Waldkraiburg – Mit Bildung steht und fällt auch der Erfolg der regionalen Wirtschaft. Dieses Credo untermauerten einmal mehr die Festredner und Besucher des Abends. Die rund 350 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die ins Haus der Kultur gekommen waren. Hauptperson war dabei Gastredner Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Bayerns „Superminister“, der im Freistaat die Ressorts Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie verantwortet und stellvertretender Ministerpräsident ist, hatte schlagkräftige Thesen im Gepäck (siehe Infokasten).
Bevor Aiwanger ans Mikrofon trat, betonte IGW-Vorsitzender Ulli Maier, wie wichtig das „Hand-in-Hand“- Arbeiten zwischen Politik und Wirtschaft sei. Nur so könne man den Anforderungen der Zukunft gerecht werden. Außerdem erinnerte Maier angesichts der vielen Hiobsbotschaften aus der weltweiten Wirtschaft an den „ehrbaren Kaufmann“. Grußworte hielten auch Mühldorfs Landrat Georg Huber und Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch. Huber hob dabei den Ausbau des Hochschulstandorts Mühldorf/Waldkraiburg hervor.
Wirtschaftsjahr 2019: „Lassen Sie sich nicht verrückt machen“
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger appellierte an die Unternehmer, sich nicht verrückt machen zu lassen vom weltweiten wirtschaftspolitischen Geschehen, als es ums Schwerpunktthema „Wirtschaftsstandort Bayern sichern“ ging. Seine Kernthesen des Abends:
Konjunktur 2019:
„Allen negativen Stimmen zum Trotz wird es ein gutes Jahr. Die Gemengelage stellt sich schlechter dar, als es sich in der realen Wirtschaft zeigt. Wir sollten keine Krise herbeireden und keine Investitionsängste hervorrufen.“
Brexit:
„Ich glaube nicht an einen harten Brexit im April, und ich kann mir kaum vorstellen, dass ab April Zölle auf deutsche Waren zu zahlen sind.“
Flächenverbrauch:
„Trotz Flächenknappheit muss sich Wirtschaft entwickeln. Als Landwirt verstehe ich, dass man sorgsam mit Ackerland umgehen muss. Aber jährlich ziehen 100000 neue Einwohner nach Bayern, sie brauchen Fläche und Straßen. Eine gesunde Entwicklung kann auch heißen: Unterm Supermarkt parken, darüber Büros und auf dem Dach Solarzellen.“
Dieselautos und Elektromobilität:
„In München gibt es sehr wahrscheinlich kein Dieselfahrverbot. Der Dieselmotor wird auch in zehn Jahren noch nicht verdrängt sein. Experten setzen weiter stark auf Verbrennungsmotoren. Während es dem E-Auto an flächendeckender Ladeinfrastruktur fehlt, setzen sich eher Hybride durch.“
Mobilfunk:
„Wir sind voll dabei, weiße Flecken in der Mobilfunk-Infrastruktur zu decken. Ich bin skeptisch, ob wir den Anschluss an den neuen Standard 5G schaffen, wir können froh sein, wenn wir 4G hinbekommen.“
Digitales und Automatisierung:
„Die modernste Wirtschaft ist gerade gut genug. Der Wettlauf gegen die Zeit wird immer spürbarer, daher müssen Betriebe stetig in neueste Maschinen, Anlagen und in Digitalisierung investieren. Dadurch sind sie auch für Nachfolger attraktiver.“
Berufliche Bildung:
„Gymnasien müssen mehr Bezug zur betrieblichen Ausbildung herstellen. Umgekehrt sollten mehr Abiturienten als Elite wieder in die Wirtschaft gehen, um den Standort stark zu halten.“