber weit über Forstwirtschaft hinaus. Anders als künstlich und energieintensiv hergestellte Baumaterialien bindet Holz bei seinem Wachstum große Mengen CO2. Als Baumaterial kann Holz 70 bis 80 Jahre lang CO2 binden. Der Transport von Holz verschlechtert freilich dessen CO2-Bilanz, daher sollte man heimisches statt importiertes Holz verwenden.

Wenn Bauen mit Holz populärer werden soll, geben denn heimische Wälder so viel her?

In unserer Region kommt Holz hauptsächlich aus dem Altöttinger Forst oder dem Ebersberger Forst, dazu aus naheliegenden Alpenländern. Es werden dabei keine großen Massen abgebaut, wie in Südamerika, sondern einzelne Bäume werden herausgeschnitten. Nach dem trockenen Sommer mit dem Borkenkäfer wurden mehr Bäume herausgenommen. Sie haben einen optischen Mangel und werden zum Beispiel als Plattenwerkstoff verwendet.

Die Immobilien- und Baupreise in der Region sind stark gestiegen. Kann Holzbau helfen, Kosten zu sparen?

Manchmal ja, meist ist die Holzbauweise noch leicht teurer als Beton oder Ziegel. Würde eine allgemeine CO2-Bepreisung eingeführt, wie sie Umweltorganisationen schon lange und der Bundesrechnungshof seit Kurzem fordern, würden sich die Preise sofort radikal zugunsten der Holzbauweise verändern. Bis es so weit ist, spricht trotzdem vieles für den Holzbau: Die Bauzeiten sind extrem kurz. So lassen sich etwa Großelemente in Werkhallen vorfertigen und auf der Baustelle zusammenmontieren. Danach kann sofort mit dem Innenausbau begonnen werden, denn es muss ja nichts austrocknen wie beim Beton. Langfristig reduziert Holz Heizkosten, denn Holzwände erzielen hervorragende Wärmedämmwerte.

Was erwartet man sich im regionalen Zimmerer-Handwerk von 2019?

Dass der Holzbau sich manifestiert und beim Verbraucher besser ankommt. Und dass unsere Betriebe mit Aufträgen gut versorgt sind und mit auskömmlichen Preisen arbeiten können. Darüber hinaus, dass die Baustoffindustrie die Baustoffpreise nicht zu sehr erhöht, damit das Gesamtprodukt Holzbau erschwinglich bleibt.

Stichwort Fachkräftemangel: Wie stark trifft es die regionalen Zimmerer? Kann das Auftragsvolumen 2019 mit dem vorhandenen Personal gestemmt werden?

Ja, in der Region ist der Fachkräftemangel bemerkbar. Ich schätze, in Mühldorf und Altötting fehlen den Betrieben gut 30 bis 40 Zimmerer. Insgesamt würden wir gern zusätzliche 15 Zimmerer ausbilden. In industriestarken Ecken ziehen die großen Firmen den kleineren Betrieben Fachkräfte ab; im Kreis Mühldorf macht der Großraum München Konkurrenz. Aber wir können feststellen, dass junge Leute sich wieder mehr für den Zimmerer-Beruf interessieren, weil es hervorragende Zukunftsperspektiven gibt. Das derzeitige Auftragsvolumen stimmt die Branche positiv, ähnlich wie 2018. Vom Personal her sieht es so aus, dass wir jetzt schon an der Grenze sind. Mehr wäre gut.

Interessiert der Beruf auch Frauen?

Ja, ganz aktuell gibt es auch Zimmerinnen. Viele stehen vor der Meisterprüfung. Einige übernehmen den Betrieb vom Vater.

Was sind die Höhepunkte für 2019?

Dass der bayerische Holzbau und Gewerbetag in Altötting stattfindet. Das ist eine dreitägige Veranstaltung im Oktober 2019 mit rund 550 Zimmererleuten. Die erste übrigens seit 45 Jahren in der Region.

Interview: Nicole Sutherland

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