Rosenheim – Da waren sich die Stadträte ungewohnt schnell einig: Einstimmig, betonte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer gestern bei der Vergabe des Rosenheimer Wirtschaftspreises, habe man sich für die diesjährigen Preisträger entschieden. Die Geehrten sind Rosenheimer Traditionsfirmen, inhabergeführt und das meist schon seit mehreren Generationen: Das Autohaus Bernegger, die Drexler GmbH, der Fachhandel Steinhauer sowie die Brot- und Feinbäckerei Wolter.
Norbert Haimerl vom Rosenheimer Regionalfernsehen hielt die Laudatio auf Uschi Bernegger-Schneider und Siegfried Bernegger. Und Gabriele Bauer bekräftigte: „Die Firma ist aus der hiesigen Unternehmenslandschaft nicht wegzudenken.“ Seit rund 130 Jahren gebe es das Automobil, und gut die Hälfte dieser Zeitspanne beschäftige sich die Familie Bernegger damit.
Rosenheim als Dreh- und Angelpunkt
Beim Autohaus selbst herrscht große Freude darüber, dass man sie für den Preis vorschlug und nun die Skulptur des „Treppensteigers“ künftig den Autosalon ziert: „Für uns ist es eine wunderschöne Bestätigung dafür, dass wir uns immer wieder für unseren Standort im Rosenheimer Stadtgebiet entschieden haben“, schildert Uschi Bernegger-Schneider. Nicht immer sei das so einfach gewesen: „Es gab eine Zeit, da hätten wir eine günstigere Fläche außerhalb der Stadt beziehen können. Aber wir haben es nicht getan, sondern wollten bleiben und haben vor Ort erweitert.“ Bei so einem Bauvorhaben gebe es freilich so manche offene Diskussion mit der Stadt, „aber es war immer ein Geben und Nehmen. Wir gehören einfach nach Rosenheim“, steht für die Unternehmerin und ihren Bruder Siegfried Bernegger fest. Gemeinsam führen sie das Autohaus seit 2012, als es der Vater in ihre Hände gab. Auf 8000 Quadratmeter Fläche haben seine Nachfolger das Autohaus bis heute ausgebaut; aktuell um weitere 600 Quadratmeter.
Ein weiterer Preisträger in diesem Jahr ist Markus Drexler, Inhaber der Rosenheimer Drexler GmbH. Der familiengeführte Betrieb feierte erst vergangenes Jahr sein hundertjähriges Bestehen. Vom Großvater gegründet, baute Elektroingenieur Markus Drexler den Fachbetrieb für Elektromotoren und Pumpen in Schwaig weiter aus.
Großvater war Lehrling bei der Stadt
Drexler hatte dem Publikum Bilder aus seinem Betrieb mitgebracht und bedankte sich mehrfach bei seinen Meistern, die eine wichtige Stütze des Handwerksunternehmens seien. Die Meister, die schon bei seinem Vater beschäftigt gewesen seien, hätten ihn schon als Jugendlichen geprägt. Einen großen Dank richtete Drexler an sein „Familienteam“, das ihm persönlich bislang 22 erfolgreiche Jahre ermöglicht habe: „Unsere drei Kinder sind bei Engpässen immer zur Stelle.“
Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner (CSU) hielt die Laudatio für Drexler und hob auch die Verdienste seines Vaters, des 86-jährigen Heribert Drexler, hervor. Dieser habe den Betrieb bis zur Jahrtausendwende geführt und mit über 60 Dienstjahren den „Familienrekord“ im Betrieb aufgestellt. Firmengründer Hans Drexler sei um das Jahr 1900 der erste Elektrolehrling der Stadt Rosenheim gewesen.
Wenn Maximilian, der Sohn des heutigen Geschäftsführers, zum Ende des Jahres den Betrieb übernehmen wird, kommt die vierte Generation zum Zug. „Damit weitere 100 Jahre Erfolgsgeschichte geschrieben werden können“, ergänzte Gabriele Bauer und gratulierte nachträglich zum Jubiläum.
Ein „Paradies
für Handwerker“
Die Nachfolgegeneration ist auch bei Familie Steinhauer, die das gleichnamige Rosenheimer Fachgeschäft für Schrauben, Formen und Normteile betreibt, am Start (Gabriele Bauer: „Ein Paradies für Handwerker“). Philip Steinhauer steht täglich mit seinem Großvater, dem Unternehmensgründer Rudolf Steinhauer, und mit seinem Vater, im Laden. Und genießt es – meistens, wie er schmunzelnd sagt: „Ich kann von der Erfahrung der beiden profitieren und lerne viel dazu.“ 30 Jahre Know-how kommen da zusammen; den Schraubenspezialisten gibt es seit 1988. Aus dieser Zeit habe man auch noch viele Stammkunden. Sich nur an den großen Abnehmern zu orientieren, auch wenn diese zum namhaften Kundenkreis gehören, wollte man nie. Genauso wertgeschätzt werde auch der Privatmann, der wegen einer einzelnen Schraube ins Geschäft komme, erzählt Steinhauer. Die Laudatio hielt Diethard Knauer, ein Freund der Familie.
„Dem Rosenheimer sagt man gemeinhin nicht nach, ein besonders geduldiger Mensch zu sein“, so OB Bauer über den vierten Preisträger, die Brot- und Feinbäckerei Wolter. Matthias Wolter und seine Frau Janina Mayer hätten 2012 viel Mut bewiesen, als sie am Ludwigsplatz im Zeitalter von Großbäckereien und Aufbackfilialen ihre Backstube eröffneten. „Was eigentlich als wirtschaftlich nicht als tragfähig erschien, hat sich in den vergangenen sechs Jahren als wahrer Glücksfall für Rosenheim erwiesen.“ Matthias Wolter, für den Apotheker Hannes Herterich die Lobrede hielt, sagt rückblickend, ihnen habe die „Mundpropaganda“ der Rosenheimer von Anfang an geholfen, rasch bekannt zu werden. Mit einem Mitarbeiter fingen er und seine Frau an; heute sind es insgesamt 15. „Wir machen manches bewusst anders, zum Beispiel haben wir die Nachtarbeit abgeschafft“, erzählt Wolter. Statt um ein oder zwei Uhr nachts, gehe es für seine Bäcker erst im 5.30 Uhr morgens los: „Es gibt dann halt morgens erst einmal nur Brezen und Semmeln, später Brot, nachmittags Kuchen.“ Ein Erfolgsrezept, das sich – wie das Prinzip der langsamen Teigführung – bei der Kundschaft durchgesetzt hat.