Stephanskirchen – Wer weiß schon, dass man zum Abfüllen von Wasser wiederum Wasser verbrauchen muss? Oft weitaus mehr, als sich unter nachhaltigen Aspekten rechtfertigen ließe.
In der Produktionshalle von St. Leonhards in der Gemeinde Stephanskirchen steht seit vergangenem Jahr eine Abfüllanlage, die jeweils pro Flasche rund 50 Prozent Brauchwasser einspart und ein Viertel weniger Energie als die alte Anlage verbraucht. „Die Anlage ist ökonomischer und ökologisch auf dem neuesten Stand der Technik“, sagt Firmenchef Martin Abfalter.
Marktführer im Naturkosthandel
Nachhaltig ist für ihn, der das Unternehmen in zweiter Generation betreibt, auch, dass für die neue Anlage nicht extra an- oder umgebaut werden musste und der Weiler um die St. Leonhardsquelle, Namensgeber des Betriebs und seit Jahrzehnten Anziehungspunkt für Quellwasser-Liebhaber, beschaulich blieb.
Und das, obwohl die insgesamt vier artesischen Quellen in Leonhardspfunzen seit Jahren immer beliebter werden. Allein im vergangenen Jahr ist die Nachfrage nach den Quell- und Mineralwässern aus Leonhardspfunzen und der zum Unternehmen gehörenden St.Georgsquelle in Ruhpolding um sieben Prozent gestiegen. Das zellbiologische Forschungsinstitut Dartsch aus dem Schongau hat in einer wissenschaftlichen Studie jüngst die antioxidative Wirkung der Quellwässer nachgewiesen.
Die Verbraucherstatistik spiegelt den Erfolg des Unternehmens, dessen Quelle vermutlich seit Urzeiten sprudelt und die 1734 wiederentdeckt wurde, wider: Spätestens seit der Jahrtausendwende steigt der Pro-Kopf-Verbrauch von Mineral- und Heilwässern in Deutschland spürbar an. Lag er im Jahr 2000 bei rund 100 Litern je Verbraucher, tranken die Deutschen im vergangenen Jahr schon über 150 Liter.
Die Mineralbrunnenbranche setzte zuletzt eine Rekordmenge von knapp 15 Milliarden Litern ab (siehe Infografik).
Der Wettbewerb in dieser Wasser-Wirtschaft ist groß, und die Herausforderung für Familienbetriebe wie St. Leonhards ist, dabei den eigenen Werten treu zu bleiben. Da ist zum Beispiel das Bekenntnis zu Gesundheit und Naturbelassenheit. Und der Wunsch, innerhalb der eigenen Sparte vielfältig aufgestellt zu sein.
1996 von der Familie Abfalter übernommen, ist St. Leonhards heute Marktführer für Mineralwasser im deutschen Naturkosthandel. Auch zwei Hotels in bekannten Heilbädern, in Bad Füssing und nahe Bad Reichenhall, sowie ein Gestüt und eine Naturkäserei betreiben die Abfalters.
Insgesamt beschäftigen sie so 140 Mitarbeiter. Ursprünglich aus der Landwirtschaft kommend, erzählt Martin Abfalter, habe man den Bezug dazu nie ganz aufgeben wollen. Auf dem St. Leonhards Hof in Grabenstätt züchten die Abfalters Leonharder-Stuten, deren Milch sie unter anderem zu Molke und Käseprodukten verarbeiten. „Das ist eines unserer Gesundheitsprojekte“, erzählt der Unternehmer. Auch, dass er auf dem Bio-Hof 15 Bienenvölker bewirtschaftet. Immer wieder kommt im Gespräch das Thema Nachhaltigkeit auf. Auch ein Wert, den die Abfalters im umkämpften Markt der Mineral- und Heilwässer mit ihren eigenen Mitteln verteidigen.
So wollte man beispielsweise nie von der Glasflasche weg. Glas wiegt mehr, erfordert den Transport in Getränkekästen und schränkt damit die Lademenge und so manche Absatzmöglichkeit ein – Plastikflaschen standen laut Abfalter aber nie zur Debatte. Die Glasflaschen, die per Pfandsystem wieder nach Leonhardspfunzen zurück- kommen, werden mit Arteserwasser aus einer weiteren Quelle gleich neben dem Betrieb gereinigt. „20- bis 25-mal kann man eine solche Flasche wieder befüllen, bevor das Glas recycelt wird“, schildert Abfalter. Das entspricht auch den Vorstellungen der Ärzte und Heilpraktiker, welche die Wässer zu Therapiezwecken einsetzen, und den Werten des Naturkosthandels, den er beliefert („Sich in der Biobranche zu etablieren, ist nicht einfach“).
Quellwasser in Dubai? „Muss nicht sein“
Außerdem lieben die Spitzen-Gastronomen, deren Herzen die Wässer aus Leonhardspfunzen und Ruhpolding stetig erobern, Glasflaschen. Ins Münchener „Tantris“ liefert Abfalter ebenso wie zu Heinz Winkler.
Auch in die Schweiz und nach Österreich werden die St. Leonhards Quellen geliefert. Beim deutschsprachigen Raum will es der Unternehmer erst einmal belassen. Obwohl selbst aus Dubai schon Anfragen kamen. „In die Emirate zu liefern, macht mit Glasflaschen aber nun mal keinen Sinn“, war Abfalters Argument gegen dieses Geschäft. Auch dem „Wasser-Hype“ der vergangenen Jahre, der Wassertrinken zum Lifestyle erhob, hat er sich verweigert. Jeden Trend müsse man nicht mitmachen: „Im deutschen Markt steckt noch so viel weiteres Potenzial. Ich will etwas richtig machen oder gar nicht.“