Rosenheim/Mühldorf/Traunstein – Der Winter sorgt für Bruchholz en masse. Das wirkt sich auch auf den Holzpreis in der Region aus. Die OVB-Heimatzeitungen haben bei den Waldbesitzervereinigungen Rosenheim, Mühldorf und Traunstein über den Status quo, die Entwicklungen und Perspektiven nachgefragt. Michael Heffner, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Rosenheim: „Der Holzpreis ist auf einem Zehn-Jahres-Tief und liegt momentan bei 70 Euro pro Festmeter (€/fm) für die gesunde Fichte in BC-Qualität.“
Für das erste Quartal 2019 sei der Preis stabil. Entscheidend im weiteren Jahresverlauf ist das Wetter: Trockenheit bedeute Käferbefall mit hohem Holzaufkommen und fallenden Preisen. Auch die Kalamitäten wie Windwurf und Käferbefall in den europäischen Nachbarländen beeinflusst den Preis. Schneebruch ist noch nicht absehbar, da in den Berglagen noch zu viel Schnee liegt, große Mengen würden aber den Preis auch negativ beeinflussen. Ein Windwurf, wie jetzt in Südtirol, beeinflusse den Preis ebenfalls enorm, da das Holz mit der Bahn oder dem Schiff große Strecken überbrücken kann. Ein bedeutender Faktor sei neben der Natur die Wirtschaft. Ohne gute Baukonjunktur wenig Holzbedarf und damit schlechte Preise.
Michael Erber von der Waldbesitzervereinigung Mühldorf: „Der Holzmarkt ist zurzeit regional sehr unterschiedlich. Allgemein kann man aber sagen, dass die Holzpreise im ersten Quartal 2019 rückläufig sind. Im Vergleich zum ersten Quartal 2018 sind die Preise um circa zehn Prozent gesunken. Schneebruch spielt in unserem Vereinsgebiet bis jetzt nur eine untergeordnete Rolle. Aktuell sind vor allem Einzelbrüche zu verzeichnen, welche keine nennenswerten Mengen zur Folge haben. Anders sieht es natürlich in den Alpenregionen aus.“
Die rückläufigen Holzpreise im ersten Quartal 2019 seien vor allem durch die großen Sturmmengen in Norditalien und Venetien begründet. Eine Prognose für die Holzpreise über das erste Quartal seien zurzeit nicht möglich, da dieser von der Witterung im Frühjahr und dadurch der Entwicklung des Borkenkäfers abhängt.
Insgesamt sei eine Entspannung am Holzmarkt zurzeit nicht in Sicht, da aus Tschechien und Oberösterreich weiter mit Käfermengen zu rechnen sei und aus den Sturmgebieten in Norddeutschland und -italien große Holzmengen auf den Markt drücken.
Jan Röder, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Traunstein: „Die Laubholzpreise sind bei Eiche gut, befriedigend bei Buche und Ahorn, aber schlecht bei Esche. Hier gibt es ein Überangebot wegen des Eschentriebsterbens. Sonstige Baumarten werden nach Qualität und Angebot differenziert.“ Bei der Fichte ist der Kurzholz-Preis gesunken wegen extremem Überangebot durch die Summe von Schadereignissen wie Stürme, Borkenkäfer, Dürre und aktuell Schneeschäden.
Frisches Langholz entsprechender Qualität erziele bessere Preise. Das Fichten-Industrieholz zur Papierherstellung im Preis ist stabil, jedoch gibt es auch hier ein Überangebot. Kiefer ist wenig nachgefragt, entsprechend sind die Preise mäßig. Bei Lärche und anderem Nadelholz sind die Preise gut. Laubholz wird bis zum Ende der Saison im März stabil bleiben.
Fichte werde vermutlich nicht steigen. Ob der Preis weiter sinkt, wird sich entscheiden, wenn die Borkenkäfersaison beginnt. Gleiches gilt, wie sich die Käferpopulation entwickeln wird. „Momentan rechnen wir für das zweite Quartal mit einem Verharren auf derzeitigem Niveau. Für wirkliche Marktbeeinflussung sind die Mengen aus Schneebruch nach derzeitiger Schätzung im Vergleich zum derzeitigen Schadholzaufkommen in Zentraleuropa (über 70 Millionen Festmeter in Zentraleuropa 2018) zu gering, tragen jedoch nicht zu einer Entspannung der Situation bei“, so Röder.
Der Markt werde momentan von Schadholzmengen aus ganz Europa bestimmt. Durch den extremen Preisverfall mancherorts spielen weite Transportwege nur noch eine untergeordnete Rolle. Unser Holz konkurriert also mit sehr billigem Holz aus weiter entfernten Regionen. Außerdem stehe die nächste Borkenkäfersaison ins Haus.
Nach der 2018 Dürre hat der Käfer vielerorts gute Startbedingungen, um heuer eine starke Population aufzubauen. Im Vergleich zum letzten Jahr haben sich die Laubholzpreise kaum verändert. Bei Fichte liegen wir im Schnitt über alle Sortimente circa 15 bis 20 Prozent unter dem Niveau des Winters 2017/2018.“