Bad Aibling/Tuntenhausen – Das Gewerbegebiet an der Ludwig-Thomas-Straße in Bad Aibling wurde vom Gewerbe- in ein Mischgebiet umgewandelt. Dadurch entstand in direkter Nachbarschaft zur Thurm GmbH ein Gebäudekomplex mit rund 80 Sozialwohnungen. Die Folge: Maschinenlärm und einhergehende Emissionen führten zu Problemen bei den Anwohnern. „Wir haben deshalb die Gelegenheit genutzt, ein hochmodernes Produktionszentrum in Ostermünchen zu errichten“, erklärt Firmenchef Michael Thurm gegenüber unserer Zeitung. Damit gehe der Stadt Bad Aibling ein solider fünfstelliger Gewerbesteuerbetrag pro Jahr verloren.
Stück der Firma
im Weltall
Der weit über die Grenzen der Region hinaus bekannte, mittelständische Spezialist für Gehäuse hat seinen Sitz nun im Ostermünchener Gewerbegebiet „Oberrainer Feld“. „Es bietet uns den Platz und die Infrastruktur, die wir benötigen, um unsere wachsende internationale Kundschaft in der gewohnten Qualität zu bedienen“, so Thurm.
Auf 1600 Quadratmetern bleibt nicht nur genug Fläche zum Arbeiten und Zwischenlagern. „Durch enge Abstimmung mit allen Mitarbeitern konnten auch viele Prozesse im neuen Gebäude vereinfacht und so die Effizienz signifikant gesteigert werden. „Die Mitarbeiterzahl bleibt gleich im zweistelligen Bereich. Im neuen Gebäude könnten wir jedoch doppelt so viele Mitarbeiter beschäftigen.“ Eine Aufstockung sei derzeit aber nicht geplant. „Die Aufteilung unserer neuen Räumlichkeiten richtet sich kompromisslos nach unserem Arbeitsprozess, sodass nicht nur Durchlaufzeiten optimiert und unnötige Wege vermieden werden, sondern auch die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander gefördert wird“, freut sich Geschäftsführer Thurm.
Maschinen mit
bis zu drei Tonnen
Dabei war der Umzug ein echter Kraftakt, wie er berichtet: In nur fünf Tagen schaffte es ein Heer von professionellen Helfern, die verschiedensten Präzisionsmaschinen – von der Siebdruckstraße bis zur CNC-Fräse – an den passenden Platz zu bringen und betriebsbereit einzurichten. Dabei wiegen die Maschinen bis zu drei Tonnen pro Stück.
Wie berichtet, stattet der Betrieb auch die Raumfahrtindustrie aus, auf der ISS schwebt beispielsweise ein Stück Bad Aibling im Weltall. „Für unsere patentierte Erfindung eines absolut neuartigen Plakatständers, der durch ein ausgeklügeltes Magnetsystem wasserdicht ist, haben wir zudem den „Branchen-Oscar“ gewonnen“, erinnerte Thurm. „Von uns gefertigte Teile helfen auch, in den Polizeiautos von BMW und Audi auf den Straßen für Sicherheit zu sorgen.“
„Produktion
eines Masterteils“
Thurm hat unter anderem ein System für austauschbare Typenbezeichnungen auf Geräten entwickelt: Hat ein Hersteller mehrere Varianten seines Produktes, deren „Gesicht“ bis auf die Typenbezeichnung immer gleich aussieht (Knöpfe an derselben Stelle etc.), kann Thurm mit einer eigenen Lösung ein „Master-Teil“ produzieren, bei dem die Stelle mit der Typenbezeichnung ausgespart ist.
Bei vielen Einkäufern der Lieferanten gilt der Neu-Ostermünchener Betrieb als „Geheimtipp“. „Sie bleiben uns treu, auch wenn sie die Firma wechseln oder die Kunden ins Ausland abwandern – zum Beispiel in die USA –, bestellen sie trotzdem weiter bei uns“, weiß Thurm aus Erfahrung. „Manche Artikel werden seit über 25 Jahren unverändert von unseren Kunden bestellt. Wir haben dabei kein festes Sortiment, sondern fertigen nach dem Bedarf unserer Kunden“, so Thurm. Und das bereits ab einem Stück bis hin zur Serienproduktion.Die Thurm’schen Gehäuse sind sozusagen das „Zuhause“ oder das „Gesicht“ von elektronischen Geräten. Das sei wie bei einer Stereoanlage, so Thurm: „Da ist die Technik auch in einem meist schwarzen oder silbernen Gehäuse untergebracht“, erklärt er anschaulich. Ein besonderes Anliegen war auch, den neuen Standort so energiesparend wie möglich zu gestalten. Die Bauweise weist besonders gute Dämmwerte auf, und das Heizen mit sparsamen Wärmepumpen ist klimaneutral, wenn der dafür benötigte Strom von den hauseigenen Solarzellen, mit denen das komplette Dach eingedeckt ist, gewonnen wird. Dadurch konnte der ökologische Fußabdruck massiv reduziert werden. „Wir freuen uns sehr über unser neues Hauptquartier und unsere neue Umgebung, in der wir sehr freundlich von allen Nachbarn und der Gemeinde aufgenommen wurden“, erklärt Michael Thurm. „So haben wir die besten Voraussetzungen geschaffen, unsere Firma weiterzuentwickeln, konstant zu wachsen und langfristig Arbeitsplätze zu sichern.“